Überraschung!?

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Amy unterbrach uns und wir sollten weiter fahren. Wir taten es auch, es musste ja weiter gehen. Jetzt fuhren wir nicht mehr Richtung Schlucht, Daryl sagte, dass dort sicher alles Meterhoch voll mit Schnee wäre. Nein, wir fuhren Richtung Hickory, es war zwar etwas länger, aber wir kamen sicher durch. Die ganze Fahrt über blieben wir nur dreimal stecken und zweimal davon war es David, mit dem Trike.

Von Hickory aus ging es Richtung Osten, nach Winston-Salem. Die Dämmerung begann schon und es dauerte ewig bis wir voran kamen. Die Straßen waren rutschig und Matschig, hier war es nicht mehr ganz so Kalt wie in Ohio, auch war hier kaum noch Schnee, mehr brauner nasser Matsch. So einige male mussten wir absteigen und die Bikes schieben. Über und über mit Matsch machten wir uns weiter auf den Weg. Unsere Hosen waren total durchgeweicht und das Wasser stand mir in den Stiefeln.

Hier begegneten wir auch wieder mehr den Beißern, doch wir waren nicht aus der Übung. Wenn uns einer mal zu dicht kam, während wir schoben, erledigte Daryl sie mit seiner Armbrust.

Ungefähr nur noch zwei ein halb Meilen, waren es noch, bis mich ein Geräusch aufhorchen ließ. Ich blieb stehen und lauschte.

„Was ist?" Olivia war besorgt.

„Ich dachte ich hätte was gehört..." Kurz angebunden ging ich weiter. Die Straßen waren von Auto Wracks übersät, sie zwangen uns auf den Grünstreifen zu laufen, naja, wo Grün nun wirklich nur der Name war...

Mir tat alles weh und meine Füße merkte ich schon gar nicht mehr. Und wieder hörte ich etwas und blieb stehen, alle blieben stehen.

„Was ist denn nun schon wieder?" Motzte Amy herum.

„Hühner?" Fragte ich mich selbst und lauschte nochmals.

„Ja...Ich höre Hühner!" Sagte ich laut und lachte. Daryl grinste und holte seine Armbrust vor.

„Heut Abend gibt es Hühnchen!" Sagte er und stellte den Ständer der Chopper auf und wollte los gehen.

„Daryl, nicht jetzt! Erst gehen wir zum Hotel!" Sagte ich ihm und ging einen Schritt auf ihn zu. Er stöhnte auf und steckte seine Armbrust wieder weg.

„Du hast recht, also... Weiter!" Er klang nicht sehr erfreut, ja ich hätte mich auch über Hühnchen gefreut, aber die Prioritäten lagen jetzt wo anders.

Eine Meile und wieder hörte ich Hühner, blieb aber nicht stehen und ging einfach weiter. Eine halbe Meile... nun war es deutlicher zu hören.

Kamen die Hühner Geräusche etwa vom Hotel? Plötzlich konnte man das Türmchen des Hotels sehen und Autos davor. Nur etwas später, erkannte ich es, die Autos...

„Nein...nein, nein, nein!" Hauchte ich immer wieder, fiel im Schritt zurück und fasste mir an den Kopf.

„Was? Was ist?" Fragte Daryl besorgt und stellte die Chopper hin und kam zu mir. Ich deutete mit dem Finger nach vorn, auf das Hotel, mehr auf die Autos.

„Erkennst du sie nicht?" Meine Stimme versagte. Er kniff die Augen zusammen und versuchte es zu erkennen.

„Ich sehe... Autos?" Bestätigte Amy.

„Keine normalen Autos... Militärfahrzeuge..." Zum Schluss brach meine Stimme ab. Daryl riss die Augen auf und beförderte mich auf die Chopper, er wollte wieder fliehen, bevor sie uns entdeckten.

„Halt!" Sagte ich streng und stieg wieder ab. „Ich kann das nicht mehr, Daryl..." Sein Blick war erschüttert.

„Willst du Aufgeben?" Verurteilte er mich. Doch ich schüttelte mit dem Kopf.

„Wenn es Soldaten sind, dann lass die Drei vor gehen." Ich drehte mich zu ihnen und schaute sie traurig an.

„Ihr müsst nicht mit uns fliehen... Geht vor. Sie werden sich um euch kümmern, sie haben keinen Grund euch...." Ich verkrampfte und schloss die Augen, ich hatte wieder Angst. Was ist bloß passiert...

Könnte es denn wirklich sein das Alice nicht mehr dort ist, und was ist mit Rick? Die kleine Judith und Beth? Ich wollte noch nicht einmal an die Anderen denken... Dieses zerreisende Gefühl plagte mich nun heftiger. Sollte ich nun so kurz vor unserem Ziel scheitern.

„Ihr kommt mit!" Sagt Amy streng. „Der Doktor ist Tod, also was befürchtet ihr denn?" Fuhr sie fort. Sie rüttelte mich mit den Worten aus meinen Gedanken wach.

„Ja...Du hast Recht..." Hauchte ich und sah wieder ein Lichtblick.

„Scheiße! Wir müssen..." Sagte Daryl, doch ich unterbrach ihn.

„Nachsehen... Alice war da und wenn die Schweine ihr was angetan haben, dann Gnade ihnen Gott!" Ich war wie ausgewechselt! Die alte Kampfes Lust stieg in mir auf und ich stieg auf die Chopper.

„Los! Ich habe keine Zeit zu warten!" Zischte ich und Daryl stieg grummelnd auf und ließ den Motor aufheulen. Mein Herz schlug fest und ich umklammerte meine Messer. Alles oder Nichts!

Es dauerte nur Augenblicke und wir standen vor dem Hotel. Daryl hielt noch nicht einmal und ich sprang schon ab. Das Tor war fest verschlossen, keine Chance es auf zu bekommen. Ich rüttelte daran.

„Hey ihr Schweine! Macht das Tor auf!" Schrie ich laut und Daryl zog mich zurück, nun erreichten uns auch Amy, Olivia und David. Ich riss mich von Daryl los. Und das altbekannte Brennen im Kopf, zischte etwas auf und ich musste mir die Tränen verkneifen.

„Wenn sie ihr irgendwas angetan haben! Werde ich mich rächen und nichts kann mich aufhalten!" Schrie ich Daryl an.

„Hast du sie nicht mehr alle? Willst du gleich verrecken?!" Fuhr er mich an. Ich schnaubte und wendete mich wieder dem Tor. Ich sah eine Bewegung auf dem Dach. Camouflage Klamotten konnte ich erkennen, also haben sie das Hotel übernommen! Nur kurz wurde ich ruhig um danach nur noch lauter zu schreien. Mein Kopf brannte wieder wie Feuer und mein Puls schnellte in die Höhe.

„Ihr verdammten Hurensöhne! Macht das scheiß Tor auf! Ich werde solange in eure Gesichter treten bis ihr euch selbst am Arsch lecken könnt! Ihr Bastarde!" Schrie ich bis mir der Hals brannte und die Tränen liefen, sodass ich die Augen zu kneifen musste.

„Komm runter! So werden die uns nie rein lassen!" Spottete Amy. Wieder sah ich eine Bewegung, diesmal hinter einem Fenster, es blitzte etwas auf.

„Zu Feige um mir persönlich in die Augen zu schauen?! Um mich lieber aus dem Fenster heraus abknallen!?" Ich steigerte mich in der Hysterie.

„Jane! Jetzt komm runter!" Daryl hielt mich fest an den Schultern und wollte mir in die Augen schauen, doch ich schaute weg.

„JANE!" Schrie es plötzlich vom Hotel, und ich drehte mich ruckartig dem hin. Eine zierliche Gestallt, rannte aus dem Hotel und mir wurde ganz anderes. Die ganze Wut, die Angst, die Verzweiflung, alles fort. Nur noch ein Gefühl breitete sich in mir aus, Erleichterung! Denn ich erkannte wer da auf mich zu stürmte.

„Alice!" Sagte ich laut und drängte mich gegen das Tor. Sie streckte ihre Arme hindurch und drückte sich ebenfalls gegen das Tor. Heiße Tränen sprudelten aus mir raus, ebenso auch bei Alice.

„Oh mein Gott! Ihr seid wieder da!" Schrie es hinter ihr und ich erkannte Glenn.

„Heilige...!" Ertönte es von Rick und ich konnte die Restlichen nicht mehr erkennen. Meine Tränen verhinderten meine Sicht.

„Geht ein Stück zurück! Ich mache das Tor auf!" Hallte es von Glenn und ich löste mich von Alice und fiel Rückwärts in Daryls Arme, er hielt mich fest und ich merkte, dass auch er am ganzen Körper zitterte. Das Tor schob sich zur Seite und Alice drängte sich durch den schmalen Spalt und fiel mir in die Arme, ich spürte noch mehr Arme um mich.

„Oh Herr! Ihr lebt!" Jauchzte Rick. Und auch ich ließ meinen Gefühlen freien lauf. Endlich... Endlich hatte ich sie wieder und die Qualen der letzten Monate waren verschwunden.

The Walking Dead - JaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt