Ich baute nun mit Ben und nach einer Weile dann auch Jenny zusammen einen kleinen Parcours auf, bevor ich dann mit Ben los ging, um Ginger fertig zu machen.
"Ist alles in Ordnung?", fragte ich nun an Ben gerichtet, während ich Ginger sattelte.
"Ja.", kam es nur von ihm.
"Okay. Wenn irgendwas ist dann sag Bescheid! Schrei von mir aus durch die komplette Halle. Das ist völlig in Ordnung. Ginger ist nicht schreckhaft. Du musst nur auch wirklich Bescheid sagen, wenn etwas ist! Dann kann ich auch versuchen dir zu helfen."
"Ja.", kam es nur wieder von Ben.
So machten wir nun schnell noch Ginger fertig und gingen dann mit ihr in die Halle. Dort angekommen setzte Ben sich auf die Tribüne und ich schwang mich nun auf den Rücken meiner Stute, um sie dann locker etwas warm zu reiten und schließlich etwa eine Stunde mit ihr zu trainieren.
Als ich dann fertig war, kam auch schon Jenny mit Scarlett in die Halle und nahm mir nun meine Stute ab.
"Danke!", sagte ich und schwang mich nun auf Scarletts Rücken. Ein Blick zu Ben rüber, ließ mich allerdings direkt wieder ab steigen.
"Was ist denn jetzt?", fragte Jenny verwundert.
"Weißt du, wo Julia ist?", fragte ich.
"Ja. Die ist drinnen und analysiert drinnen irgendwas. Wieso?"
"Könntest du mir einen Gefallen tun und die mal ganz schnell holen?"
"Ja klar.", meinte Jenny und verschwand nun, um nach einer Weile mit Julia zusammen wieder zu kommen.
"Was ist los?", fragte diese.
"Könntest du dich mal um Ben kümmern? Der schiebt schon wieder Panik.", fragte ich auf deutsch, sodass Ben uns nicht verstehen konnte. Es war schon ganz praktisch, dass Julia und Jenny deutsch sprachen.
"Ja klar. Was hast du denn mit ihr vor?", antwortete Julia mir ebenfalls auf deutsch.
"Ich wollte sei einfach nur ein bisschen vorwärts, abwärts reiten."
"Ich glaube das ist keine gute Idee. Das ist zu früh. Das was gestern passiert ist, ist noch nicht lang genug her. Wenn du dich jetzt direkt wieder auf sie drauf setzt, kommt das alles wieder hoch."
"Okay. Und was soll ich sonst machen? Ich muss sie irgendwie ein bisschen bewegen."
"Lass mich mal machen. Ich hab da eine Idee.", meinte Julia und rief nun Ben zu uns. Dieser stand wenig später dann auch neben uns und fragte: "Was denn?"
"Du nimmst sie jetzt am Zügel und führst sie einfach im Schritt eine Runde außen rum.", meinte Julia und drückte Ben die Zügel von Scarlett in die Hand.
"Warum?", fragte dieser verwundert.
"Frag nicht, sondern mach es einfach.", meinte Julia und so ging Ben nun mit der Stute am Zügel eine Runde die Bande entlang.
"Was wird das?", fragte ich.
"Ich hab mich heute schon den ganzen Tag ein bisschen mit seiner Psychologie auseinandergesetzt und eine Art Therapie für ihn ausgearbeitet. Das, was ich jetzt hier mit ihm mache ist einfach ein kleiner Trick. Dadurch, dass er Scarlett jetzt selber fest hält und führt, hat er die Kontrolle über sie. Wenn er gleich wieder bei uns ankommt, setzt du dich auf ihren Rücken und Ben führt dich. Dadurch hat er das Gefühl, dass er unter Kontrolle hat, was mit dir passiert. Das probieren wir jetzt einfach mal aus. Vielleicht klappt es ja.", meinte Julia und so befolgten wir die ganze Zeit ihre Anweisungen. Ben führte mich erst und longierte mich dann schließlich. So hatte er die ganze Zeit das Gefühl irgendwie eingreifen zu können, wenn es gefährlich wurde und es ging ganz ohne Panik von ihm.
