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"Ich bin wirklich froh, dass du hier bist, Peter."
"Ich auch.", murmelte er leise, im vollsten Bewusstsein, dass seine Worte gelogen waren. Wie könnte er auch froh sein? Diese Reise hatte ihm alles verdorben, hatte Rosie in Gefahr gebracht, hatte seine Freundschaft mit ihr noch mehr verschlechtert. Nein, er war nicht froh, dass er dort war. Er wünschte sich, er hätte Queens niemals verlassen. Wieso hatteber jemals einen Fuss in dieses verdammte Flugzeug gesetzt?
"...Aber... du machst dir Sorgen um deine Freunde.", vervollständige Beck seine Worte und brachte Peter damit dazu, traurig zu lächeln. Für einen Moment blickte er auf seine Hände, bevor er seinen Kopf erneut hob.
"Da ist dieses Mädchen...", gestand er leise. Die Erinnerung daran, wie ängstlich und angewidert sie ihn im Wandschrank angeblickt hatte, stieg in ihm hoch, brachte ihn damit dazu, verbittert sein Gesicht zu verziehen. Er hatte ihr wirklich weh getan. Dabei hatte er sich doch geschworen, genau das niemals zu tun. "... ich mochte sie seit Jahren. Ich mochte sie, als noch alles einfacher war. Und dann passierte die ganze Spiderman Sache und der Blip und jetzt... die Elementals. Und ich vermassle alles. Ich habe versucht, Abstand zu ihr zu nehmen, um sie nicht zu gefährden oder weiterhin zu verletzen, ich habe selbst versucht, ein anderes Mädchen zu mögen, doch ich kann es nicht. Und jetzt verletze ich sie immer wieder und... enttäusche sie und ich kann nicht für sie da sein, wenn ich es sollte und kann ihr noch nicht einmal erklären weshalb. In Venedig wäre sie beinahe gestorben und ich durfte nicht für sie da sein, obwohl ich es hätte sollen und obwohl ich es gewollt habe. Wie kann ich ein guter Freund oder... mehr gür sie sein, wenn ich Spiderman bin? Und wie kann ich Spiderman sein, wie kann ich irgendein Superheld sein, wenn ich jederzeit ihre Sicherheit vor derjenigen der restlichen Welt wählen würde?"
Beck musterte ihn für eine Weile, bevor er leise aufseufzte.
"Junge Liebe...", murmelte er, "... ich kann dir dazu leider keinen Rat geben, Peter.", sprach er leise, "Es wird nicht einfacher werden, das kann ich dir sagen. Zwei Leben, zwei Identitäten zu besitzen ist niemals einfach. Und Liebe genauso wenig. Beides zusammen scheint beinahe unmögich zu sein."
"Vielleicht sollte ich ihr davon erzählen... vielleicht... wird es einfacher werden, wenn sie davon weiss.", stammelte Peter. Er hatte schon lange darüber nachgedacht. Ned wusste es. Wieso sollte er es Rosie Blue nicht erzählen? Sie war seine beste Freundin, wenn jemand die Wahrheit verdient hatte dann sie, nicht wahr?
"Das wäre eine Option.", sprach Beck, "Sie würde verstehen, sie würde dich unterstützen, würde es mit Sicherheit auch geheim halten können."
Peter lächelte. Wie viel einfacher doch alles wäre, wenn Rosie es wüsste. Sie wäre begeistert davon, würde alles wissen wollen, würde alles miterleben wollen. Jungen wie Brad würde sie vergessen, würde sie die Wahrheit kennen.
"Doch wirst du... und vor allem wird sie damit klarkommen, das Ziel deiner Feinde zu werden?"
Peters Augen rissen sich auf.
"Komm schon, Peter, hast du denn keine Filme gesehen? Bösewichte holen sich immer zuerst das Mädchen. Sie ist deine Schwachstelle, sobald deine Feinde davon erfahren, werden sie sie benutzen, um dich zu schwächen und dir Schmerzen zu bereiten. Du willst nicht wissen, was Menschen fähig sind jungen Mädchen anzutun, bloss um einen Superhelden damit zu quälen. Ganz im Besonderen dann, wenn sie wissen, dass du ihr Wohlergehen über das der Welt stellst. Könntest du dieses Wissen ertragen?"
Die Schultern hängen lassend, versuchte Peter, die aufgekommene Trauer und Enttäuschung in ihm einzudämmen. Nein, das könnte er nicht. Rosie war Tabu. Fasste jemand sie an würde er seinen Verstand verlieren. Würde jemand ihr Schmerzen zufügen, um ihm zu schaden, würde es ihn umbringen. Sie war ein starkes, mutiges Mädchen, das wusste er. Doch das bedeutete nicht, dass sie nicht zerbrechlich war. Sie war ein so zierliches, liebevolles Mädchen, immer das Gute in jedem erkennend, immer hoffnungsvoll. Menschen wie sie waren so einfach auszunutzen und zu verletzen.
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Rosie war noch nie in einer Oper gewesen. Sie hatte es auch noch nie gewollt. Doch wenn sie ehrlich war, breitete sich eine Ruhe und Erleichterung in ihr aus, welche sie in den letzten Tagen selten verspürt hatte, als sie die roten Sessel vor sich erblickte, die wenigen Menschen und die Sicherheit. Mysterios Plan, was auch immer dieser war, würde nicht hier stattfinden. Ihre Freunde waren in Sicherheit, sie war in Sicherheit... Peter war in Sicherheit. Trotz ihrer offensichtlichen Wut auf ihren besten Freund war dies das Einzige, was sie in diesem Moment tatsächlich kümmerte. Sie wollte die Zeit in Prag hinter sich bringen, die Oper schien kein schlechter Ort zu sein, um dies zu tun, egal, wie langweilig es auch sein würde. Vielleicht würde sie ein wenig Schlaf nachholen können. Etwas, dass sie definitiv benötigte, ihr ganzer Körper sehnte sich nach Schlaf.
"Du nimmst es relativ leicht.", hörte Rosie Brad neben sich flüstern, augenblicklich bereuend, dass sie sich von ihm auf einen Sessel neben ihm hatte ziehen lassen.
"Mmmh?", entkam es ihr, als sie ihm langsam ihr Gesicht zuwandte. Er lächelte.
"Dich scheint es kaum zu stören, dass wir das Lichterfest verpassen und stattdessen hier festsitzen.", erklärte er liebevoll seine Worte. Rosie wusste nicht, was sie daraufhin erwidern sollte, schenkte ihm damit schlicht und einfach ein Lächeln und zuckte mit ihren Schultern. Brad sprach weiter, nicht bemerkend, wie Rosie ihm kaum zuhörte und stattdessen die Worte mitzuhören versuchte, welche Ned in die Richtung ihrer Lehrer sprach.
"Peter fühlt sich nicht gut... geht zurück ins Hotel..."
Sie war sich nicht sicher, ob sie ihn richtig verstanden hatte. Sie wollte nicht glauben, dass sie es getan hatte. Peter im Saal finden tat sie jedoch nicht. Ein zweites Mal überblickte sie den fast leeren Saal, sich sicher, dass sie ihn hinter irgendeinem Sessel vorfinden würde oder zwischen zwei Klassenkameraden, doch nichts veränderte sich. Das Bedürfnis, in Tränen auszubrechen, stieg in ihr hoch. Sie hasste den Jungen, der sie immer wieder in eine solche Situation brachte. Der Junge, der alles immer kompliziert machen musste, sich immer in Gefahr begeben musste. In diesem Moment hasste sie ihn aus vollstem Herzen. Und dennoch konnte sie sich nicht daran hindern, alarmiert von ihrem Sitz hochzufahren, zu ignorierte, wie man ihr verwirrte Blicke zuwarf und wie Ned ihren Namen rief, als sie sich ihre kleine Tasche schnappte und in die Richtung des Ausgangs rannte, um ihn zu suchen.
So sehr sie ihn auch hasste, sie liebte ihn zu sehr, um den Gedanken auch nur für eine Sekunde aushalten zu können, dass er in Gefahr war.