Kapitel 65

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So ritt ich Ginger nun in Ruhe trocken, während Johannes und Ben sich daran machten den Parcours wieder ab zu bauen und alles wieder weg zu räumen. Das ging auch relativ schnell, sodass wir fast gleichzeitig fertig waren. So versorgte ich Ginger noch schnell, während Johannes sich Dusty fertig machte. Dadurch waren wir wieder zusammen fertig und Johannes begann nun damit den Hengst warm zu reiten. Ich hingegen setzte mich mit Ben auf die Tribüne und schaute ihm zu.
Nach einer Weile hielt Johannes dann vor uns an und fragte: "Könntest du Rose schon mal in die Führmaschiene stellen und dann fertig machen?"
"Ja klar.", meinte ich und ging nun los, um die Stute erst einmal in die Führmaschiene zu bringen. Danach ging ich dann zu ihrem Spint, der nach meiner kleinen Aufräumaktion gestern noch ziemlich ordentlich war. Dort suchte ich nun erst einmal das Putzzeug herbei, das ich so brauchte. Als ich dies dann alles gefunden hatte, musste ich der Stute dann erstmal ein neues Outfit zusammen basteln. Mit der Ordnung hatte Johannes es ja nun gar nicht, aber seine Pferde brauchten jeden Tag frische Sachen. Das war ihm aus irgend einem Grund sehr wichtig. Erstmal schnappte ich mir allerdings nur den Sattel, denn mehr als diesen und das Putzzeug konnte ich erstmal nicht tragen.
Beides brachte ich nun zum Putzplatz, bevor ich dann wieder zurück in die Sattelkammer ging. Hier angekommen stöberte ich nun noch etwas durch den Spint und entschied mich dann schließlich für ein türkis. In dieser Farbe suchte ich mir nun Bandagen, eine Schabracke, eine Abschwitzdecke und eine Fliegenhaube hervor. Dazu kombinierte ich dunkelblaue Huflocken und wieder die Trense mit den weißen Steinchen am Stirnriemen.
Auch das brachte ich alles zum Putzplatz, bevor ich dann los ging, um die Stute aus der Führmaschiene zu holen. Diese band ich dann am Putzplatz an und putzte sie erst einmal gründlich, bevor ich sie dann sattelte und die Abschwitzdecke über warf. Danach bandagierte ich sie und legte ihr die Hufglocken an, um ihr dann die Fliegenhaube an zu ziehen und sie dann zu trensen. Danach führte ich sie dann zur Reithalle, wo Johannes allerdings noch voll im Training drin war. Er hielt nun vor mir an und meinte: "Du bist zu schnell! Ich brauch noch fünf Minuten."
"Und was soll ich jetzt mit ihr machen?", fragte ich.
"Sie ist schon Schritt gegangen oder?"
"Ja."
"Dann schwing dich mal drauf und reit sie schon mal warm."
"Ich darf sie wirklich reiten? Da lässt du doch sonst keinen drauf."
"Doch. Julia ist die auch schon geritten. Du bist nur eine der Auserwählten, die sie reiten darf."
"Aha. Okay. Dann versuch ich mich mal an ihr.", meinte ich und stellte mir die Steigbügel erstmal deutlich kürzer. Johannes war einfach deutlich größer als ich.
Danach gurtete ich dann nach und versuchte mich daran auf zu steigen. Ich stellte allerdings bereits nach kurzer Zeitsfest, dass die Stute zu groß und ich zu klein war. Ich kam einfach nicht hoch. Hilfesuchend schaute ich zu Ben rüber, der mir schon die ganze Zeit über lächelnd zugeschaut hatte.
Er kam nun zu mir und fragte: "Na? Zu klein?"
"Ne. Die ist nur zu groß.", meinte ich.
"So kann man es auch ausdrücken."
"Man, ich bin nun mal nicht so groß und sie ist riesig! Würdest du mir jetzt mal helfen?"
"Es sieht schon ganz amüsant aus, wie du kläglich daran scheiterst irgendwie an den Steigbügel dran zu kommen. Vor allen Dingen der Ausdruck von der Stute dabei. Die fragt sich wahrscheinlich gerade was du für Probleme hast."
"Ben! Jetzt halt die Klappe und helf mir hoch!"
"Ich mach ja schon.", meinte Ben und half mir nun auf den Rücken der Stute. Mit einem breiten Grinsen schaute er zu, wie ich mich nun zurecht setzte und im Schritt los ritt. Die Stute war allerdings kaum einen Schritt gegangen, als ich realisierte auf was für einem Pferd ich da eigentlich saß. Schwungvoll und vor Ausdruck trotzend schritt die Stute voran und mir wurde wieder bewusst warum ich eindeutig keine Dressurreiterin werden würde. Es war einfach schrecklich schwierig diese Pferde vernünftig ausnzu sitzen! Von außen sah es natürlich wunderschön aus, wie sie liefen, aber es war einfach schrecklich schwierig den Schwung irgendwie zu komprimieren. Außerdem war der Sattel einfach extrem unbequem!
Nach einer Runde trabte ich die Stute dann an und ritt sie erstmal locker etwas warm, bevor ich sie dann angaloppierte. Ja. Es war eindeutig keine gute Idee mich auf ein teures Dressur Pferd zu setzen. Die Stute hatte einfach viel zu viel Schwung. Das war ich so gar nicht gewohnt und schaffte es einfach nicht diesen ganzen Schwung zu komprimieren. Es war einfach unmöglich für mich diese Stute aus zu sitzen!
Trotzdem ritt ich sie halbwegs ordentlich auch im Galopp warm, bevor ich sie dann wieder zum Trab durch parierte und nun damit begann sie auch im Trab aus zu sitzen. In dem Moment, als ich damit begann, stellte ich allerdings fest, dass das wirklich keine gute Idee war. Die Stute schritt voller Euphorie voran und ich saß unbeholfen darauf und fragte mich, wie Johannes es schaffte sie so ordentlich aus zu sitzen. Das war doch unmöglich!
Ich zog es allerdings auch weiterhin durch und hoffte inständig, das Johannes bald wieder kommen und mir die Stute endlich abnehmen würde. Das dauerte allerdings noch.
Nach einer Weile begann ich dann allerdings einen schwerwiegenden Fehler. Eigentlich hatte ich mir nichts dabei gedacht. Ich wollte nur die Hand wechseln und entschied mich dafür locker einmal durch die ganze Bahn zu wechseln. Die Stute schien das nur irgendwie falsch zu interpretieren. Sie war es gewohnt dabei die Tritte zu verändern und einen schnelleren Trab zu zeigen. Dies tat sie nun auch mit mir. Im Stechtrab schritt sie schwungvoll voran und dies überschritt meine Kompetenz im Aussitzen nun endgültig.
"Wow, wow, wow!", rief ich erschrocken und nahm die Zügel sofort wieder auf. Was ich dabei allerdings vergessen hatte war, dass ich auf einem Dressur Pferd saß. Die Stute blieb nun auf der Stelle stehen und ich plumste etwas unelegant nach vorne auf ihren Hals.
Ben saß am Rand und konnte sich nun nicht mehr halten vor lauter Lachen. Na danke auch. Ich konnte es jezt garantiert nicht gebrauchen, dass jemand am Rand saß und mich eiskalt auslachte! Andererseits konnte ich ihn irgendwie auch verstehen. Das ganze hatte wahrscheinlich sehr amüsant ausgesehen.

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