Chapter Eighty-One

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„Guten Morgen, Sonnenschein!" Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und einem Kaffee in der Hand drehte sich Anna zu Mike, der verschlafen in die Küche geschlurft kam und sich mit einem Nicken für die Tasse bedankte, die ihm gereicht wurde. „Du siehst fürchterlich aus."
„Was?" Mike, der mittlerweile auf einem der Barhocker saß und langsam an seinem Getränk nippte, brauchte einen Moment um Annas Worte zu verarbeiten, bevor er sich fragend zu ihr drehte.
„Wann hast du das letzte Mal mehr als sechs Stunden geschlafen?", stellte sie ihm eine weitere Frage anstelle einer Antwort, ehe sie das Frühstück auf die Arbeitsplatte vor ihm stellte und sich neben ihn setzte. Mike eine gute Minute Zeit zum Überlegen gab, bevor sie schließlich ihre Frage für ihn beantwortete. „Eben! Und das merkt man."

„Am Wochenende schlafe ich mich aus", brummte er schließlich und amüsierte Anna einmal mehr damit, wie tief seine Stimme am Morgen klang. Weshalb sie auch von ihrem ursprünglichen Plan abwich ihn mit einem skeptischen Blick zu strafen.
„Das sagst du jetzt!" Sie lächelte ihn vielsagend an, was er mit einem Augenrollen kommentierte. „Aber im Endeffekt sitzt du dann wieder die halbe Nacht an einem deiner Kunstwerke."
„Jaja", murmelte er und schaufelte das Müsli in seinen Mund anstatt ihr zu widersprechen, hatte sie doch schlicht und ergreifend Recht. Zwischen Uni, Arbeit und der Band blieb ihm aber auch kaum eine andere Wahl als auf Schlaf zu verzichten, nachdem der Tag ansonst eindeutig zu wenig Stunden für all seine Aufgaben hatte.

„Weißt du", begann Anna schließlich vorsichtig, nachdem sie den letzten Löffel ihres Frühstücks mit einem Schluck Kaffee hinuntergespült hatte. „Ich finde es ja echt nett von dir, dass du mir in der Früh Gesellschaft leistest, aber ich will nicht, dass irgendwann deine Gesundheit darunter leidet."
„Ich halte das schon aus." Mike sah auf seine Hände, die mit dem Löffel spielten. „Außerdem schläfst du am Abend, wenn ich von der Probe nachhause komme schon, also ist das die einzige Chance, Zeit mit dir zu verbringen."
„Mike!" Überrascht blickte Anna ihn an, ehe sie es ihm gleichtat und ebenfalls mit dem Teelöffel in ihrer nun leeren Tasse spielte. Dabei hoffte sie, dass Mike ihre roten Wangen nicht bemerkte. „Mir fehlt es, dir beim Musikmachen zuzusehen."
„Danke?"

„Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr du in deiner Aufgabe aufgehst, verstehst du?", versuchte Anna, ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen und sah dabei aus dem Augenwinkel, dass Mike sie nun wieder anblickte. „Außerdem wirkst du dann total beruhigend auf mich, auch wenn ich nur nebensitze und irgendetwas schreibe. Deshalb hoffe ich wirklich, dass ich bald nicht mehr so müde nachhause komme und wieder zur Probe kommen kann."
„Wenn du den Schlaf brauchst, brauchst du ihn." Irritiert über Annas Worte runzelte Mike die Stirn, hatte er doch noch nie wirklich darüber nachgedacht, welche Wirkung seine musikalischen Experimente auf andere hatten. Zu sehr war er dafür normalerweise mit Text und Musik beschäftigt. „Sonst schaust du bald genauso fürchterlich aus wie ich und das wäre echt schade."

„Apropos fürchterlich aussehen, Linsey will heute nach der Arbeit mit mir einkaufen gehen."
„Glaubst du, dass es so schlimm sein wird?" Mike stapelte das schmutzige Geschirr in der Spüle, ehe er eine Hand unter das Wasser hielt und darauf wartete, dass es endlich warm wurde. Zeit genug also, um Anna, die immer noch auf ihrem Barhocker saß und in einem ihm bestens bekanntem Kleidungsstück unterging, einen amüsierten Blick zuzuwerfen. „Du kannst gerne noch ein paar von meinen Pullovern haben."
„Nein, das nicht, aber so wie sie klang werde ich wahrscheinlich das halbe Geschäft anprobieren müssen", erklärte sie ihm, die Skepsis in ihrer Stimme dabei nicht zu überhören.
„Entschuldige die Frage, aber wie wirst du das dann eigentlich bezahlen?" Immerhin konnte er es sich kaum vorstellen, dass Annas Eltern sie einfach weglaufen ließen und ihr trotzdem weiterhin das Leben finanzierten.
„Meine Kreditkarte funktioniert noch", antwortete sie ihm zögernd. „Aber davon abgesehen habe ich mit meiner Chefin gesprochen und bekomme mein Gehalt für diese Woche schon heute ausgezahlt. Falls das nicht reicht borgt mir Linsey noch den Rest. Dann habe ich zumindest wieder eigene Kleidung." Es war nicht zu übersehen, dass sie sich in dem, was Linsey und Elisa ihr geborgt hatten nicht wirklich wohl fühlte. Etwas, das allerdings nicht von dem, was sie aus seinem Schrank genommen hatte, behauptet werden konnte. „Deine Pullover behalte ich allerdings."

Break the Cycle |Linkin Park|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt