Nach einer Weile fragte ich dann: "Weiß Paul eigentlich schon Bescheid?"
Emely schüttelte nur den Kopf.
"Okay. Dann werd ich den mal eben anrufen.", meinte ich, bevor ich dann mein Handy hervor kramte, um Paul an zu rufen.
"Ja?", meldete sich dieser nach einer Weile verschlafen.
"Hallo! Lisa hier. Was machst du gerade?"
"Das, was normale Leute um diese Uhrzeit tun. Schlafen."
"Ist Johannes zuhause?"
"Ja. Wieso?"
"Gut. Den weckst du jetzt mal und lässt dich ganz schnell ins Krankenhaus fahren."
"Wieso? Ist irgendwas passiert?"
"Nein. Keine Sorge, aber Emely hat Wehen."
"Was? Das ist doch viel zu früh!"
"Ganz ruhig! Bleib locker. Alles ist gut. Nichts dramatisches. Ich denke nur du wirst bei der Geburt dabei sein wollen."
"Ja klar! Ich komme sofort."
"Mach langsam! Wir fahren auch noch eine Stunde, bis wir da sind."
"Okay. Ich komme!"
Ich legte nun auf und berichtete: "Er kommt."
Eine Stunde später kamen wir dann am Krankenhaus an, wo Paul bereits nervös hin und her ging und sofort auf uns zu kam, als er uns bemerkte. Sprachlos schaute er Emely an und ich merkte, dass er mit der Situation völlig über fordert war.
"Alles gut. Wir machen das schon.", sagte ich auf deutsch und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. Von ihm kam nur ein Nicken.
Wir gingen nun rein und wurden direkt in den Kreißsaal begleitet. Paul schob mittlerweile etwas Panik und hatte so gar keine Ahnung wie er mit der Situation jetzt umgehen sollte, geschweige denn, was er machen sollte.
"Ganz ruhig. Alles gut. Du musst gar nichts machen. Sei einfach für sie da. Mehr kannst du sowieso nicht tun.", wies ich ihn auf deutsch an, sodass Emely es nicht unbedingt verstand. Sie brauchte nicht zu wissen, dass Paul keine Ahnung hatte, was er tun sollte. Das würde sie nur beunruhigen und das konnte sie jetzt nicht gebrauchen. Ich setzte mich nun neben Emely auf einen Stuhl, der dort stand. Beruhigend redete ich auf sie ein und gab ihr zwischendurch Anweisungen, was sie tun sollte.
Ein paar Stunden später hatte Emely dann eine kleine Tochter und ich eine Enkelin. Paul war mittlerweile nass geschwitzt und total fertig. Emely ging es da auch nicht wirklich anders. Sie war einfach nur erleichtert es endlich hinter sich zu haben. Ihre Augen strahlten, als sie ihre Tochter das erste Mal im Arm hatte und es war einfach toll sie so glücklich zu sehen.
"Wie soll sie denn heißen?", fragte ich nun.
"Laura.", sagten Emely und Paul im Chor. Ich lächelte. Da waren sie sich wohl eindeutig einig.
"Ich geh dann mal eben deinen Vater anrufen. Der läuft wahrscheinlich schon wieder Amok.", sagte ich und verließ den Raum,um Ben an zu rufen. Dieser ging sofort dran uns fragte hoffnungsvoll: "Lisa?"
"Ja. Ich bins.", sagte ich.
"Wie geht's Emely? Ist alles in Ordnung?"
"Ja. Ganz ruhig. Alles ist gut. Emely geht's so weit gut und du bist jetzt offiziell Opa von der kleinen Laura."
Erleichtert atmete Ben aus und ich konnte regelrecht hören, wie ihm ein Stein vom Herzen viel. Er hatte sich wohl ziemliche Sorgen gemacht.
"Kannst du dich jetzt wieder beruhigen und in Ruhe noch ein bisschen schlafen?", fragte ich.
"Vielleicht. Kommt ihr dann jetzt auch wieder?"
"Ja. Ich denke wir bleiben noch einen Moment und dann kommen wir auch wieder."
"Okay. Grüß Emely schön von mir! Ich bin stolz auf sie."
"Ja. Das sag ich ihr. Bis später!"
"Bis dann!"
Ich legte nun wieder auf und ging zurück zu Emely.
"Schöne grüße von deinem Vater! Ich soll dir sagen, dass er stolz auf dich ist!", sagte ich zu ihr. Emely nahm das ganze nur mit einem Lächeln hin.
"Kommt ihr hier alleine klar? Kann ich fahren oder soll ich noch bleiben?", fragte ich nun.
"Wann musst du wieder reiten?", fragte Emely nun.
"Um vier ist Start. Wir fahren aber noch ungefähr zwei Stunden und es wär ganz gut, wenn ich ein bisschen eher da wäre."
"Kannst du vielleicht noch so eine Stunde bleiben?"
"Ja klar. Ich muss nicht zwei Stunden vorm Start da sein. Eine Stunde kann ich auf jeden Fall noch bleiben.", sagte ich und setzte mich nun wieder zu ihr.
Eine Stunde lang unterhielt ich mich noch mit Emely, bevor ich dann los ging, um Tom zu suchen. Diesen fand ich wenig später dann auch zusammen mit Johannes in der Cafeteria.
"Und?", fragten beide gespannt.
"Ich hab eine kleine Enkelin.", berichtete ich stolz.
"Weiß Ben schon Bescheid?"
"Ja. Den hab ich direkt angerufen. Der war schon wieder am Amok laufen."
"Das war doch klar.", meinte Johannes.
"Du darfst nicht meckern! Du bist kein bisschen besser!", sagte ich.
"Können wir dann fahren?" fragte Tom nun.
"Ja. Sonst gibt's Ärger mit Ben.", sagte ich und so fuhren wir nun zurück zum Turnierplatz.
Dort angekommen kam Ben mir bereits entgegen und fiel mir um den Hals.
"Was ist denn jetzt?", fragte ich verwundert.
"Ich hab mir solche Sorgen gemacht!", sagte Ben.
"Warum das denn? Ist doch alles gut."
"Du solltest doch vor einer Stunde schon hier sein! Ich dachte dir wäre was passiert!"
"Alles ist gut! Ich war nur noch eine Stunde länger bei Emely. Die wollte, dass ich noch ein bisschen länger bleibe."
"Und warum gehst du nicht an dein Handy?"
"Das hatte ich aus. Entschuldigung."
"Oh man. Ich hab mir solche Sorgen gemacht."
"Ach Schatz. Es ist doch alles gut! Du hast da nur zu viel rein interpretiert. Alles ist gut!"
"Ja. Das nächste Mal rufst du an!"
"Versprochen. Habt ihr die Pferde schon fertig?"
"Ja. Mit deinem Kleinen wünsch ich dir viel Spaß! Der ist heute mal wieder super drauf!"
"Das ist er doch immer. Das bin ich von ihm schon gewohnt.", meinte ich und ging zu unserem kleinen Camp. Dort sah ich schon vom weiten, wie Jenny ein steigendes Pferd versuchte zu bändigen. Das war Tahir. Eines meiner ehemaligen Sorgenkinder. Okay. Wenn ich ehrlich war, war er noch immer nicht so wirklich einfach, aber er war trotzdem mein Liebling. Ich hatte mich von Anfang an in den störrischen Hengst verliebt und ihn mehr oder weniger alleine ausgebildet, da sich außer mir niemand an ihn dran getraut hatte. So war er zwar noch immer nicht einfach, aber in Ausdauer und Schnelligkeit war er nicht zu schlagen. Kaum ein anderes Pferd ritt ich so gerne, wie ihn. Natürlich musste man sich durchsetzen und immer mit Bocksprüngen zwischendurch rechnen, aber wenn er dann ordentlich lief dann war es einfach nur traumhaft schön mit ihm über die Felder zu galoppieren.
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Sprung ins Chaos
Random"Sprung ins Chaos" ist der 6. Teil meiner Buchreihe zu den Bewohnern des Gestüts Michalòw und knüpft direkt an den 5. Teil "Der falsche Sprung" an. Auch hier geht es wieder um Lisa, Ben und vor allen Dingen auch Emely, die mal wieder ordentlich Chao...
