Aurora
Erst als ich mich auf den Beifahrersitz sinken ließ, bemerkte ich das leichte Brennen in meiner rechten Hand. Nachdenklich drehte ich sie vor meinem Gesicht und betrachtete die geröteten Fingerknöchel. Ein kaum merkliches Schmunzeln legte sich auf meine Lippen. Verrückt. Ausgerechnet jetzt fiel mir auf, dass die Ohrfeige wahrscheinlich mehr meiner Hand wehgetan hatte als ihrem Gesicht.
„Ich hoffe wirklich, dass die Bitch sich deinen Namen gemerkt hat", hörte ich Lucia draußen grinsend sagen. Sie lehnte lässig an der geöffneten Beifahrertür und verschränkte die Arme vor der Brust. „Spätestens heute dürfte sie verstanden haben, dass man sich besser nicht mit Aurora Henington anlegt."
Ich verdrehte belustigt die Augen.
„Ich kann es einfach nicht glauben", mischte Dean sich kopfschüttelnd ein, während er neben Lucia stehen blieb, „Enzoline du heiße Schnitte, du hast es einfach geschafft." Sein Blick wanderte kurz zu mir, ehe sich ein schiefes Grinsen auf seine Lippen legte. „Reicht ja nicht aus, dass er unsere kleine problematische Diva bislang war. Jetzt gibt's auch noch eine nicht einmal ein Meter sechzig große Psychopathin, die langsam exakt so wird wie ihr zukünftiger heißer Ehemann."
Lucia drehte den Kopf so langsam zu ihm, dass Dean augenblicklich verstummte.
„Aurora war noch viel zu nett", entgegnete sie trocken. „Ich hätte der Frau allein aus Prinzip die Zähne ausgeschlagen."
Dean hob sofort beschwichtigend beide Hände.
„Ich weiß, ich weiß." Er nickte hastig. „Und genau deshalb liebe ich dich... auch wenn ich inzwischen ziemlich sicher bin, dass ich deutlich mehr Angst vor dir habe, als dass ich dich liebe."
Ein zufriedenes Grinsen breitete sich auf Lucias Gesicht aus.
„Das hoffe ich doch. Angst ist immer gut."
„Siehst du?" Dean seufzte gespielt schwer und wandte sich mit einem leidenden Blick zu mir. „Genau das meine ich. Seit Enzo in unserem Leben ist, werden wir alle langsam verrückt. Ich war heute sogar richtig sauer, weil er mein Beste-Freunde-T-Shirt nicht mochte."
Lucia warf ihm einen vielsagenden Blick zu, hob langsam eine Hand und tätschelte ihm beinahe mitleidig die Wange.
„Zu Recht." Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Das Shirt ist eine Katastrophe. Vor allem dieses miserabel bearbeitete Grinsen auf Enzos Gesicht." Sie schüttelte theatralisch den Kopf. „Ganz ehrlich, Deanchen... selbst ich hätte dir dafür eine Ohrfeige gegeben."
Dean murmelte irgendetwas von toxischen Frauen, worauf Lucia ihm ohne zu zögern gegen den Oberarm schlug. Sein übertriebenes Aufstöhnen ließ mich leise lachen, während ich den Kopf schüttelte.
„Fahrt vorsichtig, mi hermosa", sagte Lucia schließlich und beugte sich noch einmal zu mir hinunter. „Und treibt es heute Nacht nicht zu hart, wir müssen noch einiges für die Hochzeit planen."
Ich grinste beschämt und spürte augenblicklich die Röte im Gesicht.
Kopfschüttelnd zog ich die Tür langsam zu.
Mit dem dumpfen Geräusch verstummte jedes einzelne Geräusch von draußen.
Plötzlich war es still.
So still, dass ich erst jetzt bemerkte, dass Enzo während der gesamten Zeit kein einziges Wort gesagt hatte.
Er saß bereits hinter dem Steuer, den Blick unbeirrt auf die nächtliche Straße gerichtet. Seine linke Hand lag locker am Lenkrad, während die rechte entspannt auf der Mittelkonsole ruhte. Für jeden Außenstehenden hätte er vermutlich vollkommen gelassen gewirkt. Fast gelangweilt. Doch genau darin lag das Problem. Ich kannte diesen Mann inzwischen viel zu gut, um mich von seiner Fassade täuschen zu lassen. Seine Ruhe war niemals bloß Ruhe, sie war Kontrolle. Sie war die dünne Schicht Eis über einem Abgrund, von dem ich längst wusste, wie tief er tatsächlich war.
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Dark Passion
RomanceEnzo Henington ist tödlich. Als bester Soldat seiner Delta-Force-Einheit lebt der 28-Jährige für Disziplin, Kontrolle und Gewalt. Gefühle sind für ihn eine Schwäche, Vertrauen ein Fehler. Seine Kameraden kennen ihn als eiskalten Kämpfer mit dunkler...
