Die Schüssel mit Chips, die bis eben neben mir stand, ist am Ende der Sendung leer. Ich schalte etwas durch die Programme, wobei heute irgendwie nichts gutes im Fernsehen laufen will. Neben mir liegt Stitch, der auch zum Fernseher hin schaut und darauf wartet, dass ich irgendeine Sendung anlasse. Schlussendlich bleibe ich bei VOX, da dort gerade noch einige Folgen »Medical Detectives« laufen.
Während Stitch verfolgt, wie der Mord an der jungen Frau verübt wurde, stelle ich meine Schüssel auf den Schreibtisch und räume die Schulsachen auch wieder in die dafür vorgesehenen Regale. Ich saß den Tag heute nur vor den Aufgaben und habe mich dann doch mal motiviert, dass ich ein paar Sachen zusammen gefasst bekomme. Die anderen nerven mich schon immer wieder, dass man damit mal anfangen sollte. Dann wollte Stitch, dass ich mit ihm spiele oder ihm generell Aufmerksamkeit gebe und am Abend war ich nur für einen Moment draußen unterwegs. Kein besonderer Samstag, aber auch nichts, was nicht in mein Leben passen würde. Morgen kommt Chris wieder und es ist seltsam, dass sich Velory und so nicht gemeldet hatten. Ich habe die gesamte Woche bereits darüber nachgedacht, weil wir uns sonst immer am Samstag oder Freitag treffen. Aber diese Woche kam nichts von denen. Heißt aber auch, da Velory nicht mehr zur Schule geht, dass ich sie diese Woche nicht gesehen habe.
Vom Nachttisch, da es laden musste, nehme ich mein Handy und schreibe eine WhatsApp an meine Freundin. Eventuell gibt es Gründe oder sie hat morgen mal Zeit, dass wir uns nochmal sehen.
Cassy: Habt ihr euch diese Woche gar nicht getroffen?
Normalerweise antwortet sie immer sehr schnell und definitiv ist sie noch wach. Sie ist am Wochenende immer unterwegs, geht feiern und trinken. Eigentlich müsste sie sich daher auch nicht wundern, dass sie immer knapp bei Kasse ist. Minuten verstreichen, wo sie mich nicht beachtet oder ignoriert. Was braucht die heute so lange!?
Velory: Haben wir doch gesagt, dass es nicht passt, Cassy.
Cassy: Ist ja okay, wollte nur fragen. Bist du unterwegs?
Velory: Warum fragst du das?
Cassy: Weil du so dürftig antwortest und unfassbar genervt wirkst.
Velory: Ja, ich bin noch unterwegs. Habe das zu Hause nicht ausgehalten.
Cassy: Allein?"
Velory: Cassy! Ich habe dir schon tausend Mal gesagt, dass du nicht so neugierig oder eifersüchtig sein sollst!Ich habe nur gefragt. Ich wurde einfach schon öfter für was anders, für etwas Besseres, zurück gelassen, dass ich einfach Angst davor habe, es passiert immer und immer wieder. Ich weiß selbst, dass ich dadurch aber auch anstrengend sein kann, aber ich kann es nicht anders. Sie kennen dich nicht, müssen es nicht verstehen. Du bist genug, wirst geliebt und wirst gesehen. Du kannst nichts dafür.
Von ihr kommt keine Nachricht und es würde auch keine kommen. Velory sieht die Schuld nicht bei sich selbst, da sie auch nicht bei ihr liegt. Ich war schon immer das Problem.
Cassy: Hast du morgen Zeit? Wollen wir zusammen ins Kino gehen oder so?
Velory: Welcher Film denn?
Cassy: Momentum läuft noch. Wie wäre es damit?
Velory: Meinetwegen, der soll ganz gut sein. Kümmerst du dich um die Karten und sagst mir, wann ich da sein soll?
Cassy: Du hattest mir das Geld für die letzten Male auch noch nicht zurück gegeben.
Velory: Sorry, voll vergessen.
Cassy: Egal, sei morgen um 14 Uhr einfach da. Dann sind wir rechtzeitig bei einer Vorstellung, okay?
Eine Antwort darauf bekam ich erst am nächsten Morgen, weil sie scheinbar wichtigeres zu tun hatte, als mir auf diese Frage ein »okay« zu antworten.Da warte ich vor dem Kino in Herford und schaue immer wieder auf mein Handy. Zum einen, damit ich die Uhrzeit sehen kann und zum anderen, weil Velory noch immer nicht hier ist. So typisch für sie! In den letzten Wochen hat sie mich immer und immer wieder versetzt, weil ihr etwas dazwischen gekommen ist. Ich bitte um ein Treffen, zwei verdammte Stunden, aber scheinbar bin ich ihr das nicht mal wert. Das Gefühl solltest du doch eigentlich zu gut kennen, Cassy. So war es bereits immer.
Endlich sehe ich sie, wie sie um die Ecke kommt. Dabei beachtet sie mich nicht. Velory hängt an ihrem Handy, tippt irgendwas ein, bevor sie noch wieder anfängt zu lächeln.
Cassy: Sind wir auch endlich mal hier?"
Ich habe es freundlich gesagt. Als würde ich es als Witz sehen, aber als sie von ihrem Bildschirm aufschaut, verschwindet ihr Lachen sogleich. Wow, danke dir.
Velory: Sorry, wurde aufgehalten."
Von wem? Ich wollte es nachfragen, aber wusste sogleich, dass sie mir wieder das gleiche sagen würde, wie gestern Abend. Dass ich bitte nicht so neugierig oder eifersüchtig sein sollte. Dass sie meine Freundin ist und dass ich ihr vertrauen sollte.
Cassy: Egal, ich freue mich, dass du hier bist."
Wie immer, wenn wir uns sehen und uns begrüßen, will ich ihr einen sanften Kuss geben, aber Velory wendet ihren Kopf ab und bringt mich daher zum Stutzen.
Velory: Ich will dir den widerlichen Geschmack von Alkohol und sowas ersparen, Cassy."
Cassy: Sehr rücksichtsvoll. Lass uns reingehen."Die Tickets hatte ich dabei, also mussten wir beide uns nur um die Snacks kümmern. Wie immer überteuert hier in den Laden. Velory hatte mich wieder gefragt, ob sie sich ein paar Euro leihen kann und da ich nur die Karte meines Vater habe, habe ich gleich alles übernommen. Danach geht es in den Saal, obwohl zuerst sowieso nur 30 Minuten Werbung gezeigt werden. Es ist immer das gleiche.
Zuerst trinke ich ein bisschen was, aber immer wieder schweift mein Blick auf das Handy von Velory, weil ich sehe, mit wem sie schreibt. Nate.
Cassy: Gibt es was neues?"
Leicht erschrocken schaut sie auf und zu mir hin. Vermutlich war sie einfach in Gedanken.
Velory: Nichts besonderes. Wann geht der Film denn endlich mal los. Diese Werbung zu Beginn ist ja einfach nur schrecklich."
Ich wollte ihr antworten, aber sie bekommt wieder ein Nachricht von der gleichen Person und schaut daher wieder lächelnd auf ihr Handy. Es ist nur Nate, einfach nur ein Freund...
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Nameless to You
Fanfiction»Es heißt immer, dass alles im Leben einen bestimmten Grund hat, aber manchmal würde ich diesen nur zu gerne wissen!« Ein anfangs normaler Herbsttag im November zerstört in diesem Fall eine gesamte Familie und keine erbrachte Mühe scheint das Ausmaß...