Zwei Wochen vor dem Termin der Kostüm Kür, machten ich und Johannes nun also Ginger fertig. Der Rest des Teams hatte sich vollständig in der Reithalle eingefunden, wo wir bereits einen normalen Parcours aufgebaut hatte, den ich normal so ritt.
Als wir Ginger dann gesattelt hatten, gingen wir zur Reithalle, wo Johannes dann aufstieg. Die Stute tänzelte bereits unruhig auf der Stelle und brannte richtig darauf los zu legen.
"So. Als kleine Einführung. Sie hat sehr viel Temperament! Die Schenkel bloß nicht zu fest ans Pferd, schön weiche, halbe Paraden, mit den Zügeln nicht zu grob umgehen und halt sie bloß nicht vorne fest! Das ist das Schlimmste, dass du bei ihr machen kannst!", gab ich Johannes noch als Anweisung und als er nickte ließ ich die Zügel der Stute los. Diese trabte direkt los und Johannes hatte schon ordentlich zu kämpfen sie im Schritt zu halten.
Das warm reiten klappte dann allerdings relativ gut. Bis auf, dass Johannes eigentlich viel zu groß für die Stute war und diese so gar nicht damit klar kam, dass da auf einmal so ein Riese auf ihr saß.
"So. Dann antraben und über die Cavalettis. Sie macht das schon von ganz alleine. Du musst sie nur über dem Sprung entlasten. Parier sie danach dann wieder zum Trab durch und das ganze dann nochmal.", wies ich an und stellte fest, dass Johannes so gar nicht springen konnte. Ginger machte ihr Sache zwar perfekt, aber Johannes wäre bei den Cavalettis schon fast runter geflogen.
"Okay. Nicht gut, aber okay. Bleib jetzt mal im Galopp und nimm mal das kleine Kreuz da mit.", wies ich ihn nun an. Er tat dies und schaffte es doch tatsächlich mit den Füßen die Stange zu reißen.
"Erstmal machst du die Bügel jetzt mal um drei Loch kürzer. Du kannst sie mit so langen Bügeln gar nicht richtig entlasten. Du sitzt da nicht in einem Dressursattel.", sagte ich und half ihm dann dabei die Bügel ein ganzes Stück kürzer zu machen.
"Das ist viel zu kurz! So kann man doch nicht anständig reiten!", beschwerte Johannes sich.
"Du sollst ja auch nicht im Sattel sitzen, sonder stehen.", meinte ich unbeeindruckt und sagte dann: "Nimm jetzt nochmal aus dem Galopp das Kreuz und zieh diesmal im Sprung die Beine hoch. Wenn du das nichts machst reißt du sonst immer mit den Füßen die Stange."
Johannes ritt nun erneut auf das Hindernis zu und überwand es mehr schlecht als recht.
"Okay. Dann fangen wir jetzt mal einfach an und du nimmst jetzt mal nochmal das Kreuz über die Diagonale auf K zu, reitest schön tief in die Ecke rein und dann aus der Ecke den roten Steilsprung bei A.", wies ich Johannes nun an.
"Da soll ich drüber springen?", fragte Johannes skeptisch.
"Also eigentlich dachte ich, dass Ginger da drüber springt und du nur auf ihr drauf sitzt, aber wenn du es schaffst, kannst du auch alleine da drüber springen. Ich bezweifle nur, dass du 1,70 Meter hoch springen kannst.", meinte ich.
"Sehr lustig!", beschwerte Johannes sich und galoppierte Ginger nun an, um auf der Diagonale das Kreuz mit zu nehmen. Wie ich es ihm erklärt hatte, ritt er auf die Ecke zu, doch Ginger hatte irgendwie keine Lust die Ecke ordentlich aus zu reiten. Stattdessen schnippelte sie die Kurve heftig und Johannes verlor dabei schon fast das Gleichgewicht. Als Ginger dann allerdings ab sprang und fehlerfrei über das Hindernis sprang, hatte Johannes sich wohl ein wenig in der Höhe des Sprungs verschätzt. Er wurde aus dem Sattel katapultiert und ehe er sich versah, lag er auch schon im Sand.
"Verloren!", rief Julia lautstark. Johannes stand auf und meinte beleidigt: "Die ist viel zu hoch abgesprungen!"
"Nein. Sie ist perfekt gesprungen. Du bist nur nicht oben geblieben. Du kannst nun mal nicht springen. Genauso wenig, wie ich Dressur reiten kann. Sieh das einfach ein."
"Ja."
"Die Wette hast du trotzdem verloren. Ich melde dich gleich für die Kür an."
"Wenns sein muss."
"Ja, muss es! Verloren ist verloren."
"Okay. Kann ich mir wenigstens das Kostüm dann selber aussuchen?"
"Vergiss es! Wir stellen dir da schon was schönes zusammen."
"Oh nein!"
"Oh doch!", sagte ich und auch Julia und Jenny stimmten mir zu.
"Bitte habt Gnade mit mir!", flehte Johannes.
"Vergiss es. Ich reche mich jetzt daran, dass du mich vergessen hast!", meinte Julia.
So hatten wir in den nächsten Tagen extrem viel Spaß dabei Johannes ein, meiner Meinung nach, geniales Kostüm mit der passenden Kür und dem passenden Outfit für das Pferd zusammen zu stellen. Johannes würde das wahrscheinlich weder gut, noch lustig finden, aber wir hatten Spaß dabei. Es hatte schon ein bisschen was von Quälen, aber es war lustig. Da konnten wir uns an Johannes jetzt für alles rächen und das beste daran war, dass Johannes alles bezahlen musste und nicht mal wusste, was er da bezahlte.
Wir hatten in den nächsten Tagen also sehr viel zu lachen und kauften die tollsten Sachen in den tollsten Farben. Dazu hatten wir ja zum Glück Jenny, die sehr gut nähen konnte und ihre Fantasie mit uns zusammen komplett auslebte. Wenn es etwas also nicht so zu kaufen gab, wie wir es wollten, konnte Jenny es uns so zurech machen, dass es unseren Vorstellungen entsprach. Das machte dann noch mehr Spaß, denn so konnten wir völlig bescheuerte Ideen einfach umsetzen ohne sonderlich viel Geld dafür zahlen zu müssen.
DU LIEST GERADE
Sprung ins Chaos
Aléatoire"Sprung ins Chaos" ist der 6. Teil meiner Buchreihe zu den Bewohnern des Gestüts Michalòw und knüpft direkt an den 5. Teil "Der falsche Sprung" an. Auch hier geht es wieder um Lisa, Ben und vor allen Dingen auch Emely, die mal wieder ordentlich Chao...
