Sicht von Christina...
Meine Hände verkrampfen sich fast auf meinen Beinen. Der immer schweifende Blick von mir macht mittlerweile selbst Bolin nervös, der mich gerade zu meiner Klavierstunde mit nach Bünde nimmt. Meine seltsame Art liegt nicht daran, dass ich gleich noch Unterricht habe, oder dass ich morgen 19 werde und den Tag endlich wieder mit meinen Vater verbringen kann. Nein, ich treffe mich gleich noch mit Karina, weil ich ihr die Wahrheit sagen sollte. Meint Bolin.
Drei Wochen sind vergangen, seitdem ich von der Tour wieder nach Hause gekommen war. Für meinen Vater ging es normal weiter und für mich ging es wieder zur Schule. Der Alltag kam wieder rein, aber eben nicht komplett. Zumal, weil ich mehr mit meinen Dad unternehme als zuvor, aber auch, weil ich mich immer wieder mit Karina getroffen hatte. Mal waren wir einfach im Park unterwegs, dann saßen wir einmal in einen süßen Café zusammen und letzte Woche, als wir zusammen durch die Stadt gingen, ließ sie von der Seite andeuten, dass sie irgendwas für meine Geburtstag geplant hatte. Heute sehen wir uns wieder und Bolin hat mich dazu gedrängt, ihr endlich mal die Wahrheit zu sagen. Dass ich irgendwie auf sie stehe. Sie hat dir seit den ersten Tag so viele Signale immer wieder gegeben, dass es irgendwas bedeuten muss. Nicht mal Velory hatte sich so viel Mühe gegeben. Macht meine Anspannung nicht gerade besser.
Bolin hält den Wagen an und wirft seinen Blick zu mir rüber. Zuerst starre ich weiterhin aus dem Fenster, bis auch ich bemerke, dass es dadurch nicht besser wird. Daher schaue ich schweigend zu ihm und wage mich an einem Lächeln.
Bolin: Es wird schon alles gut werden, Christina. Bei dem, was ich von ihr mitbekommen habe, ist das schon sehr offensichtlich, dass sie was will."
Christina: Ja, aber ob sie das gleiche will, wie ich?"
Sein Blick sagt schon alles. Denk nicht immer alles kaputt, Christina. In den letzten Jahren ist einfach zu viel Scheiße passiert, als das ich jetzt glauben könnte, dass auch mal was gute folgen könnte.
Christina: Was ist, wenn ich kein Wort rausbekomme? Ich musste das bisher nicht sagen. Damals hat Velory den ersten Schritt gemacht."
Bolin: Und du warst unendlich froh, dass sie das getan hat, oder? Vielleicht geht es ihr dabei genauso. Vielleicht wartet sie, dass du es machst, weil sie den Mut nicht aufbringen kann."
Christina: Und ich eigentlich auch nicht..."
Bolin: Christina! Wenn du es nicht machst-"
Christina: Bin ja schon unterwegs. Wag es dir nicht, das zu ruinieren."
Während ich nervös und genervt den Wagen von Bolin verlasse, lächelt er und verabschiedet mich etwas zu glücklich. Der hat mit Ben auch gut reden. Da war es offensichtlich, dass beide aufeinander stehen. Sieh dir aber einfach das an, was sie in den letzten Wochen für dich getan hat. Bei den Gedanken muss ich immer lächeln. Weil ich gerne bei ihr bin, gerne Zeit mit ihr verbringe und mich komplett wohl bei ihr fühle. Bolin wird recht haben, es wird alles gut werden. In den letzten Wochen ist immer alles gut geworden und das würde alles einfach abrunden.
Wir haben uns in den vergangenen Wochen immer an der gleichen Stelle getroffen. Immer vor dem Laden und immer genau an der einen Bank. Auch dieses Mal ist Karina vor mir da gewesen – die Pünktlichkeit kommt von meinen Vater – und lächelt mich jetzt an, als ich auf sie zukomme. Dann steht sie auch von der Bank auf und überwindet die letzten Meter, die uns noch voneinander getrennt haben.
Karina: Hey, Christina."
Wie jedes Mal nimmt sie mich einen Moment in den Arm. Karina trägt immer das gleiche Parfüme, was ich an ihr sehr liebe. Dazu ihren roten Mantel, der neben meinem grauen Parka immer etwas fröhlicher wirkt.
Karina: Freut mich, dich wieder zu sehen."
Ich bringe nur ein verlegenes Lächeln hervor, was sie wieder zu ihren süßen Lächeln führt. Sie ist so anders als Velory, sie hat eine ganz andere Art an sich.
Karina: Wollen wir etwas gehen?"
Christina: Klar, sehr gerne."
Mit einer kurzen Kopfbewegung zeigt sie mir, wo wir lang gehen sollen und ich folge ihr einfach. Wir gehen nebeneinander her, ich schaue zu ihr.
Christina: Irgendwas spezielles geplant?"
Karina: Ein besonderer Stand mit speziellen Kaffee, wenn morgen ein besonderer Tag ist."
Hör auf so zu mir zu sein.
Irgendwo in der Stadt befindet sich ein kleiner mobiler Stand, der verschiedenen Kaffee verkauft. Auch solche, die bestimmte Aromen haben. Das mit den Erdbeeren werde ich bei ihr scheinbar niemals wieder loswerden, aber es ist besonders, dass sie sich das gemerkt hat. Nebenbei gehen wir immer etwas weiter, trinken etwas aus unseren Bechern, wobei Karina irgendwas mit Karamell trinkt, und verirren uns später wieder in den Park, wo wir vor einigen Wochen bereits waren. Schöne Erinnerungen und ein perfekter Ort.
Nervös tippe ich mit meinen Fingern an der Seite meines Bechers. Karina bekommt davon rein gar nichts mit, trinkt gerade wieder aus ihrem und schaut danach zu mir hin.
Karina: Dein Unterricht beginnt gleich, oder? Vielleicht sollten wir allmählich in die Richtung gehen, denkst du nicht auch?"
Christina: Ja...aber das hatte noch etwas Zeit, denke ich. Hast du eine Moment?"
Karina: Ich bin wegen dir hier, also natürlich."
Sie macht es einen mit jeder kleinen Geste immer etwas leichter, dass diese Worte über meine Lippen kommen. Aber nicht sofort, noch zögere ich, sortiere meine Worte.
Karina: Was kann ich denn für dich tun, Christina?"
Ihr ehrliches Lächeln bringt mich zum Lachen und gibt mit den letzten Tritt, dass ich es endlich ausspreche.
Christina: Weiß du, ich habe die letzten Treffen und all die kleinen Gesten von dir sehr geliebt und bin dir dankbar für alles. Also...ich mag dich wirklich sehr und wollte einfach wissen, ob du auch mal offiziell mit mir ausgehen würdest?"
Es folgt ihr süßes Lachen, wo sie kurz von mir weg schaut. Ja, auch für mich ist das ein Schritt. Auch ich schaue zuerst verlegen weg.
Karina: Weißt du, Christina. Ich stehe nicht auf Frauen. Ich habe versucht mich mit dir gut zu stellen, weil Chris mich immer wieder abgewimmelt hat. Ich wollte meine Chancen einfach verbessern, wenn ich mit seiner Tochter gut auskomme."
Ich dachte, es geht nicht mehr schlimmer. Das, was Velory mir angetan hatte, war schon schrecklich. Sitzengelassen werden für jemand anderen. Was lag ich da falsch. Es geht scheinbar noch viel schlimmer. Es geht in meinem scheiß Leben immer noch schlimmer. Abserviert zu werden für den eigenen Vater. Aber so war es halt doch immer. Immer nur die zweite Wahl. Immer nur ein Mittel zum Zweck. Mehr war ich nicht und scheinbar werde ich auch niemals für irgendjemanden mehr sein...
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Nameless to You
Fanfiction»Es heißt immer, dass alles im Leben einen bestimmten Grund hat, aber manchmal würde ich diesen nur zu gerne wissen!« Ein anfangs normaler Herbsttag im November zerstört in diesem Fall eine gesamte Familie und keine erbrachte Mühe scheint das Ausmaß...
