Dann war es das also, das Ende. Wie schnell es wieder gekommen war und wie wenig er von all dem Vorgenommenen geschafft hatte. Wie weit er noch immer von der Erfüllung seiner Träume entfernt war, vielleicht sogar weiter denn je.
Mit einem Seufzen strich Rob die langen Haare hinter seine Ohren, ehe er die Hände wieder in den Taschen seiner Hose vergrub und die Schultern hochzog. Der dunkle Pullover mit der weiten Kapuze war nur allzu gut dafür geeignet, ihn in der Nacht verschwinden zu lassen. Damit war er unsichtbar für all die Menschen, die laut grölend an ihm vorbeiliefen, darüber lachten, wenn eine weitere Alkoholflasche am Asphalt zu Bruch ging. Eine Menge, in der er wie ein Fremdkörper wirkte.
Aber wie sie alle hatte auch er beschlossen, die klare Nacht, die letzte des Jahres, nicht in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Stattdessen hatte er sich aufgerafft, den Pullover übergezogen und war nach draußen gegangen. Was ihn dabei angetrieben hatte, konnte er allerdings nicht sagen, da es niemanden gab, der hier draußen auf ihn wartete. Er war Teil dieser feiernden Menge. Und doch vollkommen allein.
„Pass doch auf, Mann!" Im letzten Moment konnte er noch einem Betrunkenen ausweichen, der an ihm vorbeitorkelte und ihm nun den Mittelfinger hinterherstreckte. Und auch er ging weiter, den Blick stur auf den Boden vor seinen Füßen gerichtet. Er war schuld daran, wenn man ihn verspottete. Er war schuld daran, wenn er am falschen Ort war. Er war schuld daran, wenn die Band außer Takt kam. Und alles was er tun konnte, war weiterzugehen, einen Schritt vor den anderen zu setzten. Allein.
Egal, was er auch tat, es schien sein Schicksal zu sein. Er schien dazu verdammt zu sein, auf Ewigkeit allein zu sein, unabhängig davon, ob er nun Teil einer Gruppe war oder nicht. Auch wenn sie probten, es kam ihm oft so vor, als wäre er nur stummer Beobachter dessen, was sich vor seinem Drumkit abspielte. Als wäre er derjenige, den man nur ansprach, wenn er einen Fehler machte. Wenn man ihm die Schuld geben konnte.
Oder wenn jemand etwas von ihm wissen wollte. Wissen war wohl tatsächlich Macht, wie es so oft hieß. Aber wenn die Macht auf ein paar Gespräche beschränkt war, konnte er genauso gut darauf verzichten.
Natürlich, er war Schuld an der Situation. Schließlich war er es gewesen, der sich immer weiter aus Gesprächen zurückgezogen hatte, vor allem dann, wenn sie ihm Fragen zu seinem Leben außerhalb der Proben stellten. Dabei gab es so viele Dinge, über die er gerne mit ihnen sprechen würde, nicht zuletzt jetzt, wo sich seine Mutter einen neuen Job gesucht hatte.
Soweit er mitbekommen hatte, verdiente sie dort nicht schlecht, und sie hatte ihm immer und immer wieder versichert, dass er sich keine Sorgen um die finanzielle Situation machen musste. Aber genau das tat er. Immerhin wusste er noch nicht, was er nach der Schule machen sollte, falls das mit der Band doch nicht funktionieren sollte. Eine weitere Sache, die er gerne mit ihnen besprechen wollte, aber wie? Alle hatten bereits ihre eigenen Probleme, und Rob erschienen seine eigenen zu lächerlich im Vergleich dazu, um sie anzusprechen. Vor allem jetzt, nach Chesters Unfall, nach dem Streit mit ihm. Er war erstaunlich ruhig seitdem, und auch wenn Rob wusste, dass Chester nicht von einem Tag auf den anderen nüchtern werden würde, er gab sich zumindest Mühe nicht komplett betrunken bei der Probe aufzutauchen. Eine Tatsache, die Rob ihm hoch anrechnete, weshalb er auch darüber hinwegsah, dass er das eine oder andere Mal den Alkohol riechen konnte, wenn der Sänger ihn zur Begrüßung an sich drückte.
Es schien also bergauf zu gehen, zumindest, wenn er beide Augen vor der Realität verschloss und nur fest genug daran glaubte. Gedankenverloren streifte er einmal mehr mit seiner Hand das Brückengeländer entlang, ließ seine Hand von Pfeiler zu Pfeiler springen, das dumpfe Gefühl des Aufschlags eine willkommene Abwechslung in seiner öden Realität.
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Break the Cycle |Linkin Park|
Fanfiction» Ich sag dir was, Mike, mal wieder. Du hast nur Angst davor, noch einmal jemanden zu verlieren, den du liebst. « Würdest du zulassen, dass deine Welt auf den Kopf gestellt wird, oder würdest du um jeden Preis versuchen, deine dunklen Geheimnisse un...
