Kapitel 8 ✔

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Langsam öffnete ich meine Augen, die ersten Sekunden waren so perfekt und heile, fast schon wollte ich mich freuen das wieder alles normal war. Jedoch wurde ich ganz schnell zurück in die Realität gerissen, als ich mich nur minimal bewege und mich sofort ein starkes Ziehen durchfährt.

Ich schloss wieder meine Augen, doch die tränen liefen an meiner Schläfe hinunter. Ich sollte aufhören mit dem Geheule, passiert ist passiert und es gab nichts was das alles rückgängig machen konnte.

Ich tapste in unser Badezimmer und machte das typische wie jeden Morgen. Meine Augenringe waren nun etwas besser, doch dafür waren meine Augen umso mehr angeschwollen und roter. Ich stöhnte auf, so hässlich fühlte ich mich noch nie. Gähnend kam meine Mam rein.

,,Morgen Schatz, gut geschlafen?'', fragte sie und umarmte mich stark. Ich nickte und schaute sie an, sie sah nicht wirklich besser aus. Wahrscheinlich hatte sie die ganze Nacht nicht geschlafen, denn die Säcke unter ihre Augen sahen schrecklich aus.

Schnell machte ich mir meinen typischen Dutt und ging als nächstes in die Küche. Während meine Mam sich fertig machte, machte ich das Frühstück.

Völlig verträumt deckte ich den Tisch, als mir einfiel das ich heute Arbeiten musste. Etwas genervt holte ich mein Handy aus meinen Zimmer und schaute nach dem Arbeitsplan und wann ich anfangen müsste. Sobald auch das erledigt war, landete mein Finger wohl plötzlich auf eins der Social Media Apps.

Es dauerte nicht lange bis ich an einem
Bild hängen blieb. Langsam betrachteten meine Augen das Bild von Leyla und Kyle. Die beiden saßen nebeneinander, schien wohl gar nicht bemerkt zu haben das dieses Bild geschossen worden ist.

Seufzend lasse ich mein Handy wieder aufs Sofa fallen. Die beiden müssen wohl ziemlich glücklich miteinander sein. Aber Kyle und Leyla?

Kyle, der Badboy den alle Anhimmeln. Etwas in mir sagte das er anders war als alle dachten, nur wieso? Ich kannte ihn kein bisschen.

Er war gut aussehend, sein Ruf war auch nicht gerade der schlechteste und seine kalte Art macht ihn noch interessanter. Kyle hatte diese mysteriöse Aura, die einen dazu brachte seinen Mund zu halten und einfach nur zu glotzen.

Ich wusste nicht genau woher dieser Typ sich sein Verhalten abgeschaut hatte, aber es fügte deutlich was  zu seinem Status dazu. Diese kalte und desinteressierte Art, die Mädels fuhren wie verrückte darauf ab.

Mir wird erst später klar, wie viele Gedanken ich gerade an den Badboy verschwendet hatte und dass Kyle die letzte Person ist an die ich denken will.

Als dann auch endlich meine Mutter in die Küche kam, fingen wir an zu Essen. Es fiel mir schwer das Essen überhaupt runterzubekommen und doch zwang ich mich dazu.

Plötzlich fiel irgendwas runter und ich zuckte so stark zusammen dass mir mein Sandwich aus der Hand fiel. Mam schaute mich besorgt an aber ging dann auch nicht weiter drauf ein. Sie versteht das wohl.

,,Wollen wir dann gleich losfahren, Engel?'', fragte sie mich vorsichtig. Innerlich wollte ich gar nichts tun, nur im Bett liegen und alle schlechten Gedanken verbannen. Aber ich musste da jetzt durch, deswegen nickte ich leicht und räumte den Tisch auf.

Mit zittrigen Beinen kamen wir an, am liebsten würde ich jetzt gleich wieder weg. Mit pochendem Herz folgte ich meiner Mutter ins Innere. Die Wärme flog mir ins Gesicht, ich konnte den Geruch von Kaffee und Zigaretten wahrnehmen.

Es dauerte nicht besonders lange bevor wir mitgenommen wurden. Der Polizist führte uns zu seinem Büro, wo wir uns hinsetzten sollten.

,,Also.. bist du die Lou, die vergewaltigt wurde?'', fragte er zum wahrscheinlich 10 mal. Ich nickte etwas genervt.

,,Könntest du mir alles genau erzählen und beschreiben wie das verlaufen ist?'', fragte er. Ich schluckte, dass musste ich wohl.

Meine Hände fingen an zu schwitzen, ich konnte spüren wie Rot mein Gesicht anlief. Doch meine Mutter neben mir, unterstütze mich, schaute mich mit ihren liebevollen Augen an und ließ mich wissen, ich war nicht alleine.

,,...und danach, ist er aufgestanden  und mir noch gesagt das wenn ich irgendwas der Polizei sage, ich das doppelte nochmal spüren werde.'', beendete ich meine Erzählung. Mein Gesicht war mal wieder total nass und in mir brannte alles wie Feuer. Es war mir unfassbar unangenehm darüber zu reden, irgendwo fühlte ich mich dadurch nur noch benutzter.

Eine Weile verging bis wir dann endlich nach Hause fuhren. Der Polizist hatte noch ein paar Fotos von meinen blauen Flecken gemacht und uns informiert das er sich in der nächste Woche bei uns meldete. Aber eins fragte ich mich die ganze Zeit, warum zur Hölle war der Kerl selber zur Polizei gegangen?

Ein lautes hupen holte mich aus meinen Gedanken, voller Schreck zuckte ich zusammen.

,,Pssht. Alles ist gut, Lou.'', beruhigte mich meine Mam.

Langsam nickte ich, ich war einfach müde. Man könnte es schon fast lebensmüde nennen, ich war es so leid.

Zuhause angekommen, legte ich mich wieder in mein Bett und schaute meine Decke an. Tausend von Gedanken prasselten auf mich ein, ich kam gar nicht dazu diese zu sortieren oder zu Ende zu denken. Auch die Stille in meinen Zimmer erdrückte mich.

Ich nahm mein Handy aus meiner Kommode und checkte wie immer Whatsapp und all anderen Netzwerke. In unserer Klassen-Gruppe wurde mal über mich geschrieben, ich fragte mich immer noch wieso ich da drinne blieb.

Vielleicht nur weil ich manchmal meine Lösungen teilen geben musste. Für so was bin ich also gut genug. Aber um ein vernünftiges Gespräch mit mir zu führen.. unmöglich.

Ich schaute auf die Uhr, 15.28 Uhr. Um halb fünf sollte ich zur Bar, langsam stand ich auf und ging erst mal duschen.

Ich liebte es zu duschen, das entspannte mich immer ein wenig. Das warme Wasser verteilte sanfte Küsse auf meiner Haut, ließ mich heute das erste mal leicht lächeln.

Nachdem ich auch damit fertig war, föhnte ich meine Haare, schminkte so gut wie es geht meine blauen Flecke weg und zog mir was neues an. Dann ging ich ins Wohnzimmer, wo meine Mutter weinend saß, mein Herz zog sich sofort zusammen.

,,Mam, was ist denn los?'', fragte ich und setze mich neben sie. Sie schaute mich an und schüttelte den Kopf.

,,Es ist meine Schuld das du vergewaltigt wurdest, wegen meiner Dummheit musst du auch Arbeiten damit wir wenigstens etwas haben. Ich bin so eine schlechte Mutter.'', sagte sie. Diese Wörter taten mir weh.

,,Was erzählst du da für ein Quatsch? Ich würde auch so Jobben ohne das uns das Geld fehlt. Und bitte hör auf die Schuld auf dich zu schieben. Du bist die letzte die irgendwelche schuld trägt, okay? Wie du mir gesagt hast, wir schaffen das.'', mir fiel es verdammt schwer, nicht selber ein paar Tränen zu verlieren.

Sie nickte nochmal und nahm mich in den Arm. Als ich dann auch das geregelt hatte, schlüpfte ich in meine Schuhe und ging Richtung Bar. Schicksal, ich bitte dich, sei einmal nett zu mir.

My first BadboyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt