Paddy
Bald weckte mich die Krankenschwester wieder und ich bat sie, mir etwas zu lesen zu bringen. Sie willigte ein und verschwand kurz. Ein paar Minuten später kam sie zurück und legte mir mehrere Bücher auf den Nachttisch. Anschließend bekam ich wieder Flüssigkeit über die Sonde, was mich wieder würgen ließ. Doch diesmal wusste ich, dass ich nur eine Stunde durchhalten musste. Diese Stunde verbrachte ich damit, in die Bücher hineinzulesen und mich für eins zu entscheiden. Als die Nahrung angeschlossen wurde, legte ich mich wieder hin und schlief schnell ein. Mitten in der Nacht würde ich geweckt, weil ich nochmal Flüssigkeit bekam und danach wieder Nahrung. So langsam bekam ich Bauchschmerzen von der Nahrung und schrieb das auch für die Krankenschwester auf. „Das ist in Ordnung so und völlig normal. Wenn du willst, gebe ich dir ein Medikament gegen die Bauchschmerzen, dann wird es gleich besser", schlug sie vor und ich nickte. So bekam ich eine Spritze und bald darauf ließen die Schmerzen nach.
Die nächsten Tage liefen immer gleich ab. Ich las viel, hing an der Beatmung, bekam Nahrung über die Sonde und einmal am Tag riefen meine Geschwister an und eine Krankenschwester erzählte ihnen, was ich aufschrieb. So vergingen insgesamt fünf Tage. Zwischendurch bekam ich Medikamente gegen die Schmerzen von der Maske und gegen die Übelkeit. Nach fünf Tagen ging es mir deutlich besser und ich verbrachte die meiste Zeit des Tages im sitzen und schlief nur noch nachts. Da kam endlich der Arzt wieder vorbei. „Dir geht es ja inzwischen deutlich besser. Deshalb wirst du jetzt schritt für schritt daran gewöhnt, wieder selbst zu atmen. Dafür bekommst du stundenweise keine Beatmung und die Zeit wird nach und nach erhöht, bis du sie irgendwann gar nicht mehr brauchst", erklärte er mir und ich strahlte ihn an. Endlich ging es vorwärts. Bereits zwei Stunden später durfte ich das erste mal nach fast einer Woche selbst atmen versuchen. Dazu wurde die Maske abgenommen und ich bekam Sauerstoff. Das tat so gut, endlich das Gesicht wieder frei zu haben. Sprechen konnte ich aber nicht, weil ich mich auf meine Atmung konzentrieren musste. Aber immerhin durfte ich etwas trinken, was auch gut klappte. Doch nach einer halben Stunde verließ mich die Kraft und ich begann zu röcheln. Deshalb wurde mir die Maske wieder aufgesetzt und ich konnte mich entspannen. „Das hast du sehr gut gemacht. Wenn du möchtest, darfst du später nochmal selbst ran", schlug mir die Krankenschwester vor und ich nickte begeistert.
In den nächsten drei Tagen würde ich immer besser und schaffte es am dritten Tag den ganzen Tag ohne die Beatmung. Auch konnte ich endlich selbst mit meinen Geschwistern reden, die mir versprachen, mich bald abzuholen.
