Kapitel 39

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Katelyn Sanchano

Mein Bauch schmerzte höllisch seit dem Vorfall, doch ich versuchte es krampfhaft mir anmerken zu lassen. Ramon wollte ich nicht vollheulen mit den Schmerzen die ich hatte. Bestimmt würde es ihn auch kalt lassen. Immerhin hat er mir auch schon selbst welche zugefügt.

Es stimmt zwar, dass er auf der Veranstaltung nett zu mir war, normal mit mir gesprochen hatte und sogar etwas über seine Kindheit erzählt hatte und auch noch dabei gelacht hat. GELACHT?!

Noch nie hatte ich weder ihn noch Viktor so oft lachen gesehen, wie in diesen Tagen. Oder überhaupt lachen gesehen. Es war schon komisch. Keine Ahnung was in die beiden gefahren ist, aber es gefiel mir auch. Selbst, wenn ich bei der Sache ein Wenig unruhig war. Vielleicht war das nur eine vergängliche Sache. Etwas, was mich vor dem bevor stehende ein bisschen ablenkt. Bei meinem Glück, würde ich auch im Anwesen wieder von ihm geschlagen oder aus Foltergründen eingesperrt werden. Die Lage mit ihm war eher mit Vorsicht zu genießen.

Schwer atmend stand ich gedankenverloren vor der Autotür und wartete geduldig darauf, dass Ramon es aufsperrte. Er sperrte auf, als er neben mir zum stehen kam.

Ich stieg vorsichtig ein, darauf bedacht, meinen Bauch nicht zu sehr zu verbiegen. Steif schnallte ich mich an und sah stur gerade aus. Betrachtete die Sträucher und die letzten Wägen, die sich noch auf dem Hof befanden. Alles nur, um mich von den Schmerzen, die meinen Körper durchzogen, abzulenken.

Ich hörte, wie Ramon sein Jackett auf die Rücksitzbank hinter mir legte und dann auf die Fahrerseite lief. Er ließ sich auf den Sitz gleiten, startete den Motor, tippte noch kurz auf seinem Handy rum, bis er losfuhr.

"Ich hab Ivar bescheid gesagt, dass er uns verarzten muss.", erklärt er, was ich nur mit einem kurzen Kopfnicken quittierte.

Wieder kehrte Ruhe in dem Wagen ein, was dafür sorgte, dass ich wieder in Gedanken versinken konnte, was ich keinesfalls wollte.

Denn dann fielen mir wieder die Geräusche ein, als der Flur neben mir in sich zusammen brach oder der Knall, der ertönte, als dieser Warnsinnige uns angeschossen hatte.

Bei diesen Erinnerungen blitzten mir wieder die Bilder von dieser Situation auf, die mir die Nackenhaare stellten. Dabei tauchten vor meinem inneren Auge Bilder auf, die ich schon so lange versuchte zu vergessen.

Die Bilder, wie das Blut aus der Wunde floss und den weißen Boden färbte. Wie ein stechender Schmerz meinen Körper durchzog, der bei weitem schlimmer war, als die jetzigen an meinem Bauch. Oder wie ich nur das Geschrei der Anderen nur noch dumpf wahr nahm, bevor mein gesamter Körper taub war.

"Du kannst auch Musik anmachen.", bot Ramon an und riss mich dabei aus meinen Gedanken.

"Hm?", fragte ich neben der Spur nach, als ich fragend zu ihm rüber sah.

"Weil es so ruhig ist.", deutete er auf das Radio. "Kannst du Musik anmachen."

"Oh, ach so.", beugte ich mich schon ein Stück vor, um an das Radio zu kommen.

Unsicher strich ich auf dem Display des Modernen Radios herum, da ich bei Ramon sehr vorsichtig war.

"Spotify?", fragte ich kleinlaut nach, da ich nicht wirklich wusste, ob er normales Radio hören wollte.

"Ja, ja. Im Radio kommt nur Scheiße, die sich so anhören, als würde man damit versuchen, Depressiven Sterbehilfe leisten wollen.", kurz musste ich darüber schmunzeln. Man hätte es auch deutlich netter ausdrücken können, aber Ramon konnte ja nicht.

Ich tippte auf das Spotify logo und wartete kurz ab, bis er mir sagte, was ich als nächstes machen durfte.

"Such dir eine von den Playlisten aus. Ich überlass dir die Wahl.", meinte er gelassen, nachdem er mein zögern gesehen hatte.

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