Wir setzten die Route ganz entspannt fort und unterhielten uns überalle möglichen Sachen.
Wieder am Gestüt angekommen, versorgten wir noch schnell die Pferde, als wir dann auch schon ein Auto auf den Parkplatz rollen hörten.
"Könntest du schonmal Kyron und Sahira fertig machen?", fragte ich nun an Jenny gewandt.
"Klar. Geh du mal.", meinte diese. Sie hatte schon verstanden, dass das wohl Ben war.
"Danke!", sagte ich noch und ging dann raus. Dort kamen mir Ben und Julian bereits entgegen. Als ich die beiden sah, konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Es sah einfach irgendwie süß aus, wie Ben sich an Julian abstützte und auf einem Bein den Weg entlang hüpfte. Vor allen Dingen amüsant war, dass Ben nun doch ein ganzes Stück größer war, als Julian und dieser ihm gerade mal bis zur Schulter ging. Das ließ es irgendwie noch lustiger wirken. So wirklich zum Lachen zu mute war mir allerdings nicht, denn Ben sah nicht gerade so aus als würde es ihm sonderlich gut gehen.
Ich ging nun auf die Beiden zu und fragte: "Geht's?"
Von den Beiden kam nur ein Nicken. So lief ich nun neben den beiden her zum Haus, wo ich ihnen die Tür auf hielt und sie hinter ihnen wieder schloss. Drinnen setzten wir uns dann an den Küchentisch und ich fragte Ben: "Schlimme Schmerzen?"
"Geht so.", meinte er nur.
"Haben die dir irgendwas mitgegeben?", fragte ich weiter.
"Ne. Der Arzt hat es ja nicht mal hingekriegt ihm einen Verband an zu legen.", meinte Julian.
"Dachte ich mir schon. Der Typ klang nicht gerade so als wüsste er, was er tut.", meinte ich.
"Ne. Kann ich noch irgendwie helfen?"
"Könntest du Jenny draußen ein bisschen helfen?"
"Ja klar.", meinte Julian und verschwand.
"Lässt du mich mal gucken?", fragte ich nun an Ben gerichtet. Dieser nickte nur und hob seinen Fuß langsam hoch, um ihn vorsichtig auf einen anderen Stuhl zu legen, den ich ihn bereit gestellt hatte. Ich begutachtete seinen Knöchel nun erst einmal und bemerkte: "Der ist ja schon ordentlich geschwollen."
Wieder kam nur ein Nicken von Ben.
"Okay. Ich würde sagen wir kühlen jetzt erstmal ein bisschen und dann leg ich dir erstmal einen Verband an.", schlug ich vor und als von Ben wieder ein Nicken kam ging ich los, um alles herbei zu holen, was ich brauchte.
Nachdem ich alles herbei gesucht hatte, setzte ich mich wieder zu Ben und legte vorsichtig den Kühl Akku auf seinen Knöchel. Er zuckte kurz, aber riss sich dann zusammen.
"Geht's?", fragte ich und bekam ein erneutes Nicken von Ben.
"Du kannst ruhig mit mir sprechen.", meinte ich nun und wieder kam ein Nicken von Ben. Er hatte wohl heute keine Lust mit mir zu reden.
So schwiegen wir eine Weile, bis ich fragte: "Kommst du hier alleine klar, oder soll ich noch bleiben?"
"Einen Moment noch.", sagte Ben leise.
"Ach Schatz. Du tust mir echt leid. Warum triffst immer du dieses eine Loch?", fragte ich leicht verzweifelt.
"Das wüsste ich auch gerne.", meinte Ben.
"Bevor du da nochmal spielst geh ich da hin und steck lauter Fähnchen um das Loch. Vielleicht trifft du es dann nicht mehr."
"Hoffentlich."
"Ich hab übrigens mit Katrin gesprochen. Ich trainieren mit ihr und sie reitet dann auf jeden Fall schonmal die kleineren Rennen mit."
"Aber auf die Jungpferde kannst du die nicht unbedingt drauf setzen."
"Das ist mir schon klar. Sie meint aber sie könnte das. Ich setz sie gleich mal auf Kyron. Mal sehen wie lange sie sich hält. Wenn es über eine Minute ist kann sie die anderen auch reiten."
"Das grenzt schon fast an Mord, was du da mit ihr machst!"
"Sie wollte unbedingt. Selber Schuld."
"Die ist doch lebensmüde! Jeder, der freiwillig auf dieses Pferd steigt ist Selbstmord gefährdet."
"Willst du damit jetzt sagen, dass ich Selbstmord gefährdet bin?"
"Ja. Manchmal bist du das."
"Der ist eigentlich ganz brav, wenn man weiß, wie man mit ihm umgehen muss."
"Aber Katrin hat null Erfahrung mit Junghengsten und erst recht nicht mit Arabern!"
"Ja. Das kann lustig werden."
"Macht ihr mal. Ich übernehme keine Verantwortung und habe nichts gesehen!"
"Ja. Ich hab schon gesagt, dass wir da ganz und gar keine Verantwortung für übernehmen. Sie wollte unbedingt das schwierigste Pferd reiten."
"Na dann hoffe ich mal, dass wir nicht gleich wieder ins Krankenhaus können."
"Mal sehen. Vielleicht kommt sie ja auch super mit ihm zurecht und ist so das absolute Naturtalent."
"Glaube ich nicht. Die ist eingefleischte Springreiterin. Die fängt garantiert keine Karriere in Distanzrennen an."
"Ich glaub es auch eigentlich nicht, aber das sehen wir ja dann."
"Ja. Viel Spaß!"
"Also du kommst hier alleine klar, oder soll ich jemanden schicken?"
"Ich komme schon klar. Wenn was ist schrei ich einfach laut genug und dann kommt Julia schon herbei."
"Als ob du jemals freiwillig um Hilfe rufen würdest. Da würdest du eher mich anrufen."
"Ja. Ich gebs ja zu."
"Gut. Ich hab mein Handy einstecken. Notfalls ruf einfach an. Mit dem Kleinen bin ich ruck zuck da."
"ja."
"Gut. Bis später!", sagte ich noch und ging dann raus. Auf dem Weg zum Stall kam mir Katrin bereits mit Sahira am Zügel entgegen.
"Ich weiß gar nicht, was du hast. Die ist doch ganz brav.", meinte sie.
"Ja. Das ist ja auch das falsche Pferd.", sagte ich.
"Wie jetzt?"
In dem Moment kam Jenny mit einem tänzelnden Hengst am Zügel aus dem anderen Stall. Dieser stemmte kurz nachdem er aus dem Stall gekommen war alle vier Beine in den Boden und stieg auf die Hinterbeine.
"Das ist unser kleiner Problemfall, den du ja unbedingt ausprobieren wolltest.", erklärte ich.
"Okay... Ist der immer so?", fragte Katrin unsicher.
"Nein. Normalerweise ist er noch schlimmer.", erklärte ich.
"Sollte ich jetzt Angst haben?"
"Also Ben meint jeder, der freiwillig auf seinen Rücken steigt ist lebensmüde."
"Okay..."
Ich ging nun zu Jenny und nahm ihr die Zügel ab.
"Danke!", sagte ich.
"Schon gut. Solange ich ihn nicht reiten muss schlag ich mich gerne mit ihm rum."
"Danke auch. Wie ist er heute so drauf?"
"Naja. Er hat jetzt länger kein richtiges Training gehabt. Ich wünsch dir viel Spaß!"
"Danke auch!", sagte ich und ging los. Der Hengst stemmte jedoch alle viere in den Boden und stieg erneut.
"Könntest du mir vielleicht eine Gerte holen? Ich glaube anders kommen wir hier nie weg.", fragte ich nun. Von Jenny kam nur ein Nicken, bevor wie los rannte, um mir eine Gerte zu geben.
"Viel Spaß noch!", sagte sie und ging. Ich startete einen erneuten Versuch los zu laufen und als der Hengst wieder zum Steigen ansetzte, ließ ich die Gerte mit einem Knall durch die Luft sausen. Das reichte schon, dass der Hengst nun vorwärts trabte.
So schafften wir es in einem komischen Schritt, Trab Gemisch bis zu Katrin, wo ich den Hengst zum Stehen durch parierte. Dieser fing gleich schon wieder an zu steigen. Erneut sauste die Gerte durch die Luft und erneut trabte der Hengst los.
"Mit kommen.", rief ich Katrin zu und führte den Hengst in die Reithalle. Dort hatten wir zwar nicht gerade viel Platz, aber immerhin konnte der Hengst so nicht abhauen. Dem würde ich es auch zutrauen, dass er über den Zaun springt und weg ist.
In der Halle angekommen blieb ich stehen und schon stieg der Hengst wieder.
"Wie soll ich da jetzt aufsteigen?", fragte Katrin nun.
"Schnell.", sagte ich nur.
"Könntest du mir das etwas genauer erklären?"
"Erstmal holst du dir jetzt einen Helm. Ohne steigst du mir nicht auf den drauf."
Katrin nickte und holte sich schnell einen Helm. Als sie wieder kam erklärte ich: "So. Ich halte ihn jetzt fest und du steigst ganz schnell auf. Sofort die Füße in die Steigbügel und gut fest halten!"
Von ihr kam nur ein unsicheres Nicken. Der Hengst neben mir machte währenddessen ein tiereisches Theater. Ich hielt ihn nun fest und sagte: "Jetzt!"
Katrin schwang sich nun auf seinen Rücken und schon begann der Hengst sich im Kreis zu drehen.
"Viel Spaß! Er ist heute relativ gut drauf. Ich geb dir 30 Sekunden.", sagte ich noch, bevor ich die Zügel los ließ und schnell in der hintersten Ecke verschwand. Der Hengst raste direkt im vollem Galopp los und begann zu buckeln. Katrin hielt sich noch relativ gut, doch als er dann plötzlich stehen blieb, stieg und sich dabei noch drehte, lag sie auch schon unten.
Ich sammelte sie nun wieder vom Boden auf und fragte: "Meinst du immer noch du könntest auch die schwierigeren Pferde reiten?"
"Nein. Ich hätte aber auch nicht gedacht, dass du so etwas als schwieriger bezeichnet. Ich weiß ja nicht, aber das ist für mich ein absolutes Problempferd.", meinte Katrin.
"Dem fehlt nur ein bisschen Erziehung Er war mit dir heute aber auch wirklich noch gnädig! Normalerweise steigt er direkt, dreht sich buckelnd im kreis und steigt dann gleich nochmal. Da hättest du keine fünf Sekunden geschafft."
"Und du kommst mit diesem Pferd klar?"
"Ja. Ich kenn den, seit er auf der Welt ist. Ich weiß, wie ich ihn zu händeln hab. Da geht das."
"Das will ich sehen!"
"Das wirst du jetzt. Du kannst dich schon mal auf Sahira setzen.", meinte ich und ging los, um den Hengst wieder ein zu fangen.
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Sprung ins Chaos
Diversos"Sprung ins Chaos" ist der 6. Teil meiner Buchreihe zu den Bewohnern des Gestüts Michalòw und knüpft direkt an den 5. Teil "Der falsche Sprung" an. Auch hier geht es wieder um Lisa, Ben und vor allen Dingen auch Emely, die mal wieder ordentlich Chao...
