Eine ungekannte Gelassenheit hat sich über die Beziehung von Jaden und mir gesenkt. Seit wir miteinander geschlafen haben, hat sich etwas verändert. Schon wieder. Spielerisch necken wir uns, reden über tiefgründige Dinge und erforschen unsere Körper. Genau so fühlt sich der Beginn einer Beziehung an, dass wir bereits einige Stufen übersprungen haben, ist belanglos. Auch wenn Jaden immer noch den ganzen Tag in seinem Büro sitzt, nimmt er sich Zeit für mich und ich merke mit jedem Kuss, dass ich ihm näherkomme.
Es klopft an meiner Tür, ich blicke von meinem Buch auf. Ich habe ihn erwartet, aber er kommt früher als gedacht. „Ena? Hast du kurz Zeit?" „Klar habe ich Zeit. Komm rein." An seinem Gesicht sehe ich, dass etwas nicht stimmt. „Was ist los?" Besorgt stehe ich vom Bett auf und lege das Buch zur Seite. „Was ist passiert?"
Ein komischer Ausdruck legt sich über Jadens Gesicht. „Ena... Es tut mir leid... Aber ich muss für einige Tage weg. Vielleicht dauert es auch länger.... Das kann ich jetzt noch nicht sagen. "Was ist passiert? Warum musst du weg?" frage ich. „Mh... Ich glaube es ist besser, wenn du nicht so tief mit drinnen steckst. Unwissenheit schützt, weißt du..." Jetzt werde ich doch etwas wütend. „Dafür ist es aber etwas zu spät, oder? Tiefer kann ich ja wohl nicht mehr mit drinnen stecken, da kannst du mir auch sagen was los ist. Hat es mit der Colombo-Familie zu tun? Ist es wieder unruhiger geworden?" Sein Ausdruck sagt mir, dass ich ins Schwarze getroffen habe. Also etwas mit dem Caruso-Colombo Konflikt.
"Ja, ich dachte eigentlich... Aber jetzt gab es ein Aufeinandertreffen in Napoli und es war sehr... unschön..." Unschön? Das ist bestimmt eine totale Untertreibung. Wenn zwei bewaffnete Gruppen aufeinandertreffen, die sehr wohl gewalttätig sind, dann kann man froh sein, wenn man nur erschossen wird. "Was ist passiert?" frage ich noch einmal. Schluss mit der Geheimnistuerei, wie soll ich hinter ihm stehen, wenn ich nicht weiß, was vor sich geht.
"Naja, ich will dir die Details ersparen, aber es gab sehr viele Opfer. Sie haben eine unserer Lagerhallen am Hafen eingenommen und das ist sehr schlecht für unser... Business..." Wieder blickt er verlegen zur Seite. "Oh...", mache ich nur. Das hatte ich fast vergessen. Ich weiß immer noch nicht zu hundert Prozent, wie sich die Caruso-Familie ihr Geld verdient, aber ich hatte bereits eine Ahnung. Wie einfach sie mich entführen konnten, das Haus in Deutschland mit den Gefangenen und jetzt also ein Lager in einer Hafenstadt? Neapel ist keine Stadt mit weißer Weste.
"Das heißt also, das Haupteinkommen steht auf dem Spiel. Sie haben sich so richtig mit uns angelegt." fügt Jaden hinzu. "Wenn wir das jetzt nicht klären... Wer weiß, was dann passiert. Sämtlicher Handel läuft über diesen einen Hafen. Deswegen muss ich so schnell wie möglich da hin." Verunsichert dreht er seinen Kopf zur Seite.
"Ist es gefährlich?" Natürlich ist es das, aber ich muss es trotzdem aus seinem Mund hören. "Ena, ich will dich nicht anlügen... Das Oberhaupt der Colombos hat mich zu Verhandlungen eingeladen, es könnte eine Falle sein, aber das kann ich jetzt nicht ablehnen." Er holt schwer Luft. Hat er Angst? Plötzlich bin ich erleichtert, dass Rika gerade im Urlaub ist.
"Ich muss bald los, ich hab jemanden speziell zu deinem Schutz angefordert, du musst dir also keine Sorgen machen! Ich bin bestimmt bald zurück."
"Jaden... Pass auf dich auf." Schnell schlinge ich meine Hände um seinen Hals und ziehe ihn zu mir. "Wehe, du kommst nicht zurück, was mach ich dann?" flüstere ich an seinem Ohr. Seine Muskeln entspannen sich. "Natürlich komme ich zurück, ich kann dich doch nicht allein lassen. Nicht wo du endlich mir gehörst." Spielerisch küsst er mich. Er hat es nicht so gemeint, aber dass ich ihm gehöre... Das fühlt sich irgendwie komisch an. Doch dann löst er sich von mir. Oke, jetzt geht er also wirklich weg. "Bis bald, Ena. Und ähm... Ich liebe dich..." Ohne sich umzudrehen schlüpft er durch die Tür. Nun bin ich also allein. Allein in diesem Haus, vielleicht kommt er nie mehr zurück? Das verändert alles, oder?
Abends sitze ich allein auf der Terrasse und blicke in die Sterne. Was würde wohl passieren, wenn Jaden tatsächlich nicht mehr zurückkommen würde? Wäre ich dann das nächste Ziel? Ein kurzes Räuspern zieht mich aus meinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit.
„Hey, lange nicht gesehen..." höre ich eine bekannte Stimme. Ich drehe den Kopf und eine Welle absoluter Überraschung bricht über mir nieder. Das kann doch nicht sein, oder?
„Finn? Was machst ausgerechnet du hier?"
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Legato
Aventura„In meinem Leben gibt es niemanden mehr, für den es sich zu sterben lohnt" Als sie Zeugin eines Unfalls wird, gerät die 18 jährige Loreena unfreiwillig in die ihr völlig fremde Welt der Mafia. Plötzlich sieht sie sich Entscheidungen gegenüber, die w...
