Sicht von Cassy...
Die vorletzte Minute des Spieles bricht an, als das vierte Tor geschossen wird. Und das ist mein zweites in diesem Spiel. Als der Ball im Tor lande, springe ich einen Moment in die Höhe und laufe danach an den Rand, wobei mir meine anderen Mitspielerinnen in den Weg kommen und sich ebenfalls darüber freuen. Auch wenn wir sowieso dieses Spiel gewonnen hätten, wir sind ein Team, was zusammenhält.
Von Annika und Franke werde ich einen Moment aufgehalten. Neben mir sind das die beiden anderen Stürmer im Team, die gerade auf dem Feld stehen.
Annika: Sehr gut Cassy!"
Franka: Bünde hatte noch nie eine Chance gegen uns!"
Für einen kurzen Moment können wir lachen, da danach noch die letzten Minuten gespielt werden. Wir haben schon einige Spiele gegen Bünde geführt und die meisten davon gewonnen. Der Ausgang des Spieles war daher für einige schon klar, aber niemals darf man sich bei solchen Sachen sicher sein. Der Ball geht an die gegnerische Mannschaft und im Grunde sind die letzten Spielzüge nur dafür da, damit die Zeit verstreichen kann. Drei Tore bekommen sie nicht mehr aufgeholt und um es ehrlich zu sagen, sie haben nicht ein einziges mehr aufholen können. So gehen wir nach diesem Spiel auch als Gewinner vom Platz und in die Umkleidekabinen, nachdem wir als Mannschaft für einen Moment mit unserem Trainer zusammen gekommen sind.In der Mannschaft bin ich eine der jüngsten. Im Januar werde ich 19 Jahre alt und bin gerade so in die U23 gekommen. Vorher war ich bei der U17 für eine kurze Zeit. Mit dem Spielen habe ich allgemein erst vor wenigen Jahren angefangen, aber niemals hatte ich das Gefühl, als würde ich nicht dazu gehören. Die Mädels hier haben mich immer gut aufgenommen, mich schnell in ihr Team integriert und mich zum festen Teil gemacht. Auch wenn wir nicht wirklich befreundet sind, uns nachmittags treffen, ich würde sagen, dass wir einander schon ausstehen können.
Ich ziehe mir gerade meine Lederjacke über und packe die letzten Sachen in meine Tasche, als mir Franka eine Hand auf die Schulter legt.
Franka: Sehen wir uns heute Abend im Sporthaus? Wir wollen ein bisschen was trinken. Keine Sorge, haben auch etwas ohne Alkohol."
Darüber muss ich etwas lachen. Als jemand, der tendenziell eher aus einer Gemeinde kommt, wo es fast normal ist, dass man trinkt, haben sie es sehr locker aufgenommen, als ich sagen musste, dass ich nicht dazu gehöre.
Cassy: Das klingt sehr gut, aber leider passt es mir heute nicht, sorry."
Franka: Kein Ding. Manchmal gehen Freunde, Familie oder sowas vor."
Oder der Kater geht vor. In den letzten Jahren konnte ich mein erzwungenes Lächeln immer mehr perfektionieren, sodass es mir mittlerweile jeder abkauft. Ausnahme dürfte Bolin sein, weil er mich halt besser kennt als irgendjemand anderes. Niemand kennt mich so gut, wie mein bester Freund.
Franka: Nächstes Mal bist du wieder dabei?"
Cassy: Sicher. Ich muss jetzt aber auch los. Feiert schön und schickt mir einen Snap. Ich sehe ihn ja in der Gruppe."
Annika: Wird gemacht!"Annika war immer die ausgefallene der Gruppe, die immer etwas zu sagen hat und generell zu aufgedreht wirkt. Aber dafür kann sie einen auch immer zum Lachen bringen. Zuletzt nehme ich meine Tasche, setze sie mir auf den Rücken und schaue nochmal, dass ich auch wirklich alles mitgenommen habe.
