Kapitel 37

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"Und was hab ich jetzt damit zu tun?", fragte er unsicher. Ich merkte, dass er das genau wusste.
"Du bist der Vater.", sagte ich. In dem Moment entglitt ihm. Das Gesicht und ich wusste, dass er jetzt absolut keine Ahnung mehr hatte, was er sagen oder tun sollte.
"Könntest du irgendwas dazu sagen?", fragte ich nun.
"Was soll ich dazu jetzt sagen?", fragte er.
"Liebst du sie?"
"Ja."
"Gut. Dann erwarte ich, dass du sie da unterstützt. Sie kann das nicht alleine schaffen und das Kind braucht einen Vater."
"Ja. Das ist klar. Ich lass sie da jetzt garantiert nicht alleine."
"Das ist schön. Dann würde ich sagen du sprichst jetzt erstmal mit ihr. Ich geh mit Ben ausreiten und bin so in ein bis zwei Stunden wieder da.", sagte ich und ging nun raus. Dort atmete ich erst einmal tief durch. Nach dem ganzen Chaos hatte das ja doch ein recht gutes Ende genommen. Jetzt musste ich nur noch Ben irgendwie wieder runter kriegen. Das würde wahrscheinlich das schwierigste werden.
Ich machte mich nun also auf dem Weg zum Stall, als Johannes mir entgegen kam.
"Und? Chaos beseitigt?", fragte er.
"So gut wie. Ich muss noch mit Ben sprechen.", sagte ich.
"Na dann ist ja alles gut."
"Nicht so ganz."
"Wieso? Wo liegt das Problem."
"Ben regt sich so schrecklich auf. Ich versteh das nicht. Hast du eine Ahnung, warum?"
"Das ist ganz normal. Väter haben ein Problem damit fest zu stellen, dass die Tochter jetzt erwachsen wird und nicht mehr ihr kleines Mädchen ist. Das ist wahrscheinlich sein Problem."
"Meinst du wirklich?"
"Ja. Und die Nachricht, dass die Tochter mit 16 von irgend einem Typen, den sie nichtmal kennt schwanger ist macht das auch nicht besser."
"Und was mach ich jetzt?"
"Ich glaub am besten in Ruhe mit ihm reden."
"Gut. Dann werd ich das mal tun.", meinte ich und ging nun in den Stall, wo Ginger bereits fertig geputzt und getrenst in der Stallgasse stand. Jetzt war nur die Frage, wo Ben war. Das erkannte ich allerdings schnell, denn er kam mir wenig später mit Amir am Zügel entgegen. Der Hengst war ein viel versprechender Nachkomme von Shalima und Bens neuer Liebling.
"Können wir los?", fragte ich nun. Von ihm kam nut ein Nicken. So schnappte ich mir jetzt Ginger und wir gingen raus. Dort angekommen stiegen wir auf und ritten im Schritt ganz in Ruhe in den Wald.
"Reiten wir irgend eine bestimmte Strecke?", fragte Ben nach einer Weile.
"Die lange Strecke an den Feldern vorbei. Wir haben so einiges zu besprechen.", meinte ich.
"Okay."
"Warum regst du dich so auf? Könntest du mir das mal erklären?"
"Das verstehst du nicht."
"Woher willst du das denn wissen? Versuch es doch einfach!"
"Wozu denn, wenn ich weiß, dass du es sowieso nicht verstehst?"
"Kann es vielleicht sein, dass es dir schwer fällt Emely los zu lassen?"
"Wie meinst du das denn jetzt?"
"Naja. Emely wird jetzt irgendwie erwachsen. Kann es sein, dass es dir irgendwie schwer fällt sie los zu lassen und zu verstehen, dass sie halt kein kleines Mädchen mehr ist?"
"Wie kommst du denn darauf?", fragte Ben, aber aus seinem Unterton konnte ich heraus hören, dass ich damit voll ins Schwarze getroffen hatte. Das konnte er nur nicht zugeben.
"Sei ehrlich.", sagte ich nur.
"Das bin ich.", meinte er.
