Chapter Sixty-One

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Was bisher geschah...
Anna stolpert wortwörtlich in Mikes Leben, der anfangs keineswegs begeistert von der schüchternen Frau ist, die offenbar einiges zu verbergen hat. Einen ungewollten Kuss später steht allerdings fest, dass er sie nicht mehr loswird und so beginnt sich langsam eine Freundschaft zwischen den beiden zu entwickeln. In weiterer Folge nimmt er sie auch zu den Bandproben mit, bei denen sie seine fünf besten Freunde (+weiblichen Anhang) kennenlernt. Während die meisten sich über Annas Anwesenheit freuen und sie langsam aufzublühen beginnt, ist das Band-Nesthäkchen Rob nicht unbedingt begeistert über ihre Anwesenheit, ist sie doch keine Unbekannte für ihn.
Grund zum Feiern gibt es bei der Band aber allemal, nachdem sie sich – Brads Kontakten sei Dank – einen Termin bei Warner Music ergattert haben, auf den es sich nun vorzubereiten gilt. Einziges Problem: Chester ist nur selten nüchtern anzutreffen, Rob plagt die Schule mehr als er bereit ist zuzugeben, Mike gaukelt eine heile Welt vor und Anna darf ihren goldenen Käfig nur mehr verlassen, um zu den Vorlesungen zu gehen...



„Kann ich dich einen Moment alleine lassen und uns was zu essen besorgen?" Mike legte ihr eine Hand auf die Schulter und sah sie so lange fragend an, bis sie schließlich zögerlich nickte und er sich widerwillig von ihr losriss, nicht ohne ihr vorher zu versichern, dass er in wenigen Minuten wieder bei ihr sein würde. Anna würde auf der Bank sitzen bleiben, das wusste er, und er versuchte sich einzureden, dass sie wohl kaum eine weitere Panikattacke bekommen würde, so lange er weg war.

Trotzdem kam es ihm viel zu lange vor, bis er am Buffet an der Reihe war, zwei Sandwiches ergattert hatte und wieder zu ihr ins Freie huschte. Wie erwartet hatte sie sich nicht von der Stelle bewegt, sondern saß immer noch in der exakt gleichen Pose auf der Parkbank, zusammengesunken wie ein Häufchen Elend und starrte in die Ferne, als hoffte sie, dass die Lösungen ihrer Probleme dort geschrieben standen.



„Hier." Mike zwang sich zu einem Lächeln, als er Anna ihr Mittagessen entgegenstreckte, das sie einige Augenblicke lang stumm beäugte, ehe sie mit zitternden Fingern danach griff und es ihm aus der Hand nahm.

„Danke." Sie sah zwischen ihm und dem Brot hin und her, machte im Gegensatz zu Mike aber keine Anstalten, es aus der Plastikfolie zu entfernen, sondern vielmehr so wirkte, als hätte sie schon wieder vergessen, dass er ihr überhaupt etwas gebracht hatte.

„Gern geschehen." Er ließ sich wieder neben ihr nieder und kaute eine Weile schweigend auf seinem Sandwich herum, während Anna ihres unberührt ließ und stattdessen weiterhin in die Ferne starrte. Eine Tatsache, die er in diesem Moment zwar lieber unkommentiert ließ, wollte er sie doch nicht weiter aufregen, die ihm aber deswegen nicht minder Sorgen bereitete. Ihn wieder an die ersten Tage, nachdem Anna in sein Leben gestolpert war, zurückerinnerte. An das erste Gespräch mit Rob über sie, spätnachts vor dem Hauptquartier der Band, lange bevor er die Entscheidung getroffen hatte, sie aus ihrem Leben zu verbannen und dieser Plan keine 24 Stunde später mit einem Kuss zunichte gemacht worden war. Er hatte sie magersüchtig genannt, seine Sorge darüber ausgesprochen, dass etwas mit ihr nicht stimmen konnte, nicht zuletzt, weil er sie an dem Ort gesehen hatte, von dem er sich so sehr wünschte ihn nie wieder aufsuchen zu müssen.

Sein Urteil über sie war, wie er mittlerweile wusste, ziemlich oberflächlich, war sie doch zweifelsohne nicht die Person, die hungerte, um dünner zu werden. Im Gegenteil, es wirkte vielmehr so, als würde der Dämon, der in ihrem Kopf hauste, ihren Appetit kontrollieren. Was allerdings bedeuten würde, dass sie schon sehr viel länger mit ihren Gedanken zu kämpfen hatte, als sie ihm in näherer Zukunft verraten würde. Was er ihr allerdings nicht übelnehmen konnte, erinnerte ihn sein eigenes schlechtes Gewissen doch immer wieder an das Gespräch in der Straßenbahn, bei dem er ihr beinhart ins Gesicht gelogen hatte. Einfach, weil es ihm bis zu diesem Tag einfacher erschien, als ihr den Teil seines Lebens zu zeigen, den er so gekonnt vor der Welt versteckte.

Break the Cycle |Linkin Park|Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt