Kapitel 51

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Sicht von Christina...

Die Arena ist riesig, viel zu viele Menschen laden hier Dinge aus und schieben sie von A nach B, mein Vater geht hier durch die Gänge, als wäre es das normalste der Welt, beantwortet so nebenbei etliche Fragen und ich versuche ihm hinterher zu laufen und dabei nicht komplett die Nerven oder die Übersicht zu verlieren. Wobei letzteres schon dann eingetreten ist, seitdem ich in dieser Arena bin.

Papa schaut einen Moment in einen Raum, nickt nur verständlich für sich und geht danach mit mir weiter. Ich denke, dass ich hier teils so fehl am Platz bin, aber das ist okay. Er ist es wohl auch nicht gewöhnt, dass er irgendjemanden bei sich hat. Einige aus deren Crew laufen an uns vorbei – ich erkenne die auch fast nur an ihren Karten, die sie um den Hals oder aus einer Hosentasche hängen haben – und einige bleiben auch bei Papa stehen.
Manu: Hey Chris."
Und dann bekommt er auch mich mit. Ich stehe kleinlaut hinter Papa, auch wenn wir größentechnisch kaum einen Unterschied haben, aber ich will gerade klein sein.
Manu: Hi Christina."
Bitte? Während ich dort stehe, diesen Mann verwirrt anschaue, weil er mich kennt und dazu auch meinen Namen – meinen richtigen Namen – redet er mit meinen Vater.
Manu: Wir haben auf der Bühne ein paar Probleme, könntest du dort kurz vorbeischauen? Nur damit dort keine Katastrophe passiert."
Chris: Kann ich eben machen."
Der Mann geht weiter, mein Vater auch und ich laufe einfach nur nach. Das kann ich mittlerweile ja schon ganz gut.
Levi: Hallo Chris, sorry Christina, dauert nicht lange."
Ja Sorry, aber was?! Tontechnikerin, soviel habe ich auch mitbekommen, aber zurück zu meiner Frage: Woher wissen sie meinen Namen?

Dann stehen wir hinter der Bühne und ich bleibe einfach stehen. Nicht weil mein Vater stehengeblieben wäre oder weil es einen begründeten Anlass gibt. Ich stehe hier, weil mich alles, was hier ist, überfordert. Die Arbeiter, die die Techniken hier gerade anbringen, die einiges bereits checken. Die Illusionen, die dort stehen oder gerade gestellt werden. Die Bühne, wie sie am Abend aussehen soll, auch wenn es nur Ansätze sind. Dein Vater macht das ganze hier seit einigen Jahren und nicht ein einziges Mal hast du das hier gesehen oder verfolgt. Deinen eigenen Vater hast du hier nie gesehen, Christina.

Mein Vater greift nach meinen Schultern und reißt mich aus meinen Gedanken plötzlich raus. Meinen Blick, der gefühlt rein gar nichts aussagt, bringt ihn leicht zum Lachen.
Chris: Ich muss nur kurz zu den Technikern und bin gleich wieder hier. Warte bitte hier, okay? Wir gehen danach zum Frühstück."
Ich nicke einzig, mehr ist gerade nicht bei mir drin. Auch von seiner Seite kommt ein leichtes Nicken, bis er zögernd meine Schultern loslässt und danach sich umdreht und auf die Bühne läuft. Warum habe ich in all den Jahren nie gesehen, wer du bist? Dass das hier auch dein Leben ist und dein Traum, für den du so lange kämpfen musstest?
Karina: Hey."

Eine Frau spricht mich an und ich dachte zuerst, es wäre eine der Techniker hier oder jemand, der einfach für oder mit meinen Vater arbeitet. Ich löse mich aus meiner Position und schaue mich um, damit ich dann die Stimme zu einer Person zuordnen kann. Und ab jetzt hast du ein fettes Problem, Christina. Vielleicht ist sie Anfang Zwanzig, sie ist nicht ansatzweise so alt wie mein Vater, wobei der jetzt auch nicht viel älter ist. Ihr Lächeln wirkt so herzlich und einladend und würde mich gleich mit ihren grünen Augen sprachlos machen, wenn ich nicht sowieso schweigen würde. Ihr blondes Haar trägt sie noch offen über ihren Schultern, wobei man erkennen kann, dass auch sie erst wach geworden ist. Sie ist etwas kleiner, hat eine schöne Silhouette und ist einfach...wow...

Und während sie mit ihren Lächeln vor mir zum Stehen kommt, stehe ich starr vor ihr, rege mich kein Stück und bekomme auch kein Wort raus. Läuft bei dir Christina. Für einen kurzen Moment mustert sie mich, bevor sie mir wieder in die Augen schaut.
Karina: Du bist Christina, richtig?"
Durch ihre Frage, dass sie mich auch kennt, bringt sie mich wieder in die gleiche Gedankenabfolge, die mich vorher schon verfolgt hatten. Nur dadurch bricht meine angespannte Art.
Christina: Warum weiß bitte jeder, wer ich bin und wie ich heiße?"
Sie muss lachen. Warum musst du auch noch so ein süßes Lächeln haben?!
Karina: Weißt du, Chris redet echt eine Menge über dich. Das letzte, was er immer vor den Show am Samstag macht, ist, dass er schaut, wie euer Spiel gelaufen ist. Du spielst Fußball? Finde ich mega cool."
Auf der einen Seite will ich mich freuen, denn Papa hat immer schon über mich gesprochen und scheinbar war es ihn immer irgendwie wichtig. Auf der anderen Seite würde ich gerade gerne wie eine normale Teenagerin reagieren und einfach rot werden. Papa, was hast du denen bitte alles gesagt?

Kann sie aufhören sie zu sein? Kann sie aufhören, mich mit diesen Blick anzusehen und mit diesem Lächeln dazu zu bringe, dass ich es ihr gleich mache? Hätte ich nicht einfach anders reagieren können? Hätte sie nicht einfach mal so gar nicht mein Typ sein können!? Dann hätte ich das ganze Problem gar nicht. Muss sie für meinen Vater arbeiten, der rein gar nichts darüber weiß, dass ich auf Frauen stehe?

Ich muss peinlich berührt anfangen zu lachen. Wieder eine er dummen Eigenschaften, die ich von meinen Papa habe. Wenn etwas unangenehm ist einfach lachen.
Karina: Du hast ein süßes Lachen, erinnert an deinen Vater."
Hast du vor durch die Tochter an den Vater ranzukommen? Weil, wenn man sich mit dem Kind versteht, hat man bessere Chancen?
Christina: Ja, ich...komme sehr nach meinen Vater. Das höre ich daher immer wieder."
Karina: Naja, deine Haare sind wohl gefärbt, aber du hast wirklich krass blaue Augen."
Christina: Oh, ähm...das sind auch nur Kontaktlinsen. Ich habe eigentlich braune Haare und braune Augen...eben wie mein Dad."
Karina: Wirklich? Bestimmt würde dir das auch stehen, aber das Blau kann ich auch sehr leiden an dir."
Flirtet sie oder bin ich einfach dumm und geblendet?
Chris: Christina, kommst du mit?"
Christina: Ja klar, sofort Papa."

Auch wenn ich meinen Vater nachgehe, ich lasse meinen Blick noch einmal zu der Frau wandern, die mir noch ein letztes Mal zuwinkt und mich anlächelt, bevor wir den Gang runtergehen. Du steckst echt in Schwierigkeiten, Christina...

Nameless to YouWo Geschichten leben. Entdecke jetzt