"Ben du kannst mir nichts vor machen! Das ist echt keine Schande und ich kann dich doch verstehen. Mir fällt das auch nicht so einfach."
"Na gut. Du hast ja Recht."
"16 Jahre ist unsere Kleine jetzt schon alt. Der Hammer oder?"
"Ja. Die Zeit ging so schnell rum! Ich hab so das Gefühl, dass sie vor ein paar Tagen noch im Kindergarten war und jetzt hat sie die deutschen Meisterschaften der Vielseitigkeit gewonnen und bekommt selber ein Kind. Schon irgendwie verrückt."
"Ja. Es ist nicht so einfach, dass sie jetzt wirklich auf einen Schlag erwachsen geworden ist. Ich vermisse es irgendwie von der kleinen Emely erzählt zu bekommen, dass sie dem Typen, der sie auf der Rutsche geschubst hat eins mit der kleinen Schaufel über gezogen hat. Früher waren das so einfache, kleine Probleme und jetzt?"
"Jetzt erzählt sie uns, dass sie von einem Typen schwanger ist, den sie bisher erst zweimal gesehen hat, der in einem anderen Land wohnt und nicht einmal ihre Sprache spricht. Wie soll man da reagieren?"
"Das ist nicht einfach. Ich weiß und gerade dir fällt das schwer. Das ist mir bewusst, aber es ist dann auch keine Lösung den Typen an zu schreien. Er versteht dich sowieso nicht und selbst wenn er das tun würde, würde das nichts bringen."
"Ich weiß ja. Das war irgendwie eine Kurzschluss Reaktion. Ich hab ja selber keine Ahnung, was das sollte."
"Ist gut. Du brauchst dich dafür gar nicht rechtfertigen. Mir ist das schon klar und ich nehm dir das nicht übel. Keine Sorge."
"Danke! Das hätten nicht viele so gesehen."
"Schon okay. Ich kann dich verstehen. Ich hätte wahrscheinlich genauso gehandelt."
"Was soll ich denn jetzt machen? Paul spricht doch jetzt bestimmt nie wieder mit mir!"
"Ben! Alles ist gut! Du wirst es nicht glauben, aber auch Paul kann dich verstehen. Es ist nunmal nicht einfach zu erfahren, dass die eigene Tochter mit 16 von einem wildfremden Typen schwanger ist. Das verstehen alle. Wirklich! Das ist alles kein Problem."
"Und was ist mit Emely?"
"Die hat das alles gar nicht mit bekommen und wird es auch niemals erfahren. Keine Sorge."
"Danke!"
"Wofür denn? Ich hab nichts gemacht! Paul hat gesagt, dass sie das nicht unbedingt erfahren muss."
"Aha. Weiß der jetzt eigentlich Bescheid?"
"Ja. Ich hab ihm das alles erklärt."
"Und?"
"Er war natürlich ein wenig geschockt. Das ist bei so einer Nachricht ja auch kein Wunder. Er meint aber, dass er Emely da auf jeden Fall unterstützt und sie nicht alleine lässt. Du kannst also beruhigt sein. Er ist vernünftig und er wird sich schon um unsere Kleine kümmern."
"Na das ist ja schonmal gut."
"Ja. Es gibt für dich also wirklich keinen Grund zur Sorge. Das klappt alles."
"Das sehen wir dann noch."
"Ben! Bleib locker! Das klappt schon alles und wir haben hier doch schon wirklich größere Probleme gelöst."
"Die Frage ist nur, ob sich das hier nicht noch zu einem großen Problem entwickelt."
"Es ist doch jetzt erstmal wieder alles gut. Du kannst wieder halbwegs laufen und reiten, Julian und co haben beschlossen hier zu bleiben, alle sind gesund und Emely geht es auch so weit ganz gut."
"Und was ist im Frühjahr? Dann kann Julia nicht mehr arbeiten, deinBruder springt nur noch panisch um sie rum, Emely kann auch nicht mehr helfen und die Rennsaison fängt wieder an. Das entwickelt sich doch wieder zu einem riesen Chaos!"
"Bis dahin ist ja noch Zeit. Bleib erstmal locker. Das wird schon alles."

Sprung ins ChaosGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt