Alles geht zu Grunde

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Daryls PoV.

Ich sah sie fliegen, sie sah glücklich aus... Meine Arme wollten sie ergreifen, doch ich konnte sie nicht berühren. Sie hätte das nicht tun dürfen, sie hätte mit ihnen gehen sollen. Ich sollte das jetzt sein, der da unten an der Klippe liegt, ich hätte jetzt Tod sein sollen... nicht sie!

Die beiden Soldaten waren verwirrt und wussten nicht weiter, mir knallten die Sicherungen durch und ich schlug sie zusammen und trat immer wieder auf sie ein. Mir waren ihre Erklärungsversuche scheiß egal!

Als sie sich nicht mehr bewegten, nahm ich ihnen ihre Waffen ab und schlenderte benommen durch den Wald, ich konnte das alles nicht glauben. Das war sicher nur ein Traum, doch mich holte die Realität sofort wieder ein. Jane war Tod, da gab es keine Zweifel. Die Beißer die mir entgegen kamen wurden brutal von mir abgeschlachtet, ich trat sie um und trat immer wieder auf ihre Köpfe, man konnte nicht mal mehr unterscheiden ob es ein Mann, oder eine Frau war...

Ich wollte diesen Krampf in meiner Brust los werden, ich wollte ihr Gesicht vergessen... ich wollte einfach nicht mehr leiden, doch ich war zu feige mir mein eigenes Leben zu nehmen!

Eine Stadt kam mir gerade Recht, ich suchte die nächste Bar auf und beschloss diese beschissenen Gedanken weg zu spülen. Es war mir egal, ob da drin Beißer lungerten, ich öffnete die Tür, es war still.

Ein verfaulender, beißender Gestank kam mir entgegen, hier hatten sich mehrere Leute erschossen, sie hingen verwest auf den Barhockern oder lagen auf dem Boden. Doch mich interessierte das nicht, ich ging hinter den Tresen und suchte nach brauchbarem Alkohol und fand auch welchen.

Ich schubste eine Leiche von einem Hocker und setzte mich hin und trank den ersten Schluck, es fühlte sich gut an. Doch nun holte mich Jane wieder ein, es krampfte in meinem Magen und ich kotzte auf den Boden.

Mein Körper fühlte sich taub an, mein Kopf schwillte und mein Blick verschwamm andauernd. Ich trank noch mehr aus der Whiskey Flasche und spülte den bitteren Geschmack runter, es konnte nicht sein, aber ich hatte es gesehen, es gibt keine Chance, dass sie aus einer solchen Höhe überlebt hätte.

Oh Gott, ich war verzweifelt... Sie ist Tod und ich konnte nichts dagegen tun... Zwei Flaschen leerte ich, bis ich benommen und unliebsam mit dem Kopf auf den Boden knallte und in einen Alkohol Schlaf fiel.

Bis ich wieder aufwachte verging sicher eine Ewigkeit.

„Verfickte Scheiße..." Brummte ich und stemmte mich wieder auf, ich hoffte, dass ich hier von einem Beißer gefressen wurde, solange ich noch halb Tod war. Doch es tat keiner der Missgeburten mir den Gefallen, doch nun kam wieder der Überlebenswillen durch. Oder ich war einfach zu feige um dem ein Ende zu setzten, aber es gab doch noch mehr... Was war mit Alice? Jane würde sicher wollen, dass ich auf sie aufpasse. Und Rick? Er war wie ein Bruder für mich, mehr als es Merle jemals war! Carol, Michonne und all die Anderen?! Die kleine Judith... Aber Jane wird nie wieder da sein!

Ich schüttelte den Kopf und nahm mir die nächste Flasche und leerte sie und versuchte meine Gedanken weg zu spülen, doch irgendwie funktionierte es nicht. So ging es gefühlte etliche Tage weiter, obwohl ich nicht wusste, wann Tag oder Nacht war. Ich begann in meinem Suff mit den Leichen zu sprechen, und ich bildete mir ein, dass sie mir Antworteten! Ihr Geruch störte mich nicht.

Irgendwann war der Schnaps alle, es ließ sich in diesem Schuppen nichts mehr finden. Ich wusste nicht, ob ich wieder zurück gehen sollte, oder mich von dem nächst bestem Beißer fressen lassen sollte. Doch diese Entscheidung wurde mir abgenommen.

Ich hörte Motoren die nicht weit von der Bar verstummten, vielleicht waren es Soldaten oder Überlebende die mich erschießen würden, um mein elendes Dasein endlich ein Ende zu setzten.

Schwankend ging ich aus der Kneipe und spuckte auf den Boden, die Sonne schien grell und ich konnte nichts mehr sehen. Nur wenige Sekunde später erkannte ich zwei Schemenhafte Gestalten, sie kamen direkt auf mich zu.

Jetzt würde ich mich nicht mehr wehren, jetzt würde alles vorbei sein, kein Schmerz, keinen druck mehr im Kopf. Ich würde mit Jane wieder vereint sein, und sie würde nie wieder fort gehen können, für immer...

Ich sackte auf die Knie und starrte in den Himmel, meine Arme streckte ich weit auseinander, ich hoffte nur, dass es schnell gehen würde.

„Verdammte Scheiße, Daryl!" Ertönte es, ich versuchte durch meine verschwommenen Augen zu sehen, doch erkannte ich nur dunkle Gestalten vor mir, doch ich erkannte seine Stimme, Rick...

Ich lachte etwas auf und ließ meine Arme sinken, es konnte ja nicht anders sein... Wenn ich mich endlich dazu durchringen konnte, endlich zu sterben, kam Rick und holt mich aus der Scheiße!

„Rick..." Stöhnte ich dennoch erleichtert auf. Er kam zu mir und packte mich am Kragen und zog mich zu sich rauf.

„Wo ist Jane, Daryl?" Fragte er ernst und hielt mich fest, denn ich sackte immer wieder weg. Jane..., wieder kam mir ihr Gesicht in den Sinn und jetzt begriff ich erst richtig und die Tränen flossen und sämtliche Muskeln verkrampften sich.

„Tod..." Lallte ich und sackte wieder weg, nun zogen mich Michonne und Rick in den Wagen und fuhren schnell.

„Sie ist tot..."

The Walking Dead - JaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt