Paddy
Kathy ging mit mir nach oben, damit ich die Nahrung über die Sonde bekommen konnte. Ich wollte nicht, dass Lisa das sah. Dazu kannten wir uns noch nicht lang genug und ich wollte sie auch nicht überfordern. Es hatte gereicht, dass sie mich an der Beatmung gesehen und mitbekommen hatte, dass ich mir regelmäßig einen Katheter legen musste. Kathy verstand zum Glück, was mein Problem war. Oben setzte ich mich aufs Bett und zog mein Oberteil nach oben. Kathy gab mir ganz langsam 8 Spritzen Nahrung und reinigte danach die Sonde. Kurz wurde mir wieder übel, das verging aber schnell wieder und ich konnte nach unten zu den anderen zurück. Unten setzte ich mich mit Angelos Hilfe auf meinen Sitz. „Paddy, willst du noch dein Stück Kuchen aufessen?", fragte mich Johnny. „Im Moment nicht, aber vielleicht später", antwortete ich und John nickte. Er stellte den Teller beiseite und das Thema war erledigt. Die anderen aßen ihre Brote auf, bevor wir wieder nach draußen mussten. „Lisa, kommst du wieder am Ende auf die Bühne?", wollte ich von meiner Freundin wissen. „Klar, jetzt weiß ich ja, was du vorhast", lachte sie und gab mir einen Kuss auf die Wange. Ich strahlte sie an. „Aber ich muss nach dem Konzert wieder gehen. Ich muss morgen wieder in die Schule", meinte Lisa dann traurig. Ich strich ihr über die Haare. „Aber wir sehen uns doch bestimmt bald wieder?" „Ja natürlich, ich komme auf jeden Fall bald wieder mal zu euch, wenn ihr nicht zu weit weg seid", meinte Lisa und ich gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann mussten wir auch schon nach draußen für das nächste Konzert. Lisa schob mich zur Bühne, während ich mir den Schlauch für den Sauerstoff in die Nase schob. An der Bühne stellte sich Lisa wieder an den Rand und ich sah eigentlich das ganze Konzert nur zu ihr, anstatt ins Publikum, bevor sie zum Schluss auf die Bühne kam.
Nach dem Konzert war es dann soweit und ich musste mich von Lisa verabschieden. Der Abschied war wieder mit sehr vielen Tränen verbunden, bevor John Lisa zum Bahnhof brachte. Ich merkte jetzt, dass mich die beiden Konzerte doch sehr angestrengt hatten und ich jetzt die Beatmung brauchte. Patricia schloss mich daran an und gab mir noch zwei Spritzen Wasser, wie es in dem Plan stand, den Dr Verreet geschrieben hatte. Angelo und Maite saßen mit mir am Tisch und spielten mit mir Karten. Die Ablenkung tat gut, sonst hätte ich die ganze Zeit an Lisa gedacht und wäre traurig gewesen. „Paddy, würdest du denn heute Abend was essen, wenn ich Erbsensuppe mache?", wollte Maite irgendwann wissen. Ich nahm meinen Block und schrieb die Antwort darauf. „Ja, vielleicht ein bisschen was." Maite strahlte mich an. Wir spielten noch eine Weile weiter, inzwischen zu viert, weil sich Barby auch zu uns gesetzt hatte, bevor wir unser letztes Konzert für heute spielten.
Danach war ich dann wieder ziemlich erledigt und atmete auch sehr schwer. Auf dem Weg zurück zum Bus merkte ich, wie meine Lunge wieder enger wurde und ich husten mussten. „Joey, warte mal kurz", keuchte ich. Mein großer Bruder bremste den Rollstuhl sofort ab und ging vor mir in die Knie. Ich versuchte, ihm zu sagen, dass ich wohl das Spray für den Notfall brauchte, bekam aber kein Wort heraus. Stattdessen hustete ich wieder heftig und merkte, dass ich so langsam panisch wurde. Joey strich mir kurz über die Haare. „Paddy, ich glaube das ist jetzt ein Notfall", sagte Joey, während er die Decke von meinen Beinen zog. Dann griff er in meine Hosentasche und zog das Spray heraus. Er half mir auch dabei, das Medikament zu inhalieren und langsam merkte ich, wie mein Atem wieder ruhiger wurde und das pfeifen verschwand. „Danke Joey", murmelte ich leise. „Paddy, du musst versuchen, nächstes mal ganz ruhig zu bleiben, wenn du zu wenig Luft bekommst. Ich weiß, das ist nicht einfach, aber wenn du panisch wirst, wird es nur schlimmer", meinte Joey. „Ich versuche es, aber es ist schrecklich, wenn man plötzlich keine Luft mehr bekommt", antwortete ich. Joey strich mir sanft über den Kopf. Dann wickelte er mir die Decke wieder um die Beine und schob mich zum Bus. Dort stand Maite bereits am Herd und Joey setzte mich an den Tisch. „Joey, ich brauche vor dem Essen nochmal ein bisschen die Beatmung", meinte ich und mein großer Bruder schloss mich sofort daran an. Ich entspannte mich langsam und sah Maite beim kochen zu. Nach und nach kamen auch die anderen zu uns und schließlich stellte Maite den Topf mit der Suppe auf den Tisch. Barby nahm mir die Beatmung ab. „Ich mag ein bisschen was essen", informierte ich Kathy, die bereits die Sondennahrung geholt hatte. Kathy schaute kurz überrascht, sagte aber nichts. Maite schöpfte mir eine kleine Portion, die ich fast ganz schaffte. Danach aß ich noch ein paar Krümel von meinem Stück Kuchen vom Morgen. „Kathy, jetzt mag ich nichts mehr essen", wandte ich mich dann an meine große Schwester. Sie nickte und legte ihren Löffel weg. Kathy begann, mir die Nahrung zu geben. Da fiel mir auf, dass sie dann nicht essen konnte. „Kathy, ich mag probieren, ob ich das hinbekomme, mir die Nahrung selbst zu geben. Dann kannst du auch essen", sagte ich kurzentschlossen. Kathy füllte die Spritze nochmal und zeigte mir dann, wie ich sie halten musste. „So kannst du auch selbst entscheiden, wie schnell du die Nahrung haben willst, ohne dass dir übel wird", meinte Patricia. Ich nickte und drückte ganz langsam die Nahrung durch den Schlauch. Nach einer weiteren Spritze voll würde ich mutiger und drückte die Nahrung schneller durch den Schlauch. Ich merkte schnell, wann ich zu schnell wurde und drückte wieder langsamer. So schaffte ich es dann, die 6 Spritzen mir allein zu geben. „Kathy, das mit dem Wasser traue ich mir aber noch nicht zu", sagte ich dann. Das war für Kathy kein Problem und sie reinigte die Sonde für mich. „Paddy, bleibst du heute noch ein bisschen mit uns hier unten sitzen?", fragte mich Jimmy, als alle fertig waren mit essen. „Ja kann ich", antwortete ich. Die Mädels gingen bis auf Kathy nach oben, die heute den Bus fuhr. Sie ließ mir noch die Sondennahrung für die Nacht da. Dann jagte sie Angelo noch nach oben, dem es nicht so wirklich passte, dass er ins Bett musste.
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Manchmal kommt alles anders
FanfictionDie Kelly Family tourt gerade durch Deutschland, als sich das Leben aller Mitglieder plötzlich verändert. Paddy rettet seiner Schwester das Leben, doch dies hat dramatische Folgen für ihn. Doch auch für die anderen Familienmitglieder verändert sich...
