Chapter Fifty-Seven

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„Morgen, Patty!" Verschlafen schlurfte Anna in die Küche, insgeheim dankbar darüber, dass selbst ihre Eltern es vorzogen, nach einer durchfeierten Nacht länger im Bett zu bleiben. Und so war sie nicht im leeren Esszimmer geblieben, dass auch ohne die Anwesenheit der Hausherren nicht einladend wirkte, sondern hatte sich stattdessen zu Patty gesellt.

„Guten Morgen, Liebes!" Sie verstaute wie immer noch schnell ein paar Dinge, die stets herumzustehen schienen, ehe sie sich mit einer Kanne Tee und zwei Tassen zu Anna an den Tisch setzte und sie lächelnd anblickte. „Wie war die Feier?"

„Lustig, zumindest gegen Ende hin." Etwas, von dem sie nie gedacht hätte, es je über eine der eigenartigen Veranstaltungen ihrer Eltern sagen zu können. Normalerweise ließ sie sich am darauffolgenden Tag einfach in Pattys Arme fallen und weinte sich an ihrer Schulter aus. „Es ist wirklich ganz was anderes sich mit seinen Freunden unterhalten zu können als von Mutter und Vater stundenlang zur Schau gestellt zu werden", gab sie schließlich zu und dachte mit Schaudern an all die Abende, an denen sich jede Sekunde wie ein Jahrhundert angefühlt hatte. Und sie sich mit jeder dieser endlosen Sekunden wertloser vorgekommen war.

„Das ist wirklich schön." Die Haushälterin nahm Annas Hände in ihre und drückte sie kurz, ehe sie ihre Stimme senkte und leiser fortfuhr, als hätte sie Angst, dass ihre Vorgesetzten sie hören konnten. „Sie sollten sich wirklich dafür schämen, dich wie ihre Marionette zu behandeln."

„Das wird sich wohl nie ändern", flüsterte Anna traurig, dankbar dafür, dass es zumindest eine Person in diesem Haus gab, die sich immer auf ihre Seite stellen würde, auch wenn sie es nur hinter verschlossenen Türen und durch kleine Gesten tat. Außerdem wurde sie ohnehin jeden Tag aufs Neue daran erinnert, dass sie selbst im schlimmsten Fall auf ihre Ersatzmutter zählen konnte.

„Es war wirklich schön, dass die beiden da waren", gab sie sich dann aber wieder bewusst fröhlich, da sie nicht schon wieder in dunklen Gedanken versinken und das Glücksgefühl noch etwas auskosten wollte.

„War der junge Mann eigentlich auch dabei, von dem du mir erzählt hast?" Pattys Augen funkelten verschmitzt während Annas Wangen sich auf der Stelle röteten und sie es einmal mehr bereute, ihr davon erzählt zu haben. Andererseits hätte sie es sonst wohl kaum geschafft, ihm das zerstörte Handy zu ersetzten und für die Freundschaft, die danach entstanden war, würde sie auch in Kauf nehmen, dass die Person, die ihr am nächsten stand davon überzeugt war, dass sie sich verliebt hatte.

„Mike wäre meinen Eltern ein Dorn im Auge", erklärte sie ihr kurz und musste doch beim Gedanken daran schmunzeln, wie wenig er mit seinen feuerroten Haaren zu den anderen Gästen gepasst hätte.

„Soso, Mike heißt er also", schmunzelte Patty. „Und wer war dann da?"

„Ein Studienkollege und seine Freundin." Ihr war bestens bewusst, wie wage diese Beschreibung war und begann sich zu wundern, was wohl seit ihrem Abschied zwischen Brad und Elisa passiert war und ob ihr Plan letzten Endes aufgegangen war. Am liebsten wäre sie jetzt schon zu den anderen gefahren, aber sie wusste genau, dass ihre Eltern dann nur unangenehme Fragen über ihr Verbleiben stellen würde, auf die sie ihnen keine Antwort geben konnte, ohne ihnen von den heimlichen Ausflügen zu beichten.




„Leute, ich habe etwas zu berichten!" Nun, da alle versammelt waren, war Brad also endlich dazu bereit, das breite Grinsen in seinem Gesicht zu erklären, das ihnen in den letzten Minuten, in denen sie noch auf Mike und Chester gewartet hatten, die wieder einmal eine gemeinsame Schicht im Burgerladen hatten einlegen müssen, eigentlich schon alles verraten hatte, was sie wissen wollten.

Break the Cycle |Linkin Park|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt