Kapitel 38

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Lange unterhielten wir uns noch, bevor wir uns dann im gemütlichen Schritt auf den Heimweg machten. Lotta, die die ganze Zeit über brav neben uns her gelaufen war, tollte über die Weiden und Felder am Rand, aber achtete immer darauf sich nicht zu weit von uns zu entfernen. Sie war wirklich ein toller Hund. Einen besseren könnte ich mir gar nicht vorstellen.
Wieder am Gestüt angekommen, war es mittlerweile schon dunkel und ziemlich leer. Alle waren bereits zuhause oder irgendwo drinnen.
Während Ben nun die Pferde versorgte, ging ich rein und klopfte an Emelys Zimmer Tür.
"Ja?", kam es von drinnen. So öffnete ich die Tür und ging hinein, um sie hinter mir wieder zu schließen. Emely saß auf dem Bett und direkt neben ihr Paul, der einen Arm um sie gelegt hatte. Es schien also so, als wäre alles in bester Ordnung.
"Alles gut bei euch?", fragte ich nun. Von Emely kam nur ein Nicken.
Ich wand mich nun Paul zu und sagte auf deutsch: "Ich hab dir oben ein Zimmer fertig gemacht. Das ist wieder das, das du beim Letzten Mal auch hattest. Ich denke du kommst dann alleine klar oder?"
"Ja klar."
"Super. Ist zwischen euch beiden alles klar?"
"Ja. Ich hätte da nur eine Frage."
"Was denn?"
"Wäre es vielleicht möglich, dass ich hier einziehe?"
"Ja klar. Sonst wäre das ja wohl irgendwie ein bisschen doof, wenn du dauernd hin und her reisen musst. Wer hier wohnt muss aber auch draußen mit helfen!"
"Gerne. Ich hab nur leider so ungefähr null Ahnung von Distanzrennen."
"Das kann man lernen. Kein Problem. Du kommst die ersten Tage mit mir. Ich zeig dir alles."
"Super."
"Und es wäre hilfreich, wenn du so schnell wie möglich polnisch lernst."
"Könntest du mir das vielleicht bei bringen?"
"Das macht Emely schon. Notfalls fragst du einfach Lea. Die spricht sehr gut englisch und wenn gar nichts mehr geht weißt du ja, wer hier so alles deutsch kann. Ich hab nur leider nicht gerade viel Zeit, wenn die Saison wieder anfängt."
"Achso. Okay."
"Du wirst dich übrigens dran gewöhnen müssen, dass hier eigentlich dauerhaft Chaos herrscht. Ohne geht es hier einfach nicht. Und, wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, sind hier alle etwas verrückt. Du musst dich also entweder irgendwie anpassen oder dich einfach mit abfinden."
"Ja. Damit komm ich schon klar."
"Ach und Julian lässt fragen, ob du zufälliger Weise Fußball spielen kannst."
"Ja. Ich hab lange im Verein gespielt. Wieso?"
"Wir haben hier eine kleine Fußball Mannschaft. Die neigt nur leider dazu sich dauernd zu verletzen. Das letzte Spiel sah so aus, dass Ben sich den Knöchel kompliziert gebrochen hat und Johannes die Nase gebrochen hatte. Wie gesagt. Wir haben immer Chaos."
"Okay..."
"Aber das kannst du ja dann mit denen absprechen. Ich würde nur am Besten mit Tom sprechen, weil der ist der Einzige, der halbwegs ordentlich englisch spricht."
"Gut. Sonst noch etwas?"
"Morgen früh um sechs Uhr draußen am Stall Fütterung und im acht sitzt du bitte auf einem aufgewärmten Pferd. Da hätte ich Zeit für ein bisschen Training."
"Okay. Welches Pferd hättest du denn gerne?"
"Beide. Wir machen zwei Stunden. Danach sind dann Lea und Emely dran."
"Okay. Wars das dann?"
"Ja. Das reicht erstmal für heute. Leg dich schlafen. Morgen wird es anstrengend."
"Na das klingt ja viel versprechend.", meinte Paul und ging nun.
"Was hast du mit ihm besprochen?", fragte Emely nun.
"Ach. Nichts besonderes. Nur dass er ab jetzt hier wohnt und draußen voll mit an packt."
"Jetzt echt?"
"Ja klar. Wie willst du das denn sonst machen? Soll der jeden Tag hin und her fahren?"
"Danke! Du bist die Beste!", sagte Emely nun und fiel mir glücklich um den Hals.
"Schon gut. So kann ich wenigstens sicher sein, dass du nicht wieder an irgendwelche komischen Leute gerätst uns in vernünftigen Händen bist.", sagte ich.
"Weiß Papa schon Bescheid?"
"Ja. Mit dem ist alles besprochen. Das geht auch von seiner Seite her klar. Gewöhn dich nur schonmal dran, dass er such jetzt noch mehr Sorgen um dich macht und nur noch neben dir steht."
"Tut er das nicht auch so schon?"
"Das geht noch extremer. Glaub mir. Ich spreche aus Erfahrung."
"Na super. Dann darf ich ja keinen Schritt mehr alleine machen!"
"Nein. Das geht auch nicht!"
"Gut, dass das nicht so lange dauert."
"Danach geht's erst richtig los. So ein Kind ist nicht einfach. Ich hoffe nur für die Nerven von uns allen, dass es nicht so wird, wie du."
"Warum? War ich so schrecklich?"
"Und wie! Du hast den ersten Monat nichts anderes gemacht, als zu schreien. Still warst du nur, wenn du dann irgendwann mal geschlafen hast. Das hast du nur leider sehr selten mal nachts."
"Ich muss euch das Leben ja echt schwer gemacht haben."
"Oh ja! Ich weiß schon, warum ich kein zweites Kind mehr wollte."
"Dann will ich mal hoffen das das Kleine nicht all zu sehr nach seiner Mutter kommt."
"Wenn doch wünsche ich dir viel Spaß!"
"Na danke auch!"
"Ich weiß eh, wie das endet. Zum Schluss habe ich dann das Kind und ihr schlaft in Ruhe."
"Ja klar. Dafür ist die Oma doch da."
"Na danke auch! Das sehen wir dann noch, wie das abläuft."
"Ja. Das wird schon."
"Zwischen dir und Paul ist alles in Ordnung?"
"Und wie!"
"Na dann ist ja gut. Jetzt schlaf erstmal ein bisschen. Morgen ist dann wieder ganz normal Schule und Training."
"Können wir Schule nicht mal ausfallen lassen?"
"Vergiss es! Du gehst in die Schule! Sowas gibt es nicht. Du schreibst bald Prüfungen!"
"Das dauert doch noch!"
"Kein Diskussion! Du gehst in die Schule!"
"Na gut. Wenn es sein muss."
"Ja muss es! Schule wird nicht vernachlässigt! Das ist wichtig!"
"Ja..."
"Gut. Dann bis morgen!"

Sprung ins ChaosGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt