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Es vergingen mehrere Tage in denen Raven die meiste Zeit abwesend in Gedanken verbrachte. Sirius hatte sich bei ihr entschuldigt, auch wenn Raven das Gefühl hatte, dass es nicht ganz freiwillig geschehen war und dass entweder James oder Remus ihn dazu gezwungen hatte. Es spielte jedoch kaum eine Rolle. Ihre Freunde wiesen genauso viele Makel wie sie selbst auf. Remus, der sich selbst auf Grund von etwas, was er nicht ändern konnte und etwas, wofür er keine Schuld trug, verabscheute. Peter, der kaum den Mund aufbringen würde, würden sie ihn nicht ab und zu dazu zwingen. Sirius, der jede Woche neue Herzen brach und sich nicht darum kümmerte. Und James. Ein Junge so loyal und gleichzeitig waghalsig, dass er sich immer wieder freiwillig in Probleme und Gefahren hineinstürzte. Raven liess sich von ihnen nicht für ihre Handlungen verurteilen.
Jeremie hatte bisher noch keine weitere Affäre gehabt. Zumindest wusste sie von keiner und da Gerüchte sich in Hogwarts unglaublich schnell verbreiteten, hätte sie bestimmt davon gehört. Es überraschte sie. Wenn sie ehrlich war, hatte sie geglaubt, er würde, sobald sie zur offenen Beziehung zugestimmt hatte, alles zu vögeln beginnen, was nicht bei drei auf dem Baum war. So sehr Raven ihn auch mochte, sie war nicht naiv. Das war Jeremie McLaggen und niemand, auch nicht sie, konnte irgendetwas daran ändert. Er würde mit den Affären beginnen. Wahrscheinlich hatte er bisher schlichtweg nicht die Zeit dafür gefunden.
Was sich jedoch, ganz im Gegensatz zu Jeremie, verändert hatte, war James. Raven merkte, wie er ihre Nähe ein wenig zu meiden begann. Nicht den Kontakt zu ihr, er sprach noch immer jede freie Sekunde mit ihr, witzelte mit ihr und setzte sich im Unterricht neben sie, doch er blieb immer vorsichtig. Seine alltäglichen, selbstverständlichen Berührungen verschwanden abrupt. Er zog sie nicht mehr an ihrer Taille näher, wenn sie neben ihm lief, warf nicht mehr seinen Arm um ihre Schulter und drückte sie nicht mehr an sich.
Raven konnte bloss annehmen, dass dafür der selbe Grund verantwortlich war, wie für die Tatsache, dass sie immer wieder in Tagträumen versank.
Der Kuss.
Der unglaubliche Kuss, welcher bloss einige Tage her war. Raven erinnerte sich noch an fast alles davon. Wie ein Film spielte sich die Erinnerung in ihrem Kopf auf Dauerschleife ab und liess sie beinahe ihren Verstand verlieren. Er musste der Grund sein, wieso James anders mit ihr umging, nichts anderes konnte es sein.
Das Problem war bloss, dass Raven nicht wusste, wieso er auf Abstand ging. Tat er es, weil ihn ihre Worte verwirrt hatten? Weil sie ihm gesagt hatte, dass er nicht aufhören sollte? Hatte er Angst, dass sie Gefühle für ihn entwickeln würde, welche er nicht erwidern konnte? Oder war es vielleicht wie bei ihr? Dass er ihre körperliche Nähe mied, weil er den Kuss genossen hatte?
Nicht wissend, was es davon war und nicht mehr aushaltend, wie er sich bei jeder kleinsten Berührung von ihr zu verspannen begann, tat Raven schliesslich das Einzige, was sie konnte.
Sie fragte ihn.
Sie beide sassen in der Bibliothek. Es war bereits Abend und sie versuchten konzentriert, sich die Zutaten eines Zaubertrankes einzuprägen, über welchen sie am nächsten Tag geprüft werden würden, als Raven aufseufzte, das Buch vor ihr zuschlug und sich nach hinten auf die Lehne des Stuhls sinken liess.