Paddy
Ich hatte die ganze Nacht tief und fest geschlafen und fühlte mich schon viel besser. Allerdings hatte ich wie eigentlich immer morgens Kopfschmerzen, obwohl ich am Sauerstoff gewesen war. Woher das kam wusste ich nicht. Meine Geschwister wussten aber nichts von diesen Kopfschmerzen. Da kam aber auch schon Dr Verreet herein, um die Ergebnisse mit mir zu besprechen. Angelo kam gerade rechtzeitig aus dem Bad und setzte sich zu uns. „Dann befreie ich die jetzt erst mal von den Geräten, bevor wir uns die Ergebnisse anschauen", meinte Dr Verreet und machte die Kabel ab. Endlich fühlte ich mich wieder ein bisschen freier und Angelo richtete mein Bett auf. Dr Verreet setzte sich auf einen Stuhl und begann zu berichten. „Du atmest nachts sehr oft nicht. Teilweise hat es fast 10 Minuten gedauert, bis du wieder Luft geholt hast. Da müssen wir definitiv etwas unternehmen, so ist das viel zu gefährlich auf Dauer. Es kann nämlich auch sein, dass die Phasen in denen du nicht atmest, länger werden und das kann dazu führen, dass dein Gehirn auf Dauer geschädigt wird. Außerdem würde es dir dann tagsüber auch besser gehen, denn so ist der Schlaf für dich nicht wirklich erholsam, sondern eher anstrengend. Deshalb wirst du wohl nicht darum herumkommen, eine Beatmung für nachts zu brauchen. Ich weiß, dass das jetzt nicht so toll klingt, aber ich verspreche dir, dass es dir damit auch tagsüber besser gehen wird und du den Sauerstoff vielleicht auch nicht mehr so oft brauchen wirst. Und die Beatmung ist ja auch nicht für immer. Wir probieren das jetzt erstmal eine Weile und in ein paar Wochen schaue ich mir nochmal an, wie du nachts nur mit Sauerstoff atmest." Ich saß in meinem Bett und die Tränen liefen mir über das Gesicht. Angelo nahm mich sofort in den Arm und auch Dr Verreet streichelte mir über den Arm. So langsam wurde ich wieder ruhiger. „Sind dann die Kopfschmerzen morgens weg?", erkundigte ich mich und er nickte. Ich grübelte noch eine Weile, bis ich schließlich zustimmte. Dr Verreet wollte jetzt noch mit Kathy telefonieren und ihr das erzählen und Bescheid geben, dass wir in zwei Stunden abgeholt werden konnten. Dann bekam ich noch Anweisungen, wie ich mich wegen meinem Rücken in den nächsten Tagen verhalten sollte und einen neuen Termin, um meinen Rücken kontrollieren zu lassen. Anschließend kümmerte sich Dr Verreet noch darum, dass ich eine Maske bei der Beatmung bekam, die mir richtig passte und nicht drückte. Als dann das ganze Gerät im Zimmer stand, musste ich schon wieder weinen und war so froh, dass mich Angelo fest im Arm hielt. Er sagte gar nichts, sondern war einfach nur da und genau das brauchte ich jetzt auch.
So blieben wir liegen, bis es klopfte und John mit Dr Verreet hereinkam. Auch Patricia und Joey waren dabei. Dr Verreet hatte wohl gesagt, dass mehrere meiner Geschwister mitkommen sollten, damit er ihnen das Gerät für die Beatmung zeigen konnte. Schließlich sollten meine Geschwister mich ja daran anschließen können. Dr Verreet schob das Gerät ans Bett und ich musste mir die Maske aufsetzen. Dr Verreet zerrte noch an dem band, das die Maske hinter meinem Kopf hielt, damit es strammer saß. Dann zeigte er, wie das Gerät eingeschaltet wurde und auf was meine Geschwister achten müssen. Dr Verreet überprüfte nochmal, ob die Maske eng genug saß und dann durfte ich die Maske wieder abnehmen. Ich hasste das Teil jetzt schon, aber ich hoffte auch, dass es mir damit besser ging. „Da muss ich mir noch was einfallen lassen wegen dem Strom. Das Gerät braucht ja die ganze Nacht Strom", meinte Joey. Er grübelte eine Weile und schien dann eine Idee zu haben. „Ich gehe schonmal, ich muss einen Stromgenerator auftreiben", sagte Joey und weg war er. Wir anderen vereinbarten noch einen Termin mit Dr Verreet wegen meinem Rücken und einen in zwei Monaten, um nochmal zu kontrollieren, wie meine Lunge nachts arbeitete. Dann durfte ich gehen. John half mir dabei, mich umzuziehen und dann in den Rollstuhl. Angelo und John packten dann noch das Beatmungsgerät und alles andere zusammen und Patricia half mir beim anschieben. Draußen stand bereits ein Auto, mit dem meine Geschwister gekommen waren. Die anderen waren bereits mit dem Bus zum nächsten Konzert gefahren, das wir aber erst morgen geben würden. Angelo half mir auf den Beifahrersitz und stieg dann mit Patricia hinten ein. John fuhr sofort los, denn wir hatten drei Stunden fahrt vor uns, die ich mit vor mich hin starren verbrachte.
Als wir angekommen waren, war Joey noch nicht da. John brachte gleich das Gerät nach oben und Jimmy kam heraus, um mich nach drinnen zu tragen. In der Zwischenzeit tauchte auch Joey auf und baute schnell den Stromgenerator auf, an den er das Beatmungsgerät anschloss. Ich saß mit Barby unten am Tisch. „Paddy, willst du mit ins Kino? Wir haben ja heute noch Zeit", fragte mich da Jimmy. „Ja gerne", antwortete ich. Joey half mir dabei, mich umzuziehen und trug mich nach draußen. Wir drei wollten allein ins Kino gehen. Ich hatte das kleine sauerstoffgerät dabei und für den Weg zum Kino auch angeschaltet. Jimmy schob mich. Am Kino organisierte Joey für uns Plätze am Rand, damit ich es einfacher hatte, mich auf einen Sitz zu setzen. Währenddessen holten Jimmy und ich Popcorn und Getränke. Dann gingen wir in den Kinosaal. Joey hatte zwar Plätze am Rand für uns, aber er hatte nicht bedacht, dass es ein paar Stufen nach unten ging, bis wir bei unserer Reihe ankamen. Ihm war das ziemlich peinlich, aber Jimmy rettete die Situation, indem er kommentarlos Popcorn und Getränke zu unseren Plätzen brachte und dann wieder zu uns kam. Er ging vor mir in die Hocke und ich schlag meine Arme um seinen Hals. Joey schob den Rollstuhl an die Seite und nahm dann das sauerstoffgerät in die Hand. Er folgte uns. An unseren Plätzen setzte mich Jimmy auf den Sitz am Gang. Meine Brüder kletterten über mich drüber und setzten sich ebenfalls. Da ich ja jetzt mindestens eineinhalb Stunden ruhig sitzen würde, drehte ich den Sauerstoff fast ganz aus und Jimmy gab mir mein Popcorn. Dann fing auch schon der Film an und ich bekam nichts mehr um mich herum mit.
DU LIEST GERADE
Manchmal kommt alles anders
FanfictionDie Kelly Family tourt gerade durch Deutschland, als sich das Leben aller Mitglieder plötzlich verändert. Paddy rettet seiner Schwester das Leben, doch dies hat dramatische Folgen für ihn. Doch auch für die anderen Familienmitglieder verändert sich...