Weitere vier Tage später war es dann soweit. Ich durfte nach Hause beziehungsweise zu meinen Geschwistern. Davor wollte aber der Arzt noch mit mir und Kathy reden. So saßen wir in einem Behandlungszimmer und der Arzt erklärte uns die Ergebnisse der letzten Untersuchungen. „Paddy, du darfst zwar nach Hause, aber ich habe eine schlechte Nachricht für euch. Deine Lunge hat sich nicht vollständig erholt und wird es vermutlich auch nicht. Vor allem nachts und bei körperlicher Anstrengung kann deine Lunge zu wenig Sauerstoff aufnehmen. Das bedeutet, dass du in nächster Zeit immer wieder auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen sein wirst. Du wirst bald selbst merken, wann du Sauerstoff brauchst, denn dann bekommst du Kopfschmerzen. Nachts brauchst du den Sauerstoff auf jeden Fall und tagsüber nach bedarf. In drei Wochen musst du nochmal zu Untersuchungen kommen und dann wird weiter entschieden. Du bekommst jetzt mal alles mit, was du für die drei Wochen brauchst und ich zeige deiner Schwester, auf was ihr achten müsst. Und zum Schluss habe ich noch eine gute Nachricht für dich. Die Verletzung an deinem Rückenmark erholt sich langsam. Es kann also sehr gut sein, dass du bald zumindest ein bisschen Gefühl in den Beinen wieder bekommen wirst. Wenn es gut läuft, wirst du auch wieder stehen und laufen können. Dazu kann ich dir in drei Wochen auch mehr sagen", sagte er. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Da klang es auch gar nicht mehr so schlimm, dass ich noch Probleme mit meiner Lunge haben würde. Der Arzt erklärte Kathy jetzt noch ein paar medizinische Dinge und dann konnten wir zu den anderen. Barby warf sich mir sofort in die Arme. Ich drückte sie ganz fest an mich. Dann berichtete Kathy den anderen, was der Arzt gesagt hatte. Barby weinte sofort wieder. „Barby, beruhig dich, mir geht es doch viel besser als vor meinem Zusammenbruch ", flüsterte ich ihr zu. Sie nickte und wischte sich die Tränen ab. Nachdem Patricia meine Sachen noch zusammengepackt hatte und Joey die medizinischen Geräte abgeholt hatte, durfte ich endlich raus hier. Angelo schob mich nach draußen, weil ich doch noch ziemlich schwach war. Draußen schlug mir kalte Luft entgegen. Bald würde es wohl schneien. John hatte den Bus vor dem Krankenhaus geparkt und verfrachtete mich auch direkt nach drinnen. Er setzte mich gleich in meinen Sitz und schnallte mich an. Joey trug das Sauerstoffgerät direkt nach oben und Jimmy packte meinen Rollstuhl ein. Dann setzte sich Patricia ans Steuer und wir fuhren los zum nächsten Konzert. Endlich war ich wieder mit meinen Geschwistern unterwegs. Maite machte extra Pizza zum Abendessen und ich langte ordentlich zu. Zwar hatte ich im Krankenhaus einiges zugenommen, war aber immer noch ziemlich dünn. Nach dem Essen kamen wir bald in der nächsten Stadt an und Patricia setzte sich zu uns. Wir redeten und lachten noch eine Weile, dann brachte mich Joey ins Bett. Angelo und Maite kamen auch schon mit nach oben. „Paddy, ich mach dir gleich den Sauerstoff für heute Nacht an, Kathy hat mir vorher gezeigt, wie ich das Gerät einstellen muss", meinte Joey. „Mach das, aber erst muss ich mich noch umziehen", sagte ich und zog mein Oberteil aus. Bei der Hose half mir Angelo und Joey schloss mich dann an den Sauerstoff an. Das war nach wie vor angenehm für mich, aber ich hielt auch ganz gut ohne aus. „Angelo, kannst du mir noch eine Decke geben?", fragte ich meinen kleinen Bruder. Angelo nickte und deckte uns beide zu. So langsam wurde es richtig kalt im Bus, aber es war ja auch bereits Mitte Oktober und wir hatten keine Heizung. Angelo kuschelte sich an mich. „Ich bin so froh, dass du wieder da bist", flüsterte er und drückte mich fest. Sekunden später war er eingeschlafen und auch Maite schlief bereits tief und fest. Ich lag noch ein paar Minuten wach, schlief aber auch bald ein. Es tat einfach gut, in unserem Bus und mit Angelo im Arm einzuschlafen.
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Manchmal kommt alles anders
FanfictionDie Kelly Family tourt gerade durch Deutschland, als sich das Leben aller Mitglieder plötzlich verändert. Paddy rettet seiner Schwester das Leben, doch dies hat dramatische Folgen für ihn. Doch auch für die anderen Familienmitglieder verändert sich...
