Ich folgte Maggie in Jennys Zimmer, sie teilte es sich mit Olivia, sie verstanden sich recht gut. Ich erfuhr, dass Olivia Krankenpflegerin war und Jenny zur Hand gehen konnte.
Das Wohnzimmer von Jenny glich einem Labor. War es denn schon so spät gewesen? Zwei Mikroskope, Scheren, Skalpelle, Spritzten, Kanülen und noch so einiges mehr standen auf verschiedenen Metall Tischen. Jenny wartete schon auf mich und zog sich grüne, Gummi Handschuhe an.
„Alles Ok bei dir?" Fragte Rick besorgt, ich nickte und ging an ihm vorbei und setzte mich zu Olivia auf das Sofa. Sie lächelte immer so freundlich. Judi wollte nicht von meinem Arm runter und Jenny kam zu mir.
„Willst du das auch wirklich?" Fragte sie zögernd und ich nickte und hielt meinen Arm hin, weil ich sah, dass sei eine Kanüle und noch irgendwas in der Hand hatte. Ich musste wissen, ob ich noch Ansteckend bin oder was auch immer mit meinen Augen los war. Ich verzog den Mund und schaute weg. Sie sprühte etwas Kaltes auf meinen Arm und wischte es wieder weg. Ich spürte nur einen kleinen Stich, es tat nicht sonderlich weh. Nur kurz darauf, ging sie wieder weg und ich schaute auf meine Armbeuge. Sie hatte ein Pflaster mit Herzen darauf geklebt und Judi umkreiste das Pflaster mit ihren Fingern.
Ich drehte mich zu ihnen rüber und sah, dass Olivia ein Plättchen fertig machte, für das Mikroskop. Jenny kam wieder zu mir und leuchtete mir mit einer Taschenlampe in die Augen.
„Hmm. Nichts zu sehen!" Sagte sie und blendete wieder ab, sie schaute kurz weg und schnell wieder zu mir.
„Könntest du vielleicht Sauer werden und es künstlich erzeugen?" Fragte sie wissenschaftlich nach. Ich schnaufte und stand auf, Maggie, Rick und Daryl standen am Eingang und beobachteten die Situation. Ich Gab Judi an Maggie über, aber sie strampelte.
„Judi! Es passiert mir nichts! Bleib kurz bei Maggie, ja? Ich bin gleich wieder bei dir!" Beruhigte ich die Kleine und nun blieb sie ruhig auf Maggies Arm sitzen. Ich setzte mich wieder auf das Sofa und zog mir erstmal den Mantel aus. Der Matsch an meinen Schuhen, war schon lange getrocknet und ist zum Teil abgefallen.
„Wenn du es schaffst, werde ich dir erneut Blut abnehmen, also... bist du bereit?" Fragte sie so Vorsichtig wie möglich. Wieder stöhnte ich auf und bis den Kiefer zusammen. Sauer werden... einfach so... wie denn? Ich knurrte mich selber an, wie sollte ich denn Sauer werden? Ich ließ die Gedanken kreisen und versuchte mir schlimme Sachen vorzustellen.
Alice wird von Beißern angegriffen und niemand hilft ihr....
Daryl geht in den Wald und kommt nie wieder....
Der Doktor sperrt mich weg und hetzt Beißer auf mich...
Nein, all dies half nichts, es machte mich eher traurig. Ich schloss meine Augen und plötzlich sah ich diese furchtbaren, dunkel rot glänzenden Augen vor mir, kein Leben war in ihnen zu sehen, ich sah mich selbst in den Gedärmen meiner Freunde wühlen. Nein! Das wird nie geschehen! Und da begann dieses furchtbare brennen in meinen Kopf. Immer wieder stellte ich mich selbst vor und es funktionierte.
Die Hitze stieg in mein Gesicht und das Brennen wurde wieder schlimmer. Ich hörte Judi hinter mir schreien und quengeln. Meine Arme schnellten an meinen Kopf und ich hielt ihn mir fest und musste einen Schrei unterdrücken und schüttelte ihn schnell. Es tat weh und das Höllisch!
„Jetzt mach schon!" Schrie ich Jenny an. Sie riss mir einen Arm von meinem Kopf und versuchte so schnell wie möglich mir Blut abzunehmen. Mein Körper verkrampfte schlagartig und für eine Sekunde fühlte ich nichts, rein gar nichts... Es war genauso, wie ich gestern die Beißer tötete, ich hörte auf zu zittern und das brennen in meinem Kopf war nicht mehr so unangenehm, sondern es stärkte mich. Mein Atem beruhigte sich und ich stand auf, ich ließ meine Hand vom Kopf sinken und sah Jenny an. Erschrocken fuhr sie zurück und ihr fiel eine Kanüle runter, das ganze Blut spritzte auf den Boden, als sie zerbrach. Ich verkrampfte meinen Kiefer und starrte sie an, jede einzelne Bewegung wurde von mir registriert.
„Mach schon!" Knurrte ich laut und ballte meine Fäuste, irgendwas in mir, sagte Kämpfe und überlebe! Aber ich versuchte still stehen zu bleiben und behielt meine Augen offen, zögernd kam sie dichter und leuchtete mir in die Augen und tastete mein Gesicht ab, eine weitere Blutkanüle nahm sie mir ab.
Das quengeln von Judi wurde wieder lauter und ich spürte wie etwas gegen mein Bein knallte und mich an den Sachen zog, ich schaute runter und die kleine Judi starrte mich weinend an.
Ich hockte mich runter und nahm sie auf den Arm, sofort patschte sie mit beiden Händen an meine Wange.
„Jane!" Mahnte sie laut, nun blinzelte ich langsam und diese Anspannung in meinem Körper verging wieder, das Brennen wurde lascher und Judi tatschte mir auf das Schlüsselbein. Und vergrub ihren Kopf in meinen Haaren. Ich ließ mich wieder auf das Sofa sinken, sofort hockte Daryl vor mir.
„Ist alles Ok?" Fragte er leise und legte seine Hände auf meine Knie. Ich nickte und lächelte ihn etwas an. Beruhigt atmete er aus und legte seinen Kopf auf meinen Schoß. Ich fühlte mich schlecht...
„Interessant..." Kam es von Jenny und ich drehte mich halb zu ihr rum. Sie stand bei den Tischen und verschränkte ihre Arme.
„Die Kleine scheint dich zu beruhigen..." Stellte sie fest und widmete sich den Blutproben. Eine Weile saß ich so da und dachte nach, ja Jenny hatte Recht. Judi beruhigte mich wirklich, sie merkte wohl, was mit mir los war und wollte das nicht. Rick setzte sich zu mir und versuchte aufmunternd zu lächeln.
„Geb dir keine Mühe..." Sagte ich leise und schaute wieder aus dem Fenster. Er seufzte und verschränkte seine Finger ineinander.
„Judith, spricht nur bei dir..." Sagte er leise und ließ mich aufhorchen und schaute ihn an.
„Sie merkt es... jedes Mal..." Hauchte ich leise.
„Ja, sie fluchte sonst immer nur, seid dem du da bist, sagt sie meistens nur deinen Namen..." Erklärte er und rieb sich den Nacken. Ich musste etwas lächeln und strich Judi das Kleid glatt. Aber ich schwieg wieder und starrte wieder aus dem Fenster. Nach einer Weile kam Jenny zu uns und stützte sich an der Sofalehne ab.
„Ich brauche noch Blut von einem Freiwilligen..." Sagte sie leise und Daryl richte sich vor mir auf und schaute mich traurig an.
„Nimm, meins..." Sagte er und folgte ihr zu einem Stuhl, nur wenige Minuten verstrichen und schon stand Daryl wieder vor mir. Ein lautes knarrendes Geräusch ließ mich aufschrecken.
„Tschuldigung!" Rief Jenny uns zu und zeigte auf ein rundes Ding, das sich ganz schnell drehte. Ich wollte keinen Lärm, ich wollte Ruhe und ging aus dem Zimmer. Daryl folgte mir und ich ging in die Kantine, Beth und Alice saßen dort. Sie stürmten auf mich zu und umarmten mich.
„Du kannst doch nicht einfach weg laufen!" Motze Alice.
„Meinst du mich, oder Judi?" Fragte ich lässig und setzte mich auf einen Stuhl, nun wollte Judith auch von meinem Arm und spielte mit ein paar Löffeln auf dem Boden. Alice kam zu mir und setzte sich neben mich, sie stützte ihren Kopf auf der Hand.
„Warum bist du abgehauen..." Fragte sie nochmals leise. Ich stöhnte auf und drehte mich zu ihr.
„Weil ich meine Ruhe brauche, bitte. Es wird mir momentan zu viel..."
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The Walking Dead - Jane
FanfictionKlappentext: Was würdest du tun? Wenn die Welt, wie du sie kennst zu Ende ist... Jane und Alice machen diesen Horror durch, immer auf der suche nach Sicherheit. Zwischen Liebe und Tod, getrieben und verfolgt von Lebenden, sowie Untoten verschwindet...
