Chapter Seventy-Seven

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„Robert, Schatz, ich bin wieder zuhause!" Die Stimme seiner Mutter ließ Rob augenblicklich aufschrecken, hatten die Gedanken an das bevorstehende Gespräch mit ihr ohnehin verhindert, dass er schlafen hatte können, auch wenn er nichts lieber als das getan hätte, als er nach dem Besuch beim Meldeamt ins Bett gefallen war. Die vergangenen Tage waren ohne Zweifel die wohl anstrengendsten seines Lebens gewesen, und trotzdem war es ihm unmöglich gewesen zur Ruhe zu kommen, zu viel war es, das auf ihn einstürzte, sobald er die Augen schloss.
„Hallo, Mom." Unsicher trottete er ins Wohnzimmer, wo sie bereits dabei war das mitgebrachte Abendessen auf zwei Teller aufzuteilen. Auch wenn er einen Groll gegen die Hillingers hegte, vor allem jetzt, wo er mit eigenen Augen gesehen hatte was aus Anna geworden war, musste er es ihnen doch zu Gute halten, dass seine Mutter stets einen Teil des Essens, das sie für die Familie kochte, mit nach Hause nehmen durfte.

„Alles in Ordnung?" Ihr entging offenbar nicht, wie nervös er war, wie wenig er diese Konversation führen wollte. Denn auch wenn sie ihr bestes gab zu verbergen wie sehr sie etwas beschäftigte, sie rechnete wohl kaum damit, dass er Mitschuld an den Sorgen war, die sie sich im Moment um Anna machte. „Ist euer Vorspielen nicht gut gelaufen?"
„Doch schon!", erklärte er ihr hastig, auch wenn seine Erinnerungen an die Vorstellung beim Label alles andere als positiv waren, war der Schmerz doch beinahe das einzige, auf das er sich hatte konzentrieren können, die Bewegungen am Schlagzeug schon zu fest in seinem Gedächtnis verankert als dass sie ihn hätten ablenken können. Etwas, dass er ihr allerdings nicht erzählen wollte, hätte es denn zweifelsohne die Frage nach der Ursache seiner Verletzung zur Folge. Und egal wie nahe er seiner Mutter auch stand, es gab Dinge, von denen sie nicht zu wissen brauchte. Annas Verbleib gehörte zu seinem Bedauern aber nicht dazu. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen, aber wir haben wirklich unser Bestes gegeben!"
„Na dann wird es auch gereicht haben, nur Mut!" Auch wenn er mittlerweile einen guten Kopf größer war als sie schaffte es sie doch jedes Mal aufs Neue, dass er sich wieder wie ein kleines Kind fühlte, das sie vor der Welt beschützen wollte. Eine Tatsache, die er ihr nicht übelnehmen konnte, war sie doch jahrelang die einzige Person, die für ihn gesorgt hatte gewesen, aber es machte es zugleich schwerer für ihn, nun ehrlich mit ihr zu sein. Zu groß die Angst davor, seine Mutter zu enttäuschen, auch wenn er genau wusste, dass sie immer stolz auf ihn sein würde, solange er nur reinen Gewissens handelte. Was er zwar getan hatte, aber trotzdem hatte die Erinnerung an Annas Rettung einen bitteren Beigeschmack. „Aber du wirkst trotzdem irgendwie geknickt."


„Ich weiß wo Anna ist, Mom", platze es schließlich nach einem Moment der Stille aus ihm heraus, ehe er sich von seiner Mutter wegdrehte, da er genau wusste, dass er es nicht ertragen konnte, ihr nun ins Gesicht zu sehen.
„Was?!" Er hatte sie selten aufgeregt erlebt, selten gehört, wie sie laut wurde und umso mehr traf es ihn nun ihre Stimme brechen, ihn verzweifelt um Informationen anflehen zu hören. „Bitte sag mir, dass es ihr gut geht, ich mache mir ja solche Sorgen um mein Mädchen!"
„Ja es geht ihr gut", erklärte Rob den Sachverhalt so trocken wie es ihm nur möglich war. „Das soll ich dir von ihr ausrichten."
„Wo ist sie?", packte sie ihn nun am Arm und stellte die Frage, die er die ganze Zeit über gefürchtet hatte.
„Das darf ich dir nicht sagen, Mom." Er schüttelte den Kopf und entzog sich ihrer Berührung, ehe er versuchte, ihr zumindest den Ansatz einer Rechtfertigung zu geben. „Sie will nicht, dass ihre Eltern sie finden, als bitte sag den Hillingers nichts von alledem. Ich kann dir nur sagen, dass sie in guten Händen ist."

„Dann muss mir das wohl oder übel genug sein." Einen Moment lang schwiegen die beiden, ehe seine Mutter sich mit einem Seufzen dazu bereiterklärte ihm die Information zu geben, auf die er insgeheim den ganzen Tag gehofft hatte. „Die Hillingers weigern sich die Polizei einzuschalten. Nachdem einige von Annas persönlichen Gegenständen fehlen", vermutlich meinten sie damit die Notizbücher, die sie mitgenommen hatte, „gehen sie davon aus, dass sie davongelaufen ist und bald wiederauftauchen wird."
„Das glaube ich nicht", widersprach er ihr energisch und schielte kurz in ihre Richtung, ein Blick ausreichend um sich zu vergewissern, dass sie seine Meinung teilte auch wenn sie nicht wusste, wie Anna in der Nacht ihres Verschwindens behandelt worden war. Ein Detail, von dem seine Mutter vorerst aber nicht zu erfahren brauchte, hatte er doch Angst, dass sie aus Loyalität zu ihrem Pflegekind kündigen würde und dann den erstbesten Job annehmen musste, um Geld für sie beide zu verdienen.

Break the Cycle |Linkin Park|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt