„Komm, wir bringen dich jetzt nach Hause", schlug Mike schließlich nach einigen Minuten vor, in denen er nicht Recht gewusst hatte, was er tun sollte. Anna und Rob hatten ihre eigene Vergangenheit und auch wenn sie ihm kurz davon erzählt hatten, war das lediglich die Spitze des Eisbergs gewesen. Er würde sich wohl oder übel damit abfinden müssen, dass die beiden eine Verbindung hatten, die über Freundschaft hinausging. Wenn er sie so sah, die Art und Weise wie sie miteinander umgingen, kam es ihm tatsächlich vor, als würde er Geschwister beobachten. Und wünschte sich dabei nichts sehnlicher, als dass er Eifersucht statt Schmerz empfinden würde. „Dazu musst du aber aufstehen."
„...schrecklich..."
„Was ist schrecklich?", hakte er nach, auch wenn er bereits wusste, was Rob als Antwort geben würde. Zu oft waren sie beide dafür schon in dieser Situation gewesen. Und doch versetzte es ihm jedes Mal aufs Neue einen Stich ins Herz.
„Ich!" War es noch vor Kurzem eine Schwierigkeit gewesen, ihn vom Boden hochzuziehen, so sprang er nun auf und starrte auf sie beide herunter, blanker Hass in seinen Augen.
„Nein, bist du nicht!", widersprachen Mike und Anna ihm vehement, woraufhin er sie beide kurz stirnrunzelnd musterte und sich schließlich wenig überzeugt von ihnen wegdrehte.
„Müsst nach Hause. Wegen mir."
„Wir wären sowieso bald nach Hause gegangen, es ist schon spät und wir sind müde." Als wollte sie ihre Worte unterstreichen, gähnte Anna herzhaft und wollte sich die Augen reiben, ehe sie erschrocken realisierte, dass das angesichts ihres Make-ups wohl keine sonderlich gute Idee war. Eine kleine Geste, die Mike zum Schmunzeln brachte.
„Hab' euren schönen Abend zerstört."
„Hast du nicht", widersprach ihm Mike seufzend. Das hatte er nämlich wie immer ganz allein geschafft. Eine Tatsache, die ihn mit jedem Mal ein wenig mehr frustrierte. Aber gleichzeitig hatte er es verdient. „Anna, kannst du uns bitte ein Taxi rufen und Joe Bescheid geben, dass wir uns auf den Weg machen?"
„Mache ich." Ohne Umschweife sprang sie auf und ging zurück zum Appartement, ehe Mike realisierte, welche Aufgabe er ihr eben gestellt hatte. Er konnte lediglich hoffen, dass Joe noch nicht allzu betrunken war und ihr dabei helfen konnte, ihnen eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren. Andererseits wäre es eine noch wesentlich schlechtere Idee gewesen, sie mit Rob allein zu lassen.
„Tut mir leid, Mike", nuschelte Rob erneut und machte Anstalten, sich wieder auf die Bordsteinkante zu setzten, woran er allerdings von Mike mit einem beherzten Griff nach seinem Arm gehindert wurde.
„Was hast du genommen?" Unter normalen Umständen hätte er ihm diese Frage niemals gestellt, zumindest nicht so direkt, aber es mangelte ihm mittlerweile einfach an der Geduld, die notwendig war, um weiterhin Spielchen mit ihm zu spielen. Natürlich spielte auch der Alkohol, der Streit mit Anna und Chesters Verschwinden ihre Rollen dabei, sein Blut zum Kochen zu bringen.
„Gar nichts!" Aber Robs fürchterlich schlecht gespielte Unwissenheit war schließlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
„Lüg' mich nicht an!", brüllte er ihm ins Gesicht und packte Rob dabei am Kragen seines Pullovers. Einen Moment, bevor ihn der überraschte Aufschrei seines Freundes wieder auf den Boden der Realität zurückholte und er seinen Griff ein wenig lockerte.
„Lass mich, ich hab' nur getrunken." Wie auch er es getan hatte, nur um dann eine Reihe falscher Entscheidungen zu treffen. Nur, dass Rob noch weitaus mehr getan hatte, als sich mit seiner besten Freundin zu streiten, dem besten Freund an die Kehle zu gehen und in die Arme von denen zu scheuchen, die nichts Gutes für ihn wollten. Rob hatte sich selbst verloren.
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Break the Cycle |Linkin Park|
Fanfiction» Ich sag dir was, Mike, mal wieder. Du hast nur Angst davor, noch einmal jemanden zu verlieren, den du liebst. « Würdest du zulassen, dass deine Welt auf den Kopf gestellt wird, oder würdest du um jeden Preis versuchen, deine dunklen Geheimnisse un...
