Kapitel 37

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Die Abende in der Woche liefen immer gleich ab. Cassy kam von der Schule, ich saß sowieso noch am Rechner und sie war entweder einen Moment bei mir oder musste sich um ihre Sachen Sorgen. Das Abendessen haben wir dann aber immer zusammen gemacht und saßen auch zusammen in der Küche. Leider ist doch mehr in der Halle los, sodass ich fast immer danach bei einer Serie noch unten im Wohnzimmer arbeite.

Wieder eine Staffel durchgeschaut, noch immer ist der Ablauf eine einzige Katastrophe und ich verliere komplett die Nerven. Ich klappe daher einfach den Bildschirm zu und lasse mich gegen die Sofalehne fallen, damit ich danach meine Augen schließen und genervt ausatmen kann. Irgendein verdammtes Muster wiederholt sich immer wieder. Ist mir das alles hier doch irgendwie zu wichtig? Ignoriere ich die wichtigen Sachen? Verwirrt öffne ich die Augen und schaue danach in den Rahmen der Tür.
Chris: Warum bist du denn nicht oben, Stitch?"
Normal hängt der Kater immer bei meiner Tochter. Liegt in seinem Korb oder auf seinem Kratzbaum. Wenn das nicht der Fall ist, sitzt er neben ihr oder auf ihren Beinen, während sie an ihren Sachen arbeitet. Wenn sie mal nicht da ist, dann ist Stitch auch bei mir unten. Aber in den letzten Tagen benimmt der sich seltsam. Jeden verdammten Morgen hat der mich geweckt, weil er an meiner Tür gekratzt hat. Cassy hat so vieles versucht, aber nichts hat ihn davon abgehalten. Daher saß ich zum Frühstück immer bei ihr.
Chris: Was willst du jetzt von mir?"
Seinen sturen Blick wendet er einzig von mir ab, weil er zur Treppe schaut. Indirekt schaut er also zu Cassy hin.Danach liegt sein Blick wieder auf mir und er miaut einmal.
Chris: Soll ich zu ihr kommen?"
Ich muss verrückt sein. Stitch steht endlich von seinem Platz auf und geht die ersten Stufen rauf, schaut aber wieder zu mir. Habs verstanden, soll mitkommen.

Mit einem kurzen Klicken auf der Fernbedienung stoppe ich meine Serie und gehe danach in den Flur und zur Treppe. Dabei schaue ich einen Moment erstmal schweigend in die Etage, wo meine Tochter sich hauptsächlich aufhält. Sie lebt mit dir unter einem Dach, da sollte es nicht seltsam sein, dass du als ihr Vater mal zu ihr schaust. Und da mich Stitch von oben wieder mit exakt den gleichen Blick löchert, gehe ich doch hoch. Einen Moment schaue ich, wo sie sich aufhalten kann, aber da in allen Zimmern, bis auf einem, das Licht ausgeschaltet ist, fällt die Antwort leicht.

Durch den kleinen Spalt läuft Stitch einfach in ihr Zimmer. Ich hingegen bleibe kurz vor der Tür stehen, überdenke meine Entscheidung nochmal, aber klopfe dann doch ganz vorsichtig daran. Du wolltest Besserung, dann tu auch was dafür, Christian.
Cassy: Komm rein."
Die Tür öffne ich vorsichtig und bekomme gleich mit, dass sie mit irgendeinen Buch auf ihrem Bett sitzt. Im Hintergrund läuft eine Playlist, Stitch liegt wieder unschuldig in seinem Korb und erst dann schaue ich auch zu ihr hin.
Chris: Ich wollte einfach mal schauen, was du machst, außer, ich störe dich gerade."
Über meine Frage kann sie sanft lachen und zeigt mir im Anschluss mit einer Handbewegung, dass ich mich neben ihr setzen soll. Also lasse ich die Tür hinter mir und gehe zu ihr, damit ich neben Cassy Platz nehmen kann.
Cassy: Torsten und Michelle haben mir ein paar alte Sachen überlassen. Ich habe dort gar nicht die Zeit gefunden, alles durchzusehen."
Chris: Gott nein..."

Mit der Reaktion bringe ich Cassy zum Lachen und ich selbst schlage mir eine Hand vor die Stirn, weil ich dachte, dass diese Bilder einfach verschwunden sind. Eine Schande wäre das nicht gewesen, ich hätte mich gefreut.
Chris: Ich sah als Teenager so schrecklich aus."
Cassy: Ich würde ja gerne etwas anderes behaupten, aber Mama war wohl doch eher auf innere Werte aus."
Chris: Mach du mich nicht auch noch fertig."
Ich stupse ihr nur leicht gegen ihren linken Arm, wobei wir beide auch darüber lachen können. Ich bin heute auch über in 16-jähriges Ich hinweg.
Cassy: Was ist das bitte für eine Frisur?"
Cassy hat eine Seite weitergeblättert und zeigt auf ein Bild, was in der 10. Klasse aufgenommen wurde. Auch ich muss darüber lachen und danach einen Moment nachdenken, wobei mir gleich wieder einfällt, was das war.
Chris: Das war so ein grässlicher Topfschnitt. Das schlimmste war dann aber, dass ich hinten eine Strähne hatte, die ich habe langwachsen lassen."
Danach ernte ich auch nur wieder einen verstörten und zugleich leicht lachenden Blick von ihr, worin sie mich auch gleich fragt: Warum?!
Chris: Ich habe keine Ahnung."
Ich denke, dass Cassy weiterblättern wollte, aber sie bleibt doch nochmal bei dem Bild stehen. Daneben ist nämlich auch eines von Sarah. Gut, auch sie sah damals sehr anders aus und die Zeit war für keinen von uns beiden vom Aussehen her eine gute Zeit, aber sie konnte deutlich besser punkten als ich.
Cassy: Mama kann man zumindest erkennen, aber dich..."

Auch wenn ich versuche ihrem Blick Stand zu halten, ich muss zwangsmäßig anfangen zu lachen und wende daher meinen Blick von ihr ab.
Chris: Ich war ein kompletter Spätzünder. Aussehen mal weggedacht, klang ich auch so, als wäre man auf einen Frosch getreten und die meisten Mädchen in meiner Klasse waren größer als ich. Das kam bei mir erst in der Oberstufe, kann ich sagen."
Wieder ein Lachen ihrerseits, wobei ich danach merke, dass sie mich genauer anschaut, bis Cassy mit ihrer Hand mein Haar in Mittelscheitel und glatt nach unten legt.
Cassy: Man könnte dir aber noch immer fast die gleiche Frisur machen."
Auch wenn ich es einen Moment aushalte, ich drehe meinen Kopf leicht zur Seite und bekomme daher den verwirrten Blick meiner Tochter mit.
Chris: Ist so ein Tick von mir, weiß ich auch nicht so recht. Hat jeder ja irgendwie. Du kannst es ja auch nicht leiden, wenn man dich nicht Cassy nennt."

Ihre Reaktion sagt aber etwas ganz anderes. Ich habe sie seit Jahren immer so genannt, jeder tut das, aber dieses Mal zuckt sie ein wenig zusammen und schaut bedrückt weg.
Cassy: Könntest...du mich jetzt aber bitte nicht mehr so nennen...es erinnert einfach nur an...meine dumme Entscheidungen. Ich hasse den Namen irgendwie..."
Chris: Wegen deinen Freunden?"
Immer weiter wendet sie ihren Blick von mir ab, indem sie ihren Kopf von mir wegdreht. Ich hingegen ergreife die Initiative, rücke etwas näher an sie heran und versuche einen Blick von ihr zu erhaschen. Dabei sehe ich bei ihr einzig Reue.
Cassy: Auch...aber weil ich einfach nie mit dir in Verbindung gebracht werden wollte...es tut mir leid...bitte nenn mich nicht mehr so."
Leicht zögernd lege ich eine Hand auf ihre Schulter und bringe sie dadurch auch dazu, dass sie wieder zu mir schaut. Ich bin nicht wütend, war es niemals und werde es niemals sein. Ich will wissen, warum du so gehandelt hast. Daher lächelt sie vorsichtig, als ich es tue.
Chris: Ist okay...Christina...

Nameless to YouGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt