Chapter Sixty-Three

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Trigger-Warnung: Mobbing; der Beginn der Stelle ist mit *** markiert.

Außerdem hab' ich das englische Wort „burden" in dem Kapitel nicht übersetzt, warum seht ihr gleich...



„Miss?" Mit gesenktem Blick trat Rob nach der Stunde ans Lehrerpult und wartete, bis er die Aufmerksamkeit seiner Klassenlehrerin hatte.

„Was gibt es denn, Robert?" Sie verstaute das letzte Heft in ihrer Tasche, ehe sie sich ihm zuwandte und wie immer, wenn einer der Schüler nach der Stunde mit einem Problem zu ihr kam, ein freundliches Lächeln aufsetzte. Auch wenn er ihrem Blick gleich wieder auswich und stattdessen auf den Zettel in seinen Händen starrte, es fiel ihm doch leichter zu sprechen, wenn sein Gegenüber zumindest Interesse vortäuschte.

„Ich, ähm." Er räusperte sich kurz, in der Hoffnung, dass seine Stimme nun etwas fester klang, während er ihr das vortrug, was er während der Stunde immer und immer wieder in seinem Kopf durchgegangen war. „Ich habe morgen am Vormittag ein Vorstellungsgespräch. Also, eigentlich ist es nicht wirklich eins, weil meine Band und ich bei einem Label eingeladen sind und wir dann hoffentlich einen Plattenvertrag bekommen und-" Schon wieder war er von dem abgeschweift, was er eigentlich hatte sagen wollen, hatte sich wieder von dem Stolz übermannen lassen, den er empfand, wenn er an den morgigen Tag dachte. Dabei war es ihr, Lächeln hin oder her, vermutlich egal, aus welchem Grund er nicht in der Schule war. Wen interessierten schon die unwirklichen Träume eines Teenagers?

„Ich kann jedenfalls morgen nicht zum Unterricht kommen", brachte er sein Problem schließlich auf den Punkt und streckte der Lehrerin den Zettel entgegen, den sie ihm aus der Hand nahm und kurz überflog, während er sich fühlte, als würde er sich weiter rechtfertigen müssen. „Es tut mir Leid, dass es so kurzfristig ist, aber wir haben erst am Wochenende davon erfahren und ich habe Sie gestern nicht gefunden, deshalb-" Seine Wangen färbten sich leicht rot, als er merkte, wie vorwurfsvoll er nun klang, auch wenn seine Worte der Wahrheit entsprachen. „Ich hoffe, die Entschuldigung von meiner Mutter reicht fürs Erste." Er deutete unbeholfen auf das Blatt Papier, das seine Mutter vermutlich nie zu Gesicht bekommen würde. Denn obwohl sie wusste, welch ein besonderer Tag für ihn bevorstand und seitdem er ihr davon erzählt hatte von nichts anderem mehr sprach, hatte er keine andere Wahl, als sich einmal mehr als sie auszugeben. Zu groß war die Gefahr, dass eine kleine Unachtsamkeit seine kleinen und großen Lügengeschichten auffliegen ließ und ein falsch gesetzter Strich konnte ausreichen, um ihn in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen.

„Dann wirst du also die Schule abbrechen?" Die Lehrerin runzelte die Stirn, wohingegen Rob sie einen Moment fassungslos anstarrte, hatte er doch keineswegs mit einer solchen Reaktion gerechnet. Zumal sie sich doch seiner Meinung nach eigentlich über die Aussicht, einen Schüler weniger unterrichten zu müssen, freuen sollte.

„I-ich hab's nicht vor", stammelte er schließlich, nicht vollkommen von seinen eigenen Worten überzeugt, gab es doch kaum etwas, über das er in den letzten Wochen öfters nachgedacht hatte. Und wären da nicht seine Freunde, die alles daran setzten, dass er zu seinem Schulabschluss kam, würde er vermutlich schon längst in einem schlecht bezahlten Job arbeiten, vielleicht sogar zusammen mit Chester und Mike im Burgerladen. „Falls wir wirklich unter Vertrag genommen werden, können immer noch Monate vergehen, bis wir wirklich ins Studio können und so lange dauert das Schuljahr ja nicht mehr." Lange genug allerdings, um ihn noch weiter an die Grenze seiner Belastbarkeit zu bringen, als er es ohnehin schon war.

„Das ist gut zu wissen, es wäre schade, wenn du jetzt, so knapp vor dem Ziel, aufgeben würdest", erklärte sie ihm, worauf eine kleine Stimme in seinem Kopf ihr am liebsten erwidert hätte, dass ein Plattenvertrag nicht der Grund für ihm wäre, die Schule abzubrechen. Oder aufzugeben, wie sie es nichtsahnend ausgedrückt hatte. Nicht wissend, dass er mit diesem Begriff schon längst so viel mehr verband als lediglich ein paar nicht bestandene Prüfungen.

Break the Cycle |Linkin Park|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt