Paddy
Ich hatte immer noch nicht wirklich verarbeitet, dass ich die Berührung von John wirklich gespürt hatte. Ich war auch total gespannt, was der Arzt sagen würde. „Paddy, sollen wir in den Speisesaal zum Essen?", riss mich Angelo aus meinen Gedanken. Ich nickte und stemmte mich hoch. Dabei merkte ich, dass ich bereits seit ein paar Minuten ohne Sauerstoff dagelegen hatte. Aber jetzt entschloss ich mich dazu, doch an den Sauerstoff zu gehen, einfach zur Sicherheit, wenn wir die Suite verließen. Angelo half mir beim Transfer in den Rollstuhl, weil mein Rücken noch immer ziemlich wehtat und ich nahm noch schnell das kleinere sauerstoffgerät und schob mir den Schlauch in die Nase. Ich drehte den Sauerstoff noch ein bisschen runter und Barby zog mir noch meine Schuhe an. Dann verließen wir alle zusammen die Suite und machten uns mit dem Aufzug auf den Weg zum Speisesaal. Angelo unterstützte mich beim anschieben. Im Speisesaal war fast niemand und wir konnten drei Tische zusammenschieben, um alle zusammen zu sitzen. „Paddy, willst du dir selbst was am Büfett holen oder sollen wir dir was mitbringen?", erkundigte sich Patricia. „Ich komme mit. Jemand muss halt meinen Teller tragen oder mich schieben", antwortete ich und stieß mich am Tisch ab. Am Büfett blieb Angelo an meiner Seite und trug meinen Teller. Mit gut gefüllten Tellern kamen wir zurück zu unserem Tisch, an dem Barby und Kathy gewartet hatten, bis wir zurückkamen. Ich blieb am tisch und Angelo holte mir noch Kaffee und für sich eine heiße schokolade. Barby und Kathy gingen schon und ließen mich kurz allein, bis John und Vincent mit Sean zurückkamen. Nach und nach kamen auch die anderen zurück und wir aßen. Wie immer verlief das Essen ziemlich chaotisch und lustig, aber wir hatten nicht so viel Zeit, weil John und ich bald losfahren mussten. Kathy hatte uns bereits ein Auto organisiert.
Nachdem John und ich fertig waren, machten wir uns direkt auf den Weg. Am Auto half mir John auf den Beifahrersitz und ich sortierte erstmal meine Beine und den sauerstoffschlauch. John verstaute solange meinen Rollstuhl und stieg dann ebenfalls ein. Er fuhr los und ich drückte am Radio herum. Aber einen vernünftigen Sender fand ich nicht. Je näher wir dem Krankenhaus kamen, desto nervöser wurde ich. „Johnny, wie heißt eigentlich der Arzt?", fiel mir plötzlich ein. „Dr. Verreet", antwortete er. Danach herrschte wieder schweigen, bis wir am Krankenhaus ankamen. Dort half mir John wieder in den Rollstuhl und schob mich nach drinnen, denn ich wollte nicht völlig außer Atem ankommen. Wir gingen direkt in das Behandlungszimmer von Dr. Verreet. Dort mussten wir noch kurz warten. Als Dr. Verreet hereinkam, lächelte er. „Patrick, deine Schwester hat mir erzählt, dass du eine Berührung gespürt hast", begann er und ich nickte. „Ich möchte, dass du mir die stellen zeigst und danach möchte ich mir deine Wirbelsäule noch genauer anschauen", erklärte er und ich nickte wieder. Ich musste mich auf eine liege legen und John zeigte, wo ich die Berührungen gespürt hatte. Dr. Verreet sagte nichts dazu und tastete meine Beine weiter ab. „Jetzt möchte ich ein Röntgenbild von deinem Rücken machen und danach noch ein Ultraschall. Du kannst liegen bleiben, du musst dich nur auf den Bauch drehen", informierte er mich und John half mir dabei, mich zu drehen. Dann wurde ich auf der liege in einen anderen Raum geschoben, wo das Röntgenbild gemacht wurde. Danach brachte mich eine Krankenschwester wieder in das Behandlungszimmer, wo sich Dr. Verreet bereits das Bild anschaute. Er sagte aber nichts dazu, sondern begann gleich mit dem Ultraschall. Zuerst merkte ich davon nichts, aber plötzlich wurde es an einer Stelle an meinem Rücken ganz kalt und ich zuckte erschrocken zusammen. „Paddy, was ist?", fragte John sofort besorgt. „Das ist kalt", antwortete ich. „Das ist sehr gut, du scheinst auch am Rücken ein bisschen Gefühl zurückzubekommen. Mir gefällt auch deine Wirbelsäule sehr gut. Dein Rückenmark hat aber zu wenig Platz, weil ein Kanal zu eng ist. Deshalb würde ich dich gerne operieren. Wenn der Kanal im Rückenmark weiter ist, wird die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass du wieder laufen kannst, zumindest ein bisschen. Die Operation würde auch nicht lange dauern und du müsstest nur eine Nacht hierbleiben. Am besten überlegst du dir das gemeinsam mit deinen Geschwister nochmal und ihr teilt mir dann eure Entscheidung mit. Jetzt möchte ich noch deine Lunge untersuchen", erklärte der Arzt. Ich war ziemlich überfordert mit den Infos und musste erst nochmal in Ruhe darüber nachdenken und mit meinen Geschwistern darüber reden. Jetzt musste ich mich wieder umdrehen und meine Lunge wurde abgehört. Danach musste ich eine Weile ohne Sauerstoff warten und wurde dann nochmal abgehört. „Ich möchte, dass du bald, egal ob du dich operieren lässt oder nicht, eine Nacht hier verbringst. So gefällt es mir ganz gut mit deiner Lunge, aber ich möchte wissen, wie es nachts aussieht und ob du immer noch aufhörst, im Schlaf zu atmen", erklärte Dr. Verreet dann. „Dir muss übrigens bewusst sein, dass deine Lunge nie wieder völlig gesund wird. Vermutlich wirst du dein Leben lang immer wieder auf den Sauerstoff angewiesen sein, es kann aber auch sein, dass du zeitweise gar keinen mehr brauchst. Aber das wird sich erst mit der Zeit zeigen." Ich nickte wieder. Das war alles ziemlich viel auf einmal, was mir hier so erzählt wurde. Doch zum Glück war ich dann fertig und durfte wieder in meinen Rollstuhl. Dr. Verreet gab uns noch frische Schläuche für die sauerstoffgeräte mit und dann durften wir das Krankenhaus wieder verlassen. John schob mich zum Auto und wir fuhren zu den anderen zurück. Wir würden sogar rechtzeitig für das zweite Konzert heute ankommen, auch wenn ich noch nicht wusste, ob ich es mitmachen konnte oder ob ich noch Ruhe brauchte. Das würde ich aber erst kurz vor dem Konzert spontan entscheiden.
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Manchmal kommt alles anders
FanfictionDie Kelly Family tourt gerade durch Deutschland, als sich das Leben aller Mitglieder plötzlich verändert. Paddy rettet seiner Schwester das Leben, doch dies hat dramatische Folgen für ihn. Doch auch für die anderen Familienmitglieder verändert sich...
