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„Wie fühlst du dich?", sprach Ned vorsichtig, als Rosie den Versuch machte, langsam ihren Oberkörper zu heben und im Bett aufzusitzen. Sie fühlte sich benommen, so, wie sie es immer am Morgen nach einer Nacht tat, in der sie etwas zu viel getrunken hatte und ihr rechter Arm schmerzte bei jeder kleinsten Bewegung. Wahrscheinlich war er blau angelaufen und wenn er es nicht war, würde er es in wenigen Stunden sein. „Rosie?"
Sich umblickend erkannte sie die besorgten Gesichter ihrer Freunde. Ned, dessen Hand sie auf ihrer linken Schulter spürte, Betty, die sich an Neds Arm klammerte und sie aus besorgten Augen musterte, MJ, in deren Gesicht sie das erste Mal seit Jahren überhaupt eine Gefühlsregung erblickte, Flash und Brad.
„Wie viele Stunden habe ich geschlafen?", murmelte sie leise, die Stille und ihre Freunde nicht ertragend, die sie anblickten, als würden sie noch immer um ihr Überleben fürchten. Es konnten nicht allzu viele sein, denn noch immer besass sie feuchte Haare und noch immer trug sie, eingewickelt in tausend Decken, ihre nasse Kleidung. „Was ist passiert?"
„Sie erinnert sich nicht...", wisperte Ned alarmiert, sodass sie leicht ihre Augen verdrehte.
„Mir geht es gut, Ned.", entkam es ihr. „Ich erinnere mich noch genau. Glaub mir. So schnell werde ich dieses... Ding nicht vergessen. Aber... ich erinnere mich daran, ins Wasser gefallen zu sein, nicht, wieder daraus hinausgekommen zu sein. Wie bin ich hierher gekommen?"
Rosie! Wach auf, komm schon!
„Da war dieser Superheld.", begann Ned, als MJ ihn unterbrach.
„Peter hat dich hierher gebracht. Er hat gesehen, wie du gefallen bist und wie man dich aus dem Wasser gerettet hat. Er hat sichergestellt, dass es dir gut geht, dass du... atmest. Und dann hat er dich hierher gebracht. Das hat er uns zumindest erzählt."
„Und dabei muss er wohl einige Male selbst in den Kanal gestolpert sein, denn er war genauso nass wie du.", fügte Brad hinzu, doch alles, woran Rosie denken konnte, war: Wie hatte Peter sie finden können? Was hatte er beim Glockenturm getan? War er denn nicht in die entgegengesetzte Richtung gegangen?
"Wo wart ihr?"
"Nun...", begann Ned, als niemand anderes antworten wollte, "... wir waren noch, wo du uns verlassen hast und sind... gerannt, als dieses Ding kam. Wir alle waren wenige Minuten später wieder hier und haben realisiert, dass du und Peter fehlten. Und naja, wir wollten euch suchen kommen, aber..."
"Ned.", flüsterte Rosie leise und schenkte ihm ein kleines Lächeln, "Ich hätte euch persönlich getötet, hättet ihr euch wegen mir in Gefahr gebracht."
Und das meinte sie absolut ernst. Nichts wäre unerträglicher für sie, als wenn einer ihrer Freunde wegen ihr verletzt wurde. Zu rennen war in dieser Situation das einzig Richtige. Wieso also hatte Peter es nicht getan? War er tatsächlich dumm genug gewesen, um dem Ungeheuer zu folgen? Peter war alles andere als dumm, wieso also sollte er es getan haben? War es vielleicht auf Grund seiner Faszination für Superhelden? Iron man, Captain America, Thor... Peter hatte sie schon immer verehrt. Konnte es also sein, dass er nicht dem Ungeheuer gefolgt war, sondern dem Superheld?
Mysterio?
"Mysterio.", murmelte sie. "Wer ist Mysterio?" Sie liess ihren Freunden nicht Zeit, um zu antworten, denn sie stand auf. Etwas zu schnell, sodass ein Schwindel sie überfiel und sie zum Stolpern brachte. Brad war augenblicklich zur Stelle, stützte sie und führte sie schliesslich, ihren Protest ignorierend, zurück zu ihrem Bett. Er schenkte ihr ein Lächeln, als sie ihm zu erklären versuchte, dass es ihr gut ging, doch er liess nicht zu, dass sie erneut aufstand. Sein verdammtes Lächeln. Sein typisches Lächeln, sein "Ich tue das alles bloss für dich"-Lächeln. Normalerweise mochte sie es immer, doch diesmal konnte sie es nicht ausstehen. Er warf die Decke über sie, zog sie bis unter ihr Kinn und verharrte noch einen Moment neben ihr, seine Hand ein wenig zu lange an ihrer Schulter, sodass Ned und MJ gleichzeitig ihre Augenbrauen hoben. Ned missbilligend, MJ amüsiert. Und Rosie versuchte den Schmerz zu ignorieren, welchen er ihr damit unabsichtlich zufügte.
Rosie, wach auf, bitte...
Sie erinnerte sich an sein Gesicht. Sein verschwommenes Gesicht oberhalb von ihr, seine Hände an ihrem Gesicht, Verzweiflung in seinen Gesichtszügen. Und sie erinnerte sich noch an ihre Hand in der Tasche ihrer Jacke, welche verzweifelt etwas umklammerten. Etwas, wofür sie ihren letzten Atem riskiert hatte, als sie es im Wasser hatte treiben sehen. Sie hatte es eingesteckt, bevor alles dunkel geworden war. Es musste sich noch immer in ihrer Jackentasche befinden.
"Ich muss Peter sprechen.", murmelte sie, "Wo ist er?"
"Penis Parker benötigt seinen Schönheitsschlaf nach all der Aufregung."
"Halt die Klappe, Flash.", knurrte Ned, doch auch Brad schaltete sich ein, den selben vorwurfsvollen Ton in seiner Stimme wie bei Flash.
"Er hat aber Recht. Er ist nicht hier, nicht wahr? Und ich sah, wie er in sein Zimmer gegangen ist, nachdem er Rosie hier abgeladen hat.", sprach er schulterzuckend. Rosie hörte weder auf Flash, noch auf Brad, auch wenn es ihr schwer fiel. Die beiden Jungen waren beide nicht gut auf ihren besten Freund zu sprechen, auch wenn sie den Grund dafür nicht verstand. Aber sie selbst wusste, dass wenn Peter nicht bei ihr war, er einen guten Grund dafür haben musste. Peter würde sie nicht alleine lassen nachdem, was passiert war. Ganz gleich, wie sehr sich ihre Beziehung auch in den letzten Wochen verändert hatte. "Was für ein bester Freund wartet denn nicht, bis du aufwachst?"
Rosie verzog auf Brads Worte ihr Gesicht, doch sagte nichts dazu und so verfiel der Raum für eine Weile in eine erdrückende Stille. Niemand würde es zugeben, doch die Meisten, selbst diejenigen, die Peter gut leiden konnten, stellten sich die exakt gleiche Frage, die Brad in den Raum geworfen hatte. Rosie war schliesslich diejenige, die die Situation nicht mehr aushielt.
"Hey Leute, nehmt es mir nicht übel, aber ich würde jetzt gerne eine Dusche nehmen. Ich will gar nicht wissen, was für Bakterien sich im Kanal befinden und wie viele davon ich an mir trage oder verschluckt habe."
"Eine Unmenge von Escherichia Coli, Fäkalbakterien.", sprach MJ. Rosie nickte mit einem angeekelten Gesicht.