So verbrachten wir auch die nächsten Tage. Julia entwickelte die tollsten Therapien, um Ben irgendwie zu helfen und ich unterhielt mich viel mit ihm. Jeden Tag redeten wir über alles, was an dem Tag passiert war und man konnte jeden Tag erkennen, dass es Ben wieder etwas besser ging. Es war, wie ein Wunder, aber Julia schaffte es, dass Ben seine Ängste langsam überwand. So wirklich geheilt sein würde er davon niemals, aber Julia brachte ihm einige Techniken bei, wie er seine Angst in den Griff bekommen konnte. Dazu kam noch eine feste Abmachung, die wir mit einer Art Vertrag geregelt hatten. Damit versprach Ben uns und vor allen Dingen auch mir, dass er jedes Mal, wenn er Angst hatte, oder merkte, dass es einfach nicht mehr ging, Bescheid sagte. Dadurch passierte es zwar öfter mal, dass ich bei einem Ausritt von ihm unterbrochen wurde, aber das war mir lieber, als wenn er sich umbrachte.
So schafften wir es, dass Ben nach gerade mal zwei Monaten ein völlig anderer Mensch wurde. Er machte sich zwar immer noch öfter mal extrem viele Sorgen, aber er wusste jetzt einfach, wie er damit umgehen konnte und so konnte ich nun tatsächlich ohne Bedenken mit Tahir ausreiten. Und das ganz ohne Angst haben zu müssen, dass Ben in der Zeit total durch drehte. Wenn irgend etwas war, rief er einfach an und ich konnte ihm versichern, dass alles in Ordnung war. Danach war dann meist wieder alles in gut und wenn nicht dann ritt ich eben zurück zum Gestüt.
Nach den zwei Monaten durfte dann auch Lea wieder reiten und wir begannen richtig damit Capricio aus zu bilden. Diesen hatte ich in der Zeit schon etwas angeritten und er konnte die grundlegenden Dinge schon mal. Zusätzlich hatten wir auch unser kleines Zeitproblem gelöst, denn Emely und Lea hatten ihren Abschluss geschafft und arbeiteten nun voll auf dem Gestüt. Zusätzlich hatte auch eine gute Freundin von Lea bei uns angefangen und so hatten wir endlich mal genug Arbeiter. Der Alltag war so nun immer noch relativ stressig, aber ich fand zumindest die Zeit mich jeden Tag mindestens eine Stunde mit Devil zu beschäftigen und jeden Abend mit Ben aus zu reiten und über den Tag zu sprechen. Außerdem hatte ich endlich jemanden gefunden, der mir bei der Buchhaltung half. Leas Mutter hatte leider ihren Job im Büro eines kleinen Supermarktes verloren, da dieser schließen musste und half mir nun mit der Buchhaltung. Wobei helfen gut war. Genau genommen machte sie tagsüber die komplette Buchhaltung und ich guckte abends dann nur nochmal drüber. So konnte ich mir auch die Nachtschicht sparen und es bildete sich langsam ein geregelter Alltag. Natürlich gab es noch immer jede Menge Chaos. Ohne wäre es ja auch langweilig, aber mittlerweile war es zumindest etwas weniger und mit so vielen Leuten konnte man die Probleme besser lösen.Wir hatten einfach für alles mehr Zeit und wir schafften es so auch schließlich, dass unsere Wette richtig zu Stande kam.
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Sprung ins Chaos
Rawak"Sprung ins Chaos" ist der 6. Teil meiner Buchreihe zu den Bewohnern des Gestüts Michalòw und knüpft direkt an den 5. Teil "Der falsche Sprung" an. Auch hier geht es wieder um Lisa, Ben und vor allen Dingen auch Emely, die mal wieder ordentlich Chao...