Cassy: Wir sehen uns Donnerstag beim Training."
Franka: Vergiss nicht, dass wir ab dann in der Halle sind. Nimm die richtigen Schuhe mit."
Cassy: Vergesse ich schon nicht. Spätestens einen Tag vorher fragt Annika doch sowieso wieder nach, welche Schuhe sie braucht."
Annika: Stimmt überhaupt nicht, Cassy!"Bevor sie ihre Mütze nach mir schmeißen kann, ducke ich mich und gehe Richtung Tür, damit ich danach die Kabine verlassen und mich auf den Weg nach Hause machen kann. Dabei setze ich mir wieder meine Kopfhörer auf, starte eine Playlist und krame aus meiner Jackentasche meine Packung Zigaretten, damit ich mir eine Anzünden kann. Den Rauch würde man fast gar nicht sehen, da es sowieso so kalt geworden ist, dass mein Atem genauso aussieht. Bis nach Hause ist es nicht weit, aber einen kleinen Umweg muss ich nehmen, damit ich noch zum Blumenladen komme.
Sonderlich hell ist es nicht mehr, aber den Weg kenne ich mittlerweile zu gut. Zuerst den Weg runter, danach zweimal nach rechts und dann über die Kreuzung. In der kleinen Seitengasse ist der schnucklige Laden, den man fast immer übersehen könnte, dabei gibt es dort die schönsten Sträuße, Gefäße und Blumen zu kaufen. Die Glocke läutet, als ich durch die Tür gehe und die ältere Dame schaut danach von ihrem Strauß hoch, den sie gerade noch bindet. Ich muss nicht mal etwas sagen, da sie mich bereits erkennt und weiß, wer ich bin. Jedes Jahr gebe ich die gleiche Bestellung auf. Einen Strauß mit Tulpen, in dem sie noch etwas Grün steckt, damit es stimmig aussieht. Den packt sie mir ein, sodass ich sie vorsichtig mit in die Tasche packen, zahlen und danach den Laden wieder verlassen kann. Danach sind es nur noch wenige Straßen, bis ich endlich zu Hause ankomme.
Die Tür fällt hinter mir ins Schloss, meine Tasche stelle ich auf den Boden und aus der Küche kommt in den Moment mein Kater gelaufen.
Cassy: Stitch!"
Auch wenn er einen Moment an der Tasche stehenbleibt, er kommt danach zu mir, damit ich ihn kurz auf den Arm nehmen kann. Er ist so schön warm und flauschig. Sein orange getigertes Fell leuchtet etwas in diesem Haus, was kaum Farbe hat. Vielleicht kommt es auch mir einfach immer nur so unfassbar grau vor. Mit seinen Pfoten zeigt er mir irgendwann, dass er runtergelassen werden will. Dabei drückt er diese gegen meine Schultern und ich setze ihn wieder auf den Boden ab.
Cassy: Heute Abend musst du aber bei mir bleiben und dann kommst du nicht so schnell aus den Streicheleinheiten raus, mein Lieber."
Nicht sonderlich beeindruckt sitzt er neben meiner Tasche und putzt seine Pfote. Meine Lederjacke finde ihren Weg an den Haken und danach gehe ich kurz in die Küche, damit ich schauen kann, was es zum Abendessen geben könnte.Am Ende, als ich sehen musste, dass ich hätte einkaufen gehen müssen, bestelle ich mir eine Pizza und gehe in der Zeit schnell duschen. Ich fühle mich wieder wohl in meiner Haut und mein Essen ist da, sodass der Filmeabend mit Stitch beginnen kann...
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Nameless to You
Fanfiction»Es heißt immer, dass alles im Leben einen bestimmten Grund hat, aber manchmal würde ich diesen nur zu gerne wissen!« Ein anfangs normaler Herbsttag im November zerstört in diesem Fall eine gesamte Familie und keine erbrachte Mühe scheint das Ausmaß...