Kapitel 8

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Wieder bei Ben angekommen, lag dieser bereits im Bett und wartete schon sehnsüchtig.
"Du hättest ruhig schon schlafen können. Es hat ein bisschen länger gedauert. Die Kleine war doch mehr geschwitzt, als gedacht.", sagte ich, bevor ich mich schnell fertig machte, um mich zu ihm zu legen.
"Wie geht's dir?", fragte ich nun.
"Ganz gut.", kam es knapp von Ben.
"Wenn was ist dann sag Bescheid! Du kannst jeder Zeit mit mir reden. Das weißt du, oder?", fragte ich. Von Ben kam nur ein Nicken.
"Okay. Dann schlaf ein bisschen. Die letzten Tage waren anstrengend.", sagte ich noch und schloss dann meine Augen. Schlafen konnte ich jedoch nicht. Dafür gingen mir viel zu viele Gedanken durch den Kopf. Wie würde es mit Ben weiter gehen? Würde Julia es wirklich schaffen ihm zu helfen? Und was, wenn nicht? Wie ging es dann weiter? Würden wir jemals wieder leben können, wie vorher? Würde ich auch weiterhin Springturniere reiten können? Müsste ich vielleicht alles, woran ich mein ganzes Leben lang gearbeitet hatte, aufgeben? Das Gestüt? Und was wurde aus den Pferden?
All diese Gedanken kreisten in meinem Kopf und ich konnte sie einfach nicht weg schieben. So sehr ich es auch wollte, ich schaffte es nicht. So lag ich doch wieder die Nacht wach.
Mitten in der Nacht, nahm ich dann wahr, wie Ben sich neben mir hin und her drehte. Ich setzte mich auf und schaute zu ihm rüber, doch er schlief tief und fest. Träumte er wieder?
Auf einmal schreckte er dann hoch und saß kerzengerade im Bett.
"Schatz? Ist alles in Ordnung?", fragte ich besorgt, doch er schüttelte den Kopf. Sanft legte ich nun einen Arm um ihn und fragte besorgt: "Was ist denn los? Hast du wieder geträumt?"
Von ihm kam nur ein Nicken.
"Das selbe, wie heute Mittag?"
Wieder kam von ihm ein Nicken.
"Ach Schatz. Du musst keine Angst haben. Mir geht's gut. Ich werde so schnell nicht sterben. Versprochen!"
Von ihm kam keine Reaktion.
"Ich wünschte ich könnte dir irgendwie helfen."
Ben lehnte sich nun vorsichtig an mich. Sanft zog ich ihn näher zu mir und sagte: "Versuch noch ein bisschen zu schlafen. Du bist total fertig."

Er nickte nur leicht und schloss seine Augen. Wenig später war er auch schon eingeschlafen. Seinen Kopf hatte auf meiner Schulter platziert und nun schien er endlich die Ruhe zu finden, die er brauchte, denn er schlief tief und fest.Ich ließ ihn einfach schlafen und bleib selber wach. Schlafen konnte ich bei dem Chaos momentan sowieso nicht. So blieb ich einfach ruhig sitzen und hing weiter meinen Gedanken nach.
Nach einer Weile rutschte Ben dann langsam zu Seite, sodass er nun quer im Bett lag. Seinen Kopf hatte er auf meinem Schoß liegen. Ich war allerdings so in meinen Gedanken versunken, dass ich erschrocken zusammen zuckte, als er sich auf einmal bewegte. Davon wurde er dann wach und schaute mich aus großen Augen an.
"Alles gut. Schlaf einfach weiter.", sagte ich und strich ihm sanft durch das Haar. So schloss er seine Augen nun wieder und war auch schon wieder eingeschlafen. Ruhig lag er auf meinem Schoß und schlief tief und fest. Es tat gut ihn mal wieder so ruhig und zufrieden zu sehen und auf meinem Schoß schien es ihm gut zu gefallen, denn er kuschelte sich immer dichter an sich. Das war aber auch völlig in Ordnung. Er brauchte das jetzt einfach und wenn es ihm half, würde ich von mir aus jede Nacht so verbringen. Irgendwann musste ich jedoch auch mal wieder schlafen. Das ganze Chaos tat auch mir nicht wirklich gut, aber da ging es wohl allen hier gleich.

Als es am nächsten Morgen schon langsam wieder hell wurde, wurde Ben langsam wach und öffnete seine Augen. Erstaunt sah er mich an. Er hatte es wohl nicht ganz mitbekommen, dass er auf meinem Schoß geschlafen hatte.
"Morgen Schatz!", sagte ich und strich ihm sanft durch das Haar. Er setzte sich nun langsam auf und streckte sich.
"Hast du gut geschlafen?", fragte ich nun.
"Ich hab schon ewig nicht mehr so gut geschlafen.", sagte er.
"Schön. Dann würde ich sagen machen wir uns fertig und frühstücken unten mit den anderen. Die müssten jetzt mit der Fütterung durch sein."
"Okay."
So machten wir uns schnell etwas frisch ind gingen dann runter, wo wir schonmal das Frühstück vorbereiteten.
Wir waren gerade fertig, als die anderen von der Fütterung zurück kamen.
"Na das nenn ich mal Timing. Frühstück ist gerade fertig geworden.", verkündete ich.
Gemeinsam aßen wir nun etwas und unterhielten uns über die Pferde. Immerhin war bald die Körung von den Hengsten und wir musste noch entscheiden, welche Pferde wir mitnahmen. Viele Hengste würden wir allerdings wahrscheinlich nicht mitnehmen. Wir hatten dieses Jahr allgemein ziemlich wenigw Hengste und von denen vielen einige schon von Anfang an raus, weil sie einfach zu hengstig waren oder aber nicht in unsere Zucht passten. Einige hatten wir auch schon als Junghengst verkauft und so waren dieses Jahr nur ein paar einzelne Hengste dabei. Unter anderem sollte Munir gekört werden. Er war vielleicht nicht unbedingt das beste Rennpferd und für Disranzrennen nicht geeignet, aber er hatte immerhin einem tollen Stammbaum und gerade in der Vielseitigkeit konnte er noch einige Erfolge feiern. Da konnte man gute Fohlen züchten.
Nachdem wir etwas gegessen hatten, verteilten die anderen sich irgendwo auf dem Hof. Ich und Julia fingen jedoch John ab und setzten uns mit ihm in den Garten. Ben war mit Jenny und Johannes unterwegs. Das hatte Julia extra organisiert, damit wir in Ruhe reden konnten.
"Was gibt's denn?", fragte John nun.
"Wir müssen mal mit dir reden.", begann ich.
"Worum geht's denn?"
"Es geht um Ben."
"Stimmt irgendwas mit ihm nicht?"
Wie erklärte ich ihm das jetzt?
"Er ist psychisch ein bisschen fertig, aber wenn ich dir das jetzt alles erkläre, sitzen wir morgen noch hier.", erklärte Julia.
"Und wie soll ich da jetzt weiter helfen?", fragte John.
"Ich hab Psychologie studiert und hab ein bisschen Ahnung von dem ganzen. Ich will jetzt versuchen ihm zu helfen. Dazu müsste ich allerdings so einiges über seine Vergangenheit wissen. Du kennst ihn doch schon von klein auf, oder?"
"Ja. Ich war schon immer ziemlich gut mit Stuart befreundet."
"Okay. Klasse. Dann erzähl mal."
"Was willst du denn wissen?"
"Mir geht es speziell um den Tod seiner Mutter. Ich müsste wissen, wie das Verhältnis in der Familie vorher war und was sich danach verändert hat."
"Okay. Also Ben hatte eigentlich immer schon immer ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern. Seine Mutter hat ihn über alles geliebt und er sie auch."
"Und was war mit Stuart?"
"Er hat ihn damals genauso sehr geliebt. Als dann aber Diana damals starb, konnte er ihm einfach nicht mehr in die Augen sehen. Ben sah ihr einfach viel zu ähnlich. Stuart selbst hat ihren Tod nie richtig verkraftet. Diana war seine große Liebe. Er konnte Ben einfach nicht mehr ansehen, ohne an sie denken zu müssen. Deshalb hat er sich immer mehr von ihm abgewandt. Ben war damals noch ein Kind. Er war sieben Jahre alt und verstand gar nicht so richtig, was das alles sollte. Ihm wurde nur gesagt, dass seine Mutter tot ist und damit war sie für ihn dann weg. Wie es ihm in der Zeit ging, war mehr oder weniger allen egal."
"Warum ist sie gestorben?"
"Sie hatte Krebs. Das wurde nur leider zu spät erkannt und sie konnte nicht mehr geheilt werden."
"Okay. Geschwister hat Ben keine oder?"
"Nein. Nicht mehr."
"Was heißt nicht mehr?"
"Er hatte damals einen jüngeren Bruder. Als Ben noch sehr jung war, ich glaube fünf oder so, wurde er von einem betrunkenen Autofahrer überfahren."
"Aha. Okay. Das ist interessant. Gab es sonst noch irgendwelche Todesfälle um ihn herum?"
"Nein. Naja. Seine Großeltern sind damals ein paar Jahre nach dem Tod seiner Mutter gestorben. Zu denen hatte er aber nie so richtig Kontakt."
"Okay. Aber sonst nichts?"
"Nein. Nur das, was du auch weißt."
"Okay. Dankeschön! Das wars schon!"
"Gut. Ich hoffe ich konnte euch helfen."
"Ja. Sehr!"

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