Anfang vom Ende

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Daryl zog immer weiter an meinem Arm und zog uns immer weiter die Berge hinauf, Richtung Norden. Meine Füße schmerzten und ich konnte einfach nicht mehr, meine Lungen taten weh und meine Augen brannten. Ich riss mich von Daryl los und setzte mich auf den Boden, erschrocken fuhr er zu mir rum und starrte mich an.

„Daryl! Ich kann nicht mehr!" Jauchzte ich leise und hustete. Er ließ sich vor mir auf den Boden sinken und ließ den Kopf hängen, sein Körper zitterte und seine Hände bohrten sich in das Laub am Boden. Ich rutschte nach vorne und streckte meine Hand nach seinem Kopf aus, bis ich ihn berührte. Er schaute auf und es zerbrach mein Herz. Sein Gesicht war Schmerz verzerrt und er weinte bitterlich. Ich schnellte nach vorne und nahm ihn in den Arm, er war wie ein Nasser Sack in meinen Armen.

Seine Tränen steckten mich an und ich weinte mit, war es das nun?

Er hielt mich fest und schluchzte in mein Schultern, bis wir ein Geräusch vernahmen. Schnell richteten wir uns auf und die Tränen waren im nu versiegt.

Wir schauten in die Richtung, aus der wir dachten, dass es kam. Und kurz setzte mein Atem aus, ich sah fünf Männer auf uns zu kommen.

„Da sind sie!" Schrie der Mann mit einer Augenklappe und dem Schwarzen Mantel. Scheiße! Wie haben die uns so schnell gefunden? Daryl riss mir an den Armen und lief los. In mir spürte ich das Adrenalin aufsteigen. Ich suchte nach meinem Revolver und fand ihn, während des Laufens drehte ich mich um und schoss, zweimal... zweimal traf ich. Ich drückte weiter auf den Abzug, doch es löste sich kein Schuss mehr, war sie leer oder hatte Ladehemmung? Ich hatte keine Zeit um jetzt meine Waffe zu wahrten.

„Hast du Schusswaffen?" Fragte ich außer Atem, doch Daryl lief einfach weiter.

„Nein! Nichts!" Sagte er keuchend und lief weiter, plötzlich löste sich hinter uns ein Schuss und ich schaute auf zu Daryl, das Blut spritzte in die Luft und ich entdeckte einen Streifschuss an Daryls Schulter, seine Hand schnellte an seine Schulter und ich sah das Blut durchsickern und er stöhnte auf. Noch ein Schuss löste sich, er traf neben meinen Kopf in den Baum, stolpernd lief ich weiter.

„Nicht auf sie! Ihr Idioten!" Schrie der Mann wieder. Oh Gott, sie wollte Daryl aus dem Weg schaffen! Wir liefen weiter, wie sollen wir sie abschütteln? Nicht mal die Handvoll Beißer, die uns entgegen kam, konnten die Typen ablenken! Konnte nicht jetzt der Löwe vorbei kommen und dem ganzen ein Ende setzten?

Doch kaum versah ich mich, blieb Daryl übereilt stehen und schnaufte laut. Ich schaute nach vorne.

„Oh nein!" Stöhnte ich auf, wir waren in eine Falle gelaufen. Vor uns erstreckte sich ein Plateau und dahinter in knapp 10m Entfernung ging es Steil Berg ab.

„Fuck!" Daryl packte mich an der Hand und wollte wieder in den Wald laufen, doch es war zu spät. Der Augenklappen Typ stand schnaufend vor uns und richtete eine Schrotflinte auf uns, Reflexartig gingen wir ein paar Schritte zurück und die drei Männer hatten uns jeden Weg abgeschnitten.

Mein Kopf wurde heiß und meine Augen brannten, ich sah alles ganz scharf vor mir, hätte ich doch nur eine Waffe ohne Ladehemmungen! Scheiße! Fluchte ich in Gedanken immer wieder.

Sie drängten uns zusammen, richteten ihre Waffen auf uns und der Typ mit der Klappe lachte laut.

„So, nun hab ich dich!" Lachte er und ließ seine Flinte etwas sinken. Ich klammerte mich an Daryl und er hielt mich fest, ich spürte wie er verkrampfte und seine Hand lag in meiner. Und es konnte nicht passen, es begann zu Regnen und es donnerte Laut über uns.

„Erst werde ich dich erschießen und dich danach Quälen bis wir auf der Kraterinsel sind!" Drohte er grollend. Ich hielt Daryl fester an mich, das konnte er doch nicht tun!

„Nimm mich und lass Daryl in ruhe! Bitte!" Flehte ich ihn an. Doch der Typ lachte auf, und Daryl starrte mich an. Ich sah ihn traurig an, seine Haare hingen in seinem Gesicht, ich konnte nicht unterscheiden, ob es Tränen oder Regentropfen waren.

„Ich liebe dich und ich lasse nicht zu das du für mich stirbst!" Weinte ich, er nahm mich fest in den Arm, ich hörte wie die Schrotflinte durchgeladen wurde.

„Gut, komm her!" Forderte er und ich atmete tief ein und aus und sog Daryls Duft ein, ein letztes Mal küsste ich ihn flüchtig und ging mit verschränkten Armen auf den Kerl zu, es blieb mir nichts anderes übrig. Mir wurde Kalt und der Regen machte es nicht einfacher, das Zittern zu unterdrücken. Ich schluchzte und der Kerl packte mich und schleuderte mich zu seinen Kumpanen, sie fingen mich auf und hielten mich schmerzhaft an den Armen fest, typischer Polizeigriff, flucht unmöglich.

Verheult schaute ich zu Daryl, er stand regungslos an der Klippe, der Augenklappen Typ grinste Siegessicher und ging ein paar Schritte auf Daryl zu, er hob die Flinte an und zielte auf ihn, wieder donnerte es laut und ein greller Blitz zucke über das Land.

„NEIN! Lass ihn in Ruhe!" Schrie ich und versuchte mich aus dem Klammergriff des Soldaten zu befreien.

„Dachtest du wirklich, ich werde ihn am Leben lassen!" Lachte er grollend, doch Daryls Augen blieben auf mir haften. Der Typ hob die Flinte an und zielte auf ihn. Daryls Augen schimmerten und zitterten, ich spürte das Brennen im Kopf, ich musste etwas tun! Mein Atem ging schnell und alles lief in Zeitlupe vor mir ab.

Ich konnte mich nicht aufhalten, ich konnte nicht klar denken, ich handelte einfach...

Ich trat dem Soldaten auf den Fuß und er ließ mich los und schrie auf, ich nutzte sofort die Chance und rannte auf den Typen zu, der Daryl gerade erschießen wollte. Ich spürte Daryls blicke auf mir, doch ich konnte nicht anderes. Als ich bei dem Kerl ankam packte ich ihn und rammte ihn die Klippe runter, ein Schuss löste sich. Und ich merkte eine Hand die mich packte und mich mit in die Tiefe zog. Ich fiel...

In der Luft drehte ich mich und ich sah ihn, meine Liebe, meine einzig wahre Liebe, die mir schmerzverzerrt hinter her starrte und nach mir rief, doch ich konnte nichts tun. Die warme Luft durchströmte mich und das letzte was ich sah war er, Daryl. Ich streckte meine Hand gen Himmel und die Tränen flogen über mir und glitzerten in der Sonne, die sich durch die Regenwolken bohrte.

Der Tod ist schlimm genug, doch für die Liebe zu sterben, empfand ich als Richtig.

The Walking Dead - JaneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt