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Kapitel 11

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Wir unterhielten uns noch lange, bis es dann an der Tür klopfte.
"Ja?", fragte ich. Die Tür öffnete sich und dort stand eine völlig verheulte Emely.
"Was ist los?", fragte ich.
"Ich kann morgen nicht in die Schule.", schluchzte sie.
"Du musst. Ich weiß es ist hart, aber länger als eine Woche kann ich dich nicht entschuldigen. Es wird dir gut tun. Das lenkt dich ein bisschen ab. Außerdem vermisst Lea dich bestimmt schon."
"Meinst du wirklich?"
"Ja. Ich bring dich auch."
"Na gut. Wenns sein muss."
"Ja. Muss es. Du schaffst das! Und wenn nicht kann ich dich immernoch wieder abholen. Dafür müsstest du nur deinem merkwürdigen Lehrer vor die Schuhe kotzen. Sonst glaubt er mir nicht, dass du wirklich krank bist."
Nun konnte ich beobachten, wie Emelys Gesicht sich leicht erhellte und sie wieder ging. Ich wandt mich gerade wieder Julia zu, als es auch schon wieder klopfte.
"Ja?", fragte ich erneut. Die Tür öffnete sich und da stand Ben.
"Hey Schatz! Was gibt's?", fragte ich.
"Es ist spät. Kommst du?", fragte er.
"Geh schonmal. Ich komme gleich nach. Wir wollen das hier nur noch schnell fertig machen."
"Okay.", sagte er und ging.
Ich wandt mich nun wieder Julia zu.
"Lass uns schnell noch die Berichte für die Hengste fertig machen. Dann haben wir das schonmal hinter uns.", schlug ich vor.
"Okay. Dann mal los."
In Akkordzeit schrieben wir nun also fast 100 Berichte. Als ich dann jedoch auf die Uhr schaute, kam der Schock.
"Oh Gott! Schon ein Uhr!", fluchte ich.
"Mach dich hoch zu Ben! Schnell! Ich räum hier alles auf!", wies Julia mich an.
"Danke!", sagte ich noch und machte mich schnell auf den Weg zu Ben. Hoffentlich war der schon eingeschlafen jnd wartete nicht auf mich!
Als ich jedoch die Tür öffnete, konnte ich durch atmen. Ben war bereits am Schlafen. So verschwand ich kurz im Bad, um mich bettfertig zu machen und dann wieder zurück zu gehen. Ich hatte mich gerade zu Ben ins Bett gesetzt, als dieser begann sich hin und her zu drehen. Verdammt! Nicht schon wieder ein Albtraum!
Mit einem Schlag saß er dann kerzengerade im Bett.
"Schatz, was ist los? Hast du wieder geträumt?", fragte ich besorgt. Von ihm kam nur ein Nicken. Sanft legte ich nun einen Arm um ihn und zog ihn zu mir.
"Was macht dich so fertig? Was beschäftigt dich verdammt nochmal so sehr, dass du nicht mehr schlafen kannst?", fragte ich. Von ihm kam jedoch keine Reaktion.
"Hat das was mit dem Tod von Shalima zu tun? Oder dem von deinem Vater?", fragte ich weiter, doch von ihm kam immernoch keine Antwort.
"Ben, was ist verdammt nochmal los! Jetzt sprich endlich mit mir! Heul mir von mir aus stundenlang die Ohren voll! Das ist mir völlig egal, aber bitte sprich endlich mit mir!", sagte ich ernst. Ich konnte es jedoch nicht vermeiden, dass mir bei den letzten Worten die Tränen kamen. Ich machte mir einfach solche Sorgen um ihn!
Ben schaute mich nur groß an. Er war mit der Situation offensichtlich total überfordert.
"Verdammt ich will dir doch nur helfen! Mir tut es im Herzen weh dich so zu sehen! Ich will einfach nur meinen alten Ben zurück!", schluchzte ich. Somit war es nun raus. Er wusste jetzt, was ich mir momentan mehr, als alles andere wünschte. Ich hoffte nur, dass er nun endlich mit mir sprach. Das brauchte nicht nur er dringend, sondern auch ich. Nichts brauchte ich momentan mehr, als das er mit mir sprach und das es ihm endlich wieder gut ging. Das war momentan mein größter Wunsch.
Erwartungsvoll schaute ich nun zu Ben herunter. Auch er hatte Tränen in den Augen.
"Ich kann nicht!", schluchzte er, "Ich kann einfach nicht darüber reden!"
"Doch du kannst! Leg einfach los! Ich will alles wissen! Alles, was dich beschäftigt! Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das du mir einfach alles erzählst! Dir wird es danach besser gehen! Das verspreche ich dir! Ich will dir nur helfen! Ich will einfach nur, dass es dir wieder gut geht! Das du endlich wieder lachen kannst und das wir leben können, wie vorher! Ben, sprich einfach mit mir! Ich bin für dich da!"
"Ich, ich bin ein Versager! Ich konnte ihnen nicht helfen! Sie sind alle gestorben und ich konnte ihnen nicht helfen! Ich war nichtmal für sie da! Ich hätte es verhindern müssen!", schluchzte Ben. Das war es also. Das ging in ihm vor.
"Du bist kein Versager! Auf keinen Fall! Niemand hätte sie retten können! Deine Mutter hatte Krebs und dein Vater einen Herzfehler. Du hättest keinen von beiden retten können!", sagte ich.
"Aber ihn hätte ich retten können! Hätte ich besser auf ihm aufgepasst, hätte ich ihn retten können!"
"Wen?"
"Ich hatte einen kleinen Bruder. Als ich sechs Jahre alt war, sollte ich auf ihn aufpassen. Ich habe einen Moment nicht aufgepasst da ist er... ist er auf die Straße gerannt und... und..."
"...wurde überfahren?", setzte ich seinen Satz fort. Von Ben kam nur ein leichtes Nicken. Er konnte sich also an seinen Bruder erinnern. Sogar ziemlich genau.
"Ich hätte besser auf ihn aufpassen müssen! Ich bin Schuld an seinem Tod!", schluchzte Ben.
"Nein! Das bist du nicht! Ben du warst sechs! Mit sechs Jahren ist niemamd so weit, dass er auf ein kleines Kind aufpassen kann! Du bist nicht schuld!"
"Doch. Das bin ich."
"Nein! Hör auf dir das ein zu reden! Du kannst nichts dafür! Selbst wenn du ihn festgehalten hättest, hätte er sich losreißen können und es wäre das Selbe passiert!"
"Ich wünschte nur ich hätte ihn retten können!"
"Was passiert ist, ist nunmal passiert. Das kann keiner mehr ändern. Man kann nur versuchen damit ab zu schließen."
"Das kann ich nicht."
"Doch. Das kannst du."
"Nein. Das hab ich all die Jahre über versucht. Ich kann es einfach nicht."
"Erzähl mir von dem Unfall. Was ist passiert. Was daran beschäftigt dich so sehr, dass du es nicht los lassen kannst?"
"Ich hab es kommen sehen, aber ich konnte nicht weg schauen. Ich hätte es gern, aber ich konnte einfach nicht. Diese Bilder werde ich niemals vergessen können. Wie er lachend los rannte, wie der Autofahrer noch versuchte zu bremsen, aber er schaffte es nicht mehr rechtzeitig. Dieses Geräusch... Ich höre es noch genau. Niemals werde ich all das vergessen können! Es ist viel zi schrecklich!"
"Hast du jemals mit irgendwem darüber gesprochen?"
"Nein."
"Wussten deine Eltern, dass du all das gesehen hast?"
"Ja. Sie standen daneben, aber sie hat das selber so sehr mitgenommen."
"Wussten sie, was für Vorwürfe du dir seit dem machst?"
"Nein."
"Warum hast du nie mit irgendwem darüber gesprochen?"
"Ich konnte einfach nicht. Es tat zu sehr weh."

Sprung ins ChaosGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt