Kapitel 27

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Munir raste, wie erwartet sofort im vollen Galopp los und spran buckelnd durch die Halle. Das störte mich allerdings herzlichst wenig. Ich hatte den Hengst selber eingeritten und kannte seine Macken. Da war ich auf so etwas schon gewappnet. Mit der Gerte rückte ich den Hengst nun an der Hinterhand an und trieb ihn ordentlich vorwärts. So fand er keine Zeit mehr zu buckeln und raste nur noch im vollem Galopp durch die Halle. Das machte ich mit ihm etwa zehn Minuten lang, bis der Hengst schwer atmend langsamer wurde. Jetzt konnte ich ordentlich mit ihm arbeiten.
"So. Jetzt nochmal. Das ist unser Hengst Munir. Er ist drei Jahre alt und, wie man wohl ziemlich gut sehen konnte, nicht gerade einfach. Wenn man allerdings weiß, wie man mit ihm umgehen muss, kann er eigentlich ganz gut sein und wäre ein super Pferd für Distanzrennen, wenn er sich denn mal benehmen würde. Er ist schon bei mehreren kleinen Distanzrennen platziert worden. Er stammt von GS Shalima und Bonfire Heart ab. Aus dieser Kombination haben wir schon einige sehr gute Fohlen gezogen, die erfolgreich an internationalen Rennen teilnehmen. Gibt es irgendwen, der ihn vielleicht kaufen möchte?", fragte ich und schaute ins Publikum, doch keiner der Zuschauer regte sich. Ich wartete noch einen Moment, doch keiner wollte den Hengst kaufen.
"Okay. Das dachte ich mir schon. Zum Abschluss unseres jährlichen Hoffestes, werde ich euch jetzt noch zeigen, dass Araber sehr wohl auch springen können und euch eine kleine Show zeigen.", sagte ich und ritt nun aus der Halle, wo ich mich von dem Rücken des Hengstes schwang und diesen an Julia weiter gab. Jenny half mir nun auf Gingers Rücken und ich zeigte mit ihr zusammen noch meine kleine Show ind verabschiedete mich dann für dieses Jahr von den Zuschauern. Dann verließ ich die Reithalle und warf Ginger eine Abschwitzdecke über, um ihr dann ihr Halfter an zu legen und sie an Jenny zu über geben.
"Führ sie bitte schon mal ein bisschen. Ich guck nur schnell nach Julian.", sagte ich zu ihr und ging dann rein, wo Julian in der Küche saß.
"Und? Alles noch ganz?", fragte ich.
"Ich denke schon.", meinte Julian.
"Tuts irgendwo weh?"
"Nicht so, dass ich sagen würde, dass irgendwas gebrochen ist."
"Gut. Bänder sind auch noch alle ganz?"
"Ich denke schon."
"Okay. Wenn was ist dann sag Bescheid!"
"Mach ich."
"Gut. Dann geh ich wieder raus und gucke mit den anderen nach den Pferden.", sagte ich noch und ging dann wieder raus. Dort übernahm ich Ginger von Jenny und führte sie in Ruhe noch ein wenig. Zwischendurch gab ich noch ein paar Autogramme und machte Fotos, wenn die Leute es wollten.
Eine Stunde später waren dann allerdings auch die letzten Zuschauer verschwunden und wir trafen uns zu einer Besprechung in der Sattelkammer.
"So. Für dieses Jahr haben wir es mal wieder geschafft und dieses Jahr sogar ziemlich erfolgreich. Viele unserer Hengste sind gekört worden und haben teilweise sehr gute Noten bekommen. Außerdem haben wir einige Pferde für viel Geld verkauft und jede Menge eingenommen. Jetzt kehrt erstmal Ruhe ein. Ihr kennt die Aufgaben, die jetzt noch so zu erledigen sind und ansonsten ist jetzt halt alles viel ruhiger. Ihr könnt schonmal Filme raus suchen, die dieses Jahr so interessant sind. Ich kann euch auf jeden Fall schonmal sagen, dass wir zusammen ins Kino gehen.", sagte ich.
"Was für ein Film denn?", fragte Julia.
"Das wird noch nicht verraten.", meinte ich.
"Findet unser Training auch weiterhin statt?", fragte Lea nun.
"Klar. Ansonsten läuft für dich alles weiter, wie sonst auch. Nur eben viel entspannter."
"Okay."
"So. Dann würde ich sagen wir gehen jetzt erstmal rein und feiern das erfolgreiche Wochenende.", schlug ich nun vor. Von den anderen kam ein Nicken und so gingen wir nun gemeinsam rein, wo ich erstmal den Sekt mit den passenden Gläsern dazu raussuchte. Ich füllte von diesen nun mehrere mit Sekt und reichte jedem eins. Emely nahm ihres allerdings nur zögerlich entgegen.
"Ab und zu ist das mal erlaubt.", sagte ich mit einem Zwinkern zu ihr. Sie nickte nur.
"Außerdem habt ihr doch Ferien. Da dürft ihr ruhig mal so richtig feiern.", fügte ich noch hinzu.

Wir ließen das Wochenende also mit jede Menge Spaß und Alkohol ausklingen, bevor wir dann zu Bett gingen.
Am nächsten Morgen ging es dann keinem so wirklich gut. Außer Jenny. Die war das mittlerweile wohl gewöhnt und kümmerte sich um die Pferde. Ginger gab ich an diesem Tag allerdings mal frei und ging nur in Ruhe ein wenig mit Lotta und ihr spazieren. Ansonsten nahm Jenny die Hündin am Morgen und am Abend mit raus.
Am Abend setzte ich mich dann noch einmal kurz ins Büro, um die E Mails zu checken. Nach einer Weile wurde ich allerdings von einem Klopfen unterbrochen.
"Ja?", fragte ich verwundert. Wer wollte denn so spät noch etwas von mir?
Die Tür öffnete sich und Julia kam rein.
"Hey! Was gibt's?", fragte ich.
"Ich muss mal mit dir reden.", sagte sie.
"Dann setzte dich doch zu mir. Ich muss neben bei nur schnell noch die eine Mail beantworten."
"Ich kann so gegen Frühjahr wahrscheinlich erstmal nicht arbeiten.", begann sie nun.
"Wieso? Stimmt irgendwas nicht?", fragte ich verwundert, während ich eine Antwort auf die Mail tippte.
"Könnte man so nennen."
"Was ist denn los?", fragte ich, aber konzentrierte mich eher auf meine Arbeit. Dadurch bekam ich es gar nicht so richtig mit, dass sie mir nicht antwortete. Erst als ich so in leises Schluchzen neben mir hörte, drehte ich mich verwundert zu ihr herum. Julia saß tatsächlich neben mir und war am Weinen.
"Was ist los?", fragte ich immer noch leicht verwundert. Ich hatte Julia noch nie so wirklich weinen sehen. Von ihr kam jedoch nur ein Schluchzen. Okay. Mit der Situation war ich jetzt ehrlich gesagt etwas überfordert.
"Was ist denn los?", fragte ich erneut.
"Ich bin schwanger.", schluchzte sie nun.
"Und was ist daran jetzt so schrecklich? Wenn du dir Sorgen wegen Johannes machst, das ist kein Problem. Der freut sich bestimmt und Jenny ist über ein Patenkind mehr bestimmt auch glücklich."
"Drei.", schluchzte sie.
"Drei was?"
"Drei Kinder."
"Jetzt ernsthaft?"
"Ja. Ich bekomme Drillinge."
Okay. Das schockte mich jetzt doch irgendwie. Mit über vierzig noch drei Kinder bekommen. Das war bestimmt nicht so einfach.
"Weiß Johannes es schon?", fragte ich nun.
"Nein und ich hab keine Ahnung, wie ich dann ihm das sagen soll.", schluchzte sie.
"So. Jetzt beruhigt du dich erstmal wieder. Wir bekommen das alles irgendwie hin. Es wird natürlich stressig und nicht ganz einfach, aber du bist nicht allein! Wir unterstützen dich alle und wir schaffen das irgendwie!", versuchte ich sie zu beruhigen und legte einen Arm um sie.

Sprung ins ChaosGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt