Meeting

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Isabella's Sicht

Ein Monat ist seit dem ich mit Val das erste Mal geschlafen hab vergangen. Und es blieb nicht bei einem Mal. Es ist kurz vor Mitternacht und ich bin gerade auf dem Heimweg von meiner Arbeit.

Falls das jetzt jemand denkt, nein ich bin keine Stripperin oder Prostituierte. Sonder eine einfache Kellnerin in einer Bar.

Ich darf seit einer Weile alleine raus. Am Anfang hat mich Val immer begleitet und nur ungern gesehen, wenn ich mal wieder das Haus verließ.
Ich stoße die Tür der Wohnung auf und rufe “Ich bin wieder da!“

Ich weiß, dass es schon spät ist, doch Val wird trotzdem wach sein. Er wartet immer bis ich wieder da bin, selbst wenn es 3 Uhr nachts wird. Ich hab ihm gesagt, dass es unnötig ist, was er meistens aber nur mit einem 'ich mach mir trotzdem Sorgen!' kommentierte. Er verhält sich wie Elena... wie es ihr wohl geht?

“Isabella!“ sagt er streng und kommt auf mich zu.

Fuck das heißt nichts Gutes! Er spricht mich sonst nie mit meinem vollen Namen an...

“Du wirst morgen mit mir kommen.“ befehlt er mir schon fast. Ein Lächeln bildet sich auf meinen Lippen und ich hake nach “Was hast du geplant?“ Er dreht sich einfach um und geht.

Dieser kleine... Argh! Was hat er vor? Es kann einfach nichts Gutes sein!

Ich folge ihm und bringe in zum Stoppen, in dem ich ihn an der Schulter leicht umdrehe. Ich verschränke meine Hände hinter seinem Nacken und frage “Wieso bist du heute so erst?“ Darauf kontert er “Wieso hast du abgeschalten?“ Ich lege den Kopf schief und verstehe gerade gar nichts mehr. Er nimmt meine Hände von sich weg, doch hält sie kurz fest. Seine Stimme klingt entschlossen und endgültig als er ausspricht “Ich habe keine Lust mehr dein Trostpreis zu sein!“ Er lässt nun ebenfalls meine Hände los. “Du hast dich verändert.“ sagt er nur noch knapp und dreht sich um, um weiter in Richtung seines Zimmers zu gehen.

Natürlich hab ich das und mir macht es auch nichts aus, dass er keine Lust mehr hat mit mir zu schlafen. Dennoch hatte ich irgendwie ein Problem mit seinen Worten.

“Weil ich sonst zerbrochen wäre!“ antworte ich laut, als mir seine Frage wieder einfällt und ich verstand. Ich verstand was er mir sagen will.

Wieso ich meine Gefühle abgeschaltet habe. Nun weiß er die Antwort und wahrscheinlich wird er es nicht verstehen, dass konnte bisher niemand.

“Du hast mein Leben nicht gelebt und ich erwarte auch kein Verständnis von dir! Jetzt bist du aber dran, beantworte meine Frage! Wo ist der Haken bei dem 'Ausflug' morgen?“ rede ich weiter. Er hat in seiner Bewegung Inne gehalten und lässt nun seine Hand von der Klinke gleiten. Sein Kopf dreht er in meine Richtung und sein Blick strahlt etwas aus, etwas das ich bei ihm nie zuvor gesehen hatte. “Ich bringe dich zu einem Bekannten.“ antwortet er ungenau. Ich schnaube.

Er will mich also los werden! Na gut... ok... wenn er meint... sein Verlust! Die Liste wird länger, mit den Namen der Personen, die mich weggeworfen haben... was für eine Freude!

“Ok.“ erwidere ich darauf hin nur kurz, aber füge hinzu “Was muss ich alles mitnehemen?“ Er öffnet den Mund, doch ich unterbreche ihn “Warte sag nichts! Ich nimm einfach Nichts mit... außer ein paar Waffen. Den Rest kann ich mir auch irgendwann anders holen.“ Ich trotte weg.

Was für ein toller Abend! Ich freue mich schon auf morgen! Ironie ist mal wieder da!

Val weckt mich unsanft. Trotzdem stehe ich sofort auf und mache mich startklar.

“Du bist so ein Idiot!“ zische ich ihn an sobald wir aus der Wohnungstür treten. Was er nur mit einem Augenrollen quittiert. Wir gehen immer weiter Richtung Grenze, weswegen ich nach hake “Du willst mich wirklich einem Bekannten an der Grenze überlassen?! Wow ich habe deine Naivität echt unterschätzt!“ Erneut erhalte ich keine Antwort.

Danke schön, fühle mich echt geehrt!

Nach einer Weile beibt er endlich stehen und sagt mal wieder etwas “Er müsste bald da sein!“ Seine Stimme ist leise. Wir stehen an einer Gasse. An der Grenze zu dem MS-13 Gebiet, die grauen Hauswände enden links und rechts von uns und bilden somit eine Kreuzung. “Warte hier!“ spricht er kurze Zeit später aus und geht näher auf die Grenze zu.

Idiot! Ich will endlich wissen was los ist!

“Leck mich!“ zisch ich ihm hinterher. Was Val aber locker ignoriert. Plötzlich ertönt eine Stimme “Du bist so dumm, Valentin!“ Val hält Inne, er wirkt wie versteinert. Auf der anderen Seite der Grenze taucht ein älterer Mann auf. Seine Haare sind grau und mit seinem Gesamtbild wirkt er wie ein Greis, doch sein teuflisches Grinsen ließ dieses Erscheinungsbild zerspringen. “Ein geheimes Treffen mit dem Feind. Dachtest du wirklich ich würde davon nichts erfahren?“ spricht der Mann weiter und ich verliere langsam komplett den Faden.

Über was redet er? Wer ist er überhaupt?

Dem Mann sein Blick wandert zu mir und er zieht eine gespielt traurige Mine. “Ohhh Princessa mein Beileid, wegen deinem kleinen Freund Valentin hier, muss deine große Liebe etwas leiden und es wäre bloß gerecht den beiden Verrätern das Selbe anzutun, nicht?“ Überfordert sehe ich zwischen Val und dem Mann hin und her. Ihre Blicke sind jeweils auf mich gerichtet.

Em... was soll ich jetzt nochmal tun? Hat jemand vielleicht ein Drehbuch oder so gerade da? Nein? Niemand? Verdammt...

Doch anscheinend hat Val meine Unwissenheit erkannt, denn er spricht nun mit fester Stimme zu dem Mann “Lass sie in Ruhe, Carlo! Sie hatte keine Ahnung, dass wir uns mit Black treffen!“ Geschockt wandert nun mein Blick zu Val.

Warte was?!?!

“Du mieses Arschloch!“ beleidige ich ihn und funkel ihn böse an. Ich mache ein paar Schritte auf ihn zu und zische “Ich bring dich um!“ Carlo, wie ich nun weiß, sagt ruhig zu mir “Oh Schätzchen überlass mir doch bitte diesen Part!“ Plötzlich ertönt ein Schuss und ich schrie kurz auf. Eine Kugel bohrte sich in die Brust von Val. Der kurz aufkeuchte und leicht zurück taumelt. Langsam verliert seine Haut die natürliche Farbe und seine Beine geben nach. Gekrümmt liegt er auf dem dreckigen Boden und murmelt ein verstummtes “Sorry, Kleine!“ bevor seine Augen leer werden und seine Bewegungen vergingen, für immer. Meine Hand liegt auf meinem Mund und ich sehe auf den leblosen Körper vor mir. Alles bewegt sich wie in Zeitlupe und die Geräusche der Außenwelt scheinen an mir abzuprallen.

Er sagte, ich werde ihn nicht so schnell los... Er sagte, er wird mich nicht alleine lassen... Ich hab ihm nie mehr gesagt wie dankbar ich ihm doch bin. Nun ist er tot und das Letzte was ich zu ihm gesagt habe war 'ich bring dich um'... Ich hab ihn verletzt, mehr mals, doch er ließ es über sich ergehen, weil er wusste, dass es mir dadurch besser ging. Eine Freundschaft besteht aus geben und nehmen, doch ich war so egoistisch und habe nur genommen und da wunder ich mich noch wieso mich alle von sich stoßen?!

Ich werde erst wieder aus meinen Gedanken gerissen als mich zwei Männer unter den Armen packten und weg zogen. “Lasst mich los!“ motz ich und versuche meine Arme ihnen zu entreißen. Ohne Erfolg. Carlo's Stimme erklingt wieder neben mir “Bereit deinen Geliebten wieder zu sehen?“ fragt er mit seinem teuflischen Grinsen. Und das erste Mal seit langem hatte ich wirklich Angst.

played loveWo Geschichten leben. Entdecke jetzt