Die Tage flogen nur so an mir vorbei! Und endlich kam der Tag!
Wir aßen vorerst das letzte Mal etwas Warmes und packten alles zusammen und stellten es an die Tür. Damit wir am Morgen keine Zeit verschwenden würden. Diese Nacht drängte sich Daryl dicht an mich, seine wärme umhüllte mich und ich schlief das erste Mal wieder richtig durch.
Früh standen wir auf, die Sonne kam Heute hervor und es bildete sich Eisiger Nebel. Aber es hatte nicht mehr geschneit und wir wollten los.
„Was für ein herrlicher Morgen!" Gähnte Olivia und streckte sich. Ich blinzelte in das helle Licht, was ich dieses Mal nicht verfluchte, sondern ich sehnte es herbei. Mir wurde schwindelig, als ich zu schnell aufgesprungen war, ich wollte einfach keine Zeit verlieren!
Nach einem leichten Frühstück, was aus den Resten des gestrigen Abends bestand, nahmen wir unsere Sachen und wollten los. Die Tür, nach draußen wurde geöffnet und ein frischer Wind wehte hinein, er roch irgendwie Süßlich und kündigte den Frühling an.
Ein Ächzen ließ mich aufhorchen und ich suchte nach dem Ursprung, den ganzen Winter hatte ich dieses Geräusch nicht gehört. Anscheinend war ich die Einzige die es hörte und folgte dem Stöhnen an einen Schneehaufen. Es kam definitiv von hier, unter dem Schnee. Etwas davon rollte den Haufen hinunter und ruckartig kam eine Hand zum Vorschein, aber ich erschreckte mich nicht und starrte auf die blau gefrorene Hand die nach mir griff. Gichtartig krampfte die Hand und der Schnee bröckelte weiter von dem Haufen, nun kam eine verkrampfte Fratze zum Vorschein, die Lippen waren nicht mehr vorhanden und das Ding grinste im Kreis, nur ein Auge, das was davon übrig war, glotzte mich an, und als es seinen Kopf hob blieb ein Teil des Kiefers auf dem Schnee liegen.
„Ihr werdet auch immer Hässlicher!" Sagte ich verächtlich und trat dem Ding auf den Kopf, es ging ganz leicht. Ein schmatzendes Geräusch erklang als ich den Stiefel wieder hoch nahm.
„Uhä! Sowas lag die Ganze Zeit vor unserer Tür?" Fragte Olivia und schüttelte sich. Ich nickte und ging zur Chopper von Daryl.
„Auf geht's!" Sagte er und trat die Chopper an. Schnell setzte ich mich hinter ihm und schon zog Daryl die Maschine rum und es ging los.
David saß auf dem Trike und Olivia klammerte sich an Amy, auf einer Kawasaki VN 750 Twin Vulcan. Ich kannte mich in Sachen Auto und Motorrad Marken einigermaßen gut aus!
Schneebedeckte Wälder flogen an uns vorbei, Berge sowie Seen, die herrlich im Sonnenlicht funkelten, wie gerne wäre ich jetzt Eislaufen gegangen, aber es drängte etwas anderes...
Die Appalachen kamen dichter und türmten sich immer weiter auf, ich musste schlucken, ich wusste ja dass sie hoch waren, aber so hoch?
Kurz hinter Hyden Kentucky, machten wir Rast, wir kamen doch langsamer voran, als gedacht. Ich streckte mich und schaute die Berge hinauf.
„Meinst du wirklich, dass wir das da Hoch schaffen?" Fragte ich in Daryls Richtung.
„Der Wind stand günstig, also bis zur Schlucht, sollten wir kommen..." Erklärte er und rieb sich die Hände.
„Schlucht?" Fragte David mit aufgerissenen Augen.
„Höhenangst?" Sarkastisch erklang es von Daryl. David zog seine Lippe ein und nickte.
„Keine Sorge...Du wirst den Boden bestimmt nicht sehen... Zu viel Schnee!" Belustigt sah Daryl zu David. Er ließ erleichtert die Lippe wieder raus floppen. Und wieder lachte ich auf, denn das Geräusch schallte von allen Seiten wieder. David wusste, dass ich das nicht Böse meinte und lachte verlegen mit.
Kurz verschnauften wir und streckten die Eingefrorenen Glieder und schon ging es weiter. Anscheinend waren die Menschen kurz vor der Apokalypse nicht in die Berge gefahren, denn kaum ein Wrack ragte aus dem Schnee, ich weiß nicht wieso, aber Daryl sah die Straße, ich sah nur das saubere weiß, des Schnees.
Es wurde merklich kühler und ich zog mich dichter an Daryl und versteckte meinen Kopf hinter seinem Rücken.
„Alles Ok?" Fragte er gegen den Wind.
„Mir ist nur Kalt!" Unsicher ob er es hörte, nickte ich merkbar an seinen Rücken. Die Sonne schien zwar, aber der Fahrtwind war Eisig und stach in meine Haut, das Daryl, das ohne Helm, aushielt, war mir unbeschreiblich. Er hatte sich nur ein rotes Tuch vor Nase und Mund gebunden. Daryl gab nochmals Gas und fuhr schneller, was alles noch kälter machte, die Anderen taten es ebenfalls, ich hörte die Motoren aufheulen.
Nicht einen Beißer sahen wir, vielleicht waren sie alle verschneit und lauerten unter der Schneedecke? Vielleicht waren sie alle erfroren... zumindest die Meisten...
Unvergänglich kam mir die Zeit vor bis zum nächsten Stopp.
„Willkommen in Chilhowie..." Sagte Daryl als er den Motor abstellte. Ich hob meinen Kopf hinter seinem Rücken hervor und wurde prompt geblendet. Die Sonne stand hoch und blendete mich, schnell drehte ich den Kopf zu anderen Seite und war überwältigt, von dem Ausblick.
Weiße Wipfel erstregten sich am Horizont und schwarze scharfe Kanten blitzten an einigen Stellen auf. Die Kiefern strahlten satt grün, aus dem kalten weiß hervor. Und weiter unten konnte man rot-braune Dächer sehen, aber wirklich nur die Dächer, das gesamte Dorf war komplett zugeschneit.
„Sind wir schon da?" Fragte David, als er zu uns stieß. Ich lachte etwas auf.
„Nein, Großer. Noch nicht!" Er kam mir immer mehr vor wie ein Kind. Amy hatte einen Gaskocher mitgenommen, sie erwärmte ein paar Konserven. Auch Schnee taute sie zu Wasser und Olivia brachte es uns. Daryl stand etwas weiter abseits und schaute in die Ferne. Olivia gab mir zwei Dosen Frikassee.
„Hier, gib das Daryl..." Sagte sie leise und gab mir noch zwei Löffel. Ich sah zu ihm rüber, doch er starrte weiter auf den Horizont.
„Hey...Hier, iss was..." Sagte ich und reichte ihm die heiße Dose. Er nahm sie, ohne aufzublicken. Ich aß meine Dose halb leer und blieb die ganze Zeit neben ihm stehen.
„Was ist da?" Fragte ich leise und stocherte im Essen rum.
„Vieles..." Schnappte er kurz. Ich atmete laut ein und wollte mich abwenden.
„Warte..." Sagte er und fasste mich an die Schulter. Ich drehte mich um und zog eine Schnute.
„Ach, schau doch nicht immer so! Man!" Maulte er und schmiss seine leere Dose weit in den Schnee. Ich entspannte mein Gesicht wieder und stellte mich so dicht, dass meine Schulter seinen Arm berührte.
„Also, was ist es, das dich so ablenkt..." Wollte ich nun doch aus ihm raus kitzeln.
„Ich bin in diesen Bergen aufgewachsen..." Begann er. „Es war schwer..." Brach er schnell darauf wieder ab. Ich umklammerte seinen Arm.
„Wenn du nicht willst, brauchst du nichts zu sagen..." Leise sprach ich jedes Wort bedachte aus. Er schwieg und legte eine Hand auf meine.
„Hast du die Narben... daher?" Ich rang mit meinem Wort und er nickte nur. Ich hielt ihm meine Dose mit Frikassee hin und er nahm sie und aß den Rest. Natürlich spürte ich seine Narben auf den Rücken, wenn ich ihn berührte, auch sah ich sie, wenn er nackt war, ich habe nie darüber nachgedacht...
Ich sah zu ihm rauf und er schaute weiter den Horizont an. Nun folgte auch diese Dose der anderen in den Schnee.
„Es war mein Vater..." Sagte er leise und verkrampfte sich. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und sein Kiefer verhärtete sich. Ich stellte mich nun direkt vor ihn und sah ihn an. Knapp schaute er über mich hinweg.
„Ich bin bei dir..." Sagte ich leise und legte meinen Kopf an seine Brust. Er legte seine Hand auf meine Haare und zog sich fest an mich, ich konnte seinen Atem hören und sein Herz schlug schnell. Wieder schaute ich zu ihm hoch, plötzlich tropfte etwas auf meine Wange. Etwas glitzerte in seinem Gesicht und er biss sich auf die Lippe.
„Danke..." Hauchte er leise.
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The Walking Dead - Jane
FanfictionKlappentext: Was würdest du tun? Wenn die Welt, wie du sie kennst zu Ende ist... Jane und Alice machen diesen Horror durch, immer auf der suche nach Sicherheit. Zwischen Liebe und Tod, getrieben und verfolgt von Lebenden, sowie Untoten verschwindet...
