Chapter Thirty-Five

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„Gut zu wissen, dass wir nicht die einzigen sind, die glauben, dass die zwei mehr als nur Freunde sind!" Noch immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht drehte sich Mike zu Anna, die kichernd den Kopf schüttelte.

„Aber jetzt verstehe ich wenigstens diesen Scherz." Sie versuchte, sich an der spärlich beleuchteten Umgebung zu orientieren, mussten sie ihr Ziel doch beinahe erreicht haben.

„Und irgendwann wirst du alle verstehen", versicherte ihr Mike, ohne über seine eigenen Worte nachdenken zu müssen. Sie waren ihm einfach entkommen, bevor er sie hätte überdenken können. Und doch fühlten sie sich wie das einzig Richtige an, auch wenn ihm Chester einen vielsagenden Blick zuwarf, ehe er unschuldig auf die Straße starrte.

„Wenn ich wiederkommen darf?" Die Frage hatte sie an diesen Abend schon öfters gestellt, das war ihr bewusst, aber ihr Gehirn konnte die Tatsache nicht ganz verarbeiten, dass es jetzt, nach all den Jahren der Einsamkeit, tatsächlich Menschen gab, die sie wiedersehen wollten, ihre Späße und Geheimnisse mit ihr teilten.

„Du kennst die Adresse, es sollte immer irgendwer da sein. Und wenn nicht, der Schlüssel liegt unter dieser schrecklichen Plastikpflanze hinterm Haus", erklärte ihr Chester als wäre es das Normalste auf der ganzen Welt, während er das Tempo drosselte und die Straßenschilder genauer betrachtete. „Irgendwann wird Elisa das Ding glaube ich verbrennen, und ich würde es ihr nicht mal Übel nehmen."

„Du kannst mich hier rauslassen", Anna deutete unterdessen auf die nächste Seitengasse, versuchte, die Worte des Sängers nicht in ihrem Kopf zu wiederholen, solange sie noch im Auto saß.

„Na dann." Er hielt am Straßenrand an und schaute zu ihr zurück. „Bis morgen!"

„Danke fürs Nachhause bringen. Und bis morgen!" Wie immer hob sie eine Hand und winkte ihnen zu, während sich auch Mike von ihr verabschiedete. und dann, als die Tür hinter ihr zugefallen war, sie den beiden ein letztes Mal für heute zugewinkt hatte und das Auto hinter der nächsten Straßenecke verschwunden war, ließ sie sich Chesters Worte noch einmal durch den Kopf gehen.


Du kennst die Adresse, es sollte immer irgendwer da sein. Und wenn nicht, der Schlüssel liegt unter dieser schrecklichen Plastikpflanze hinterm Haus.

Eine Information, die er ihr gegeben hatte, als wäre sie komplett belanglos , und doch bedeutete dieses kleine Geheimnis die Welt für sie. Sie war nicht mehr nur ein willkommener Gast, sie war in seinen Augen, vielleicht auch in den Augen von allen, ein Teil der Gruppe, die sie erst vor ein paar Stunden kennengelernt hatte.

Vor ein paar Stunden noch hatte sie sich vor ihnen zu Tode gefürchtet, hatte weglaufen wollen und alles hinter sich lassen. Hatte der Stimme in ihrem Kopf Folge leisten wollen, die sie immer daran erinnern würde, dass sie nicht willkommen war. Aber sie war geblieben, war stärker gewesen als der Dämon in ihrem Kopf, der sich nun ganz klein machte, während sie übers ganze Gesicht strahlend durch die Dunkelheit lief und ihr Freudentränen über die Wangen rannen.




„Was sollte das eben?" Kaum war Anna außer Sichtweite, war Chesters Fröhlichkeit wie weggewaschen, was sich nicht nur an seinem todersten Blick, sondern auch an seinem nun wieder äußerst riskanten Fahrstil äußerte.

„Was meinst du?" Als wollte Mike sich verteidigen, verschränkte er die Arme vor seinem Körper, zog den Sicherheitsgurt dabei mit einer Hand ein wenig fester.

Nachdem ich ein armer Student bin", äffte ihn Chester nach, ehe er auf sein Talent zu schreien zurückgriff. „Dein scheiß Ernst, Mike?"

Break the Cycle |Linkin Park|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt