Javier war den restlichen Abend still und geistesabwesend. Das wunderte mich keineswegs. Nicht jeden Tag erzählt dir jemand, dass er wegen seines Stiefbruders in Gefangenschaft der Mafia war. Es störte mich auch keines falls, nicht die Aufmerksamkeit von Javier zu bekommen, lediglich, dass er die ganze Zeit auf meinen Unterarm schaute, den ich vor dem Essen wieder zugebunden und unter meinem Pullover versteckt hatte.
Wir waren gerade in meinem neuen Zimmer und ich begann die wichtigsten Kisten als erstes auszuräumen, während Javier nur auf meinem Bett saß und nachdenklich mir zusah. Ich konnte ganz genau erkennen, dass ihn etwas beschäftigte. Das tat es zwar bereits die ganze Zeit, aber jetzt war es anders. Er wollte etwas fragen oder los werden.
Ich schaute es mir noch kurz an, bis mir dieser stechende Blick auf mir wirklich störte.
"Was ist?", fragte ich genervt seufzend und warf kurzerhand mein Oberteil wieder zurück in die Kiste, anstatt es gleich in eins der Fächer in meinem Schrank zu stopfen.
Javier schaute mich mir zum ersten Mal seit Stunden wieder völlig anwesend entgegen und richtete sich in seinem Schneidersitz wieder ordentlich auf, als er bemerkte, was ich meinte.
Kurz räusperte er sich. "Ja, genau. Ähm... Was- Also was für- ähm... Aufträge musstest du- also solltest du für Ramon machen.", stotterte er unsicher vor sich hin und spielte nervös an dem Saum seines T-Shirts.
Geschockt sah ich ihn an und konnte nicht fassen, dass er mir diese Frage gerade wirklich fragte. Doch mein Blick verunsicherte ihn nur noch mehr wobei er sich mit seinen Vorderzähnen nervös auf die Unterlippe biss und die Augen ein bisschen schloss.
"Nein, Javier. Ich habe nicht so eine Art Aufträge gemacht. Ich sollte sein Haus aufräumen und eben putzen und ihn nicht befriedigen, so wie du es denkst. Außerdem wäre ich gar nicht sein Typ.", flüsterte ich den letzten Satz leise zu mir, wobei mir wieder die Worte von Cloe und ihren netten Freundinnen eingefallen war.
'Die ist klein, hat zu große Kurven und hässliche Haare'
Es verletzte mich nicht, dass Ramon mich bestimmt nicht haben wollen würde, sondern eher, dass mich andere Personen genau so sahen und sich bei meinem Anblick genau das selbe dachten.
Ein wenig niedergeschlagen begann ich wieder meine Klamotten in den Schrank zu räumen, als ich ein erleichtertes ausatmen von Javier neben mir hörte.
"Puh, Gott sei dank. Diesen Bastard hätte ich dann nämlich höchstpersönlich in tausend Teile gerissen.", bei dieser Aussage musste ich schmunzelnd die Augen verdrehen.
Javier würde das niemals wieder sagen, würde Ramon ein mal direkt vor ihm stehen. Dieses Monster ist bestimmt über 1,90 groß, während Javier gerade noch die 1,80 geschafft hatte. Zudem hatte Ramon mehr Muskeln und war deshalb auch zu hundert Prozent stärker als ein Stier, während Javier leider Gottes so schwach war, wie eine Miezekatze.
Wir hakten das Thema für den restlichen Tag ab und gingen beide in unseren Zimmern schlafen.
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Am morgen gingen Carmen und Gabriella zu den Nachbarn, weil meine Tante mit der Nachbarin befreundet war und meine kleine Cousine total in den Sohn der Freundin verschossen war. Francesco musste arbeiten gehen und Alejandro ist zu seiner Freundin in einem neben Ort der Stadt gefahren.
Javier und ich waren alleine daheim und langweilten uns zu Tode, als plötzlich meinem Cousin eine andere Idee kam, als die Fernsehkomödie neu einzuordnen.
"Lass uns in die Stadt gehen.", schlug Javier total begeistert vor, doch ich ließ mich nur wieder auf die Couch fallen.
"Ach komm, Nervensäge. Wird bestimmt lustig.", versuchte er mich weiterhin zu überreden und zog an meinem Arm, der vom Sofa hing. Ich ließ ein Grummeln ab und zog meine Arme wieder an meinen Körper.
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You saved me
RomanceEin einfaches Mädchen wird eines Tages von Anhängern der Mafia entführt und sollte eigentlich für Geld wieder zurück gehen. Aber was ist, wenn die falsche Person entführt wurde? Textausschnitt: „Pack deine Sachen!", befahl er ruhig aber trotzdem so...
