Kapitel 42

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Den Montag lag Christina einfach nur auf dem Sofa im Wohnzimmer und hat den Großteil des Tages geschlafen. Bei ihr war die gesamte Zeit Stitch und ich habe mich mit meinem Mac in die Küche gesetzt und dort ein bisschen gearbeitet. Ich wollte sie nicht allein lassen, aber mich zugleich auch nicht aufzwängen. Wenn sie etwas von mir wollte, wusste sie, dass ich in der Nähe bin. Auch wenn ich drauf bestanden hätte, dass sie die Nacht unten schläft, sie wollte bei sich im Zimmer sein und ich wollte dort nicht mit ihr diskutieren.

Mittlerweile ist es selbst für sie schon spät am Tag. Immer wieder habe ich auf die Uhr geschaut und darauf gewartet, dass ich etwas von ihr höre. Vielleicht macht mich aber auch die Tatsache nervös, dass sie beim letzten Mal weggelaufen war. Abgesehen davon, sie sollte runter kommen, damit sie zuerst mal was essen und trinken kann und danach muss sie weiterhin sich ausruhen und wieder zu Kräften kommen. Daher geht es für mich jetzt wieder hoch in ihre Etage. Alles hier ist noch dunkle, aber ihre Tür ist angelehnt. Heißt, dass sie das getan hat, damit Stitch immer kommen und gehen kann. Vorsichtig klopfe ich dagegen, bevor ich die Tür öffne und in den Raum gehe.
Chris: Christina?"
Ich bekomme mit, dass sie sich in ihrem Bett aufsetzt, sich für einen Moment an den Kopf fasst, bevor sie mich richtig wahrnehmen kann.
Christina: Ist irgendwas?"
Chris: Es ist schon recht spät, daher wollte ich nach dir schauen. Willst du wieder mit runterkommen? Frühstück wäre für dich fertig."
Sie sieht irgendwie benommen aus. Als wäre sie gar nicht richtig wach oder bei Sinnen. Christina setzt sich an den Rand des Bettes und bringt dadurch Stitch auch dazu, dass er davon runterspringt.
Christina: Ja, das klingt ganz gut."

Langsam steht Christina von ihrem Bett auf, greift nebenbei noch nach ihrem Handy, damit sie das in die Tasche ihre Jogginghose stecken kann und taumelt danach an mir vorbei. Anders kann man das nicht nennen. Für einen Moment weicht sie zur Seite aus, stützt sich an ihrem Schreibtisch ab, verweilt dort kurz, bevor sie zur Tür geht. Ich hingegen gehe mit schnellen Schritten ihr nach, weil mir das rein gar nicht gefällt. Und leider sollte ich auch recht behalten. Christina kommt vor mir bei der Treppe an und geht ein paar Schritte, bis ich mitbekomme, dass sie in sich zusammensackt. Irgendwie bekomme ich es noch hin, dass ich unter ihre Arme greifen kann, sodass wir beide zwar auf eine Stufe fallen, aber immerhin nicht die gesamte Etage runter. Christina ist zwar fast genauso groß wie ich, aber dafür auch ähnlich leicht. Und nein, es ist nicht immer gut, dass man essen kann, was man will, es bringt einfach auch zu viele Probleme mit sich. Beispiel: Ihre langjährige Unterernährung...danke Sarah. Mehr oder weniger geschickt schaffe ich es, dass ich Christina heile runter ins Erdgeschoss trage, damit ich sie dort im Wohnzimmer wieder aufs Sofa legen kann. Dort lege ich eine Decke über sie, nach der sie auch gleich greift. Sie hat nichts davon mitbekommen, ist einfach wieder eingeschlafen.

Mein Nachmittag sah wieder so aus, dass ich in der Küche am Esstisch am Mac saß, meine Sachen durchgearbeitet habe und immer wieder ein Auge auf meine Tochter geworfen habe, die eine lange Zeit einfach weitergeschlafen hatte. Es ist mittlerweile fast drei am Nachmittag und sie liegt noch immer an Ort und Stelle. Neben ihr Stitch, der immerhin ab und an auch zu mir kommt, weil er vielleicht denkt, dass ich mich ansonsten einsam fühlen würde. Unser kleiner und treuer Freund.

Da mich meine Müdigkeit irgendwann einholt, mache ich mir wieder einen Kaffee, da der alte mittlerweile kalt geworden ist und muss daher einen Moment von meinem Platz weg. Als die Maschine fertig ist, sitzt Stitch wieder neben mir und schaut mich an. Daher muss ich leicht schmunzeln und als ich mich umdrehe, sehe ich, dass Christina aufgewacht ist und sich auf dem Sofa aufgesetzt hat.
Chris: Du bist wach."
Danach gehe ich sofort zu ihr und hocke mich vor ihr auf den Boden. Immerhin sieht sie nicht mehr derartig blass aus. Sonderlich gesund aber auch nicht.
Christina: War ich vorhin nicht noch oben?"
Chris: Ich wollte dich vorhin runterholen. Deswegen bist du mitgegangen."
Christina: Ist da irgendwas passiert? Mir tut nämlich meine Hand etwas weh."
Chris: Naja...du bist beinahe die Treppe runtergefallen. Keine Sorge, das ist nicht passiert, aber dadurch könnte das gekommen sein."
Sie seufzt, weil es sie selbst nervt, dass sie gerade kaum etwas selbst machen kann. Selbst dieses Gespräch strengt sie schon sehr an.
Chris: Willst du vielleicht erstmal irgendwas essen?"
Christina: Muss ich ja. Habe zwar gar keinen Appetit, aber dann wird es kaum besser. Dann kommen einfach nur andere Probleme hinzu."
Chris: Danach kannst du dich weiterhin ausruhen. Ich lasse dich auch in Frieden."

Christina hat was gegessen, danach wieder geschlafen und weiter habe ich auch nur wenig am Tag noch von ihr mitbekommen. Zwischendrin hat sie sich zwar mit ihrem Kater beschäftigt, aber er hat sich einfach zu ihr gelegt, weil sie nicht viel mehr konnte. Zum Abend saß sie mit am Tisch, aber schnell fand sie ihren Weg wieder aufs Sofa, wo sie bis zum späten Abend auch geblieben ist.

Ich komme gerade wieder aus meinem Schlafzimmer, als ich mitbekomme, dass Christina wieder aufwacht und zu mir schaut, während ich das Wohnzimmer wieder betrete.
Chris: Es ist spät geworden...vielleicht willst du dich in einem Bett schlafen legen?"
Christina: Ja, das klingt ganz gut. Ich würde einfach wieder hoch gehen."
Chris: Nein."
Berechtigt schaut sie mich verwirrt an, während Stitch von ihr runterspringt, als sie sich langsam aufsetzt, damit sie gleich aufstehen könnte.
Chris: Ich habe mein Bett gerade neu bezogen. Ich habe kein gutes Gefühl dabei, solltest du in der Nacht was haben und zu mir kommen wollen und dann könntest du wieder die Treppe runterfallen und ich bekomme das nicht mit. Du schläft bei mir."
Christina: Und wo willst du bitte bleiben?"
Chris: Ich bleibe hier im Wohnzimmer. Sollte etwas sein-"
Christina: Okay und da sage ich nein zu. Ich liege seit zwei Tagen hier und habe unfassbare Rückenschmerzen. Du bleibst hier keine Nacht."
Chris: Ich lasse dich nicht hoch, Christina und eine andere Möglichkeit gibt es halt nicht."
Christina: Doch, du bleibst halt bei mir. Du hast bei dir so viel Platz und mir ist das egal. Solltest du was dagegen sagen, werde ich hier bleiben und nichts tun."
Und ich weiß, wie stur du sein kannst und dass du einen erholsamen Schlaf brauchst. Am Ende muss ich sowieso nachgeben.
Chris: Meinetwegen..."

Es ist meine eigene Tochter, die ich seit bald 19 Jahre kenne, also sollte an der Sache doch nichts dran sein. Es sind einfach nur ein oder zwei Nächte und dann ist das auch wieder vorbei. Und außerdem weißt du, dass du sie nicht zu etwas anderen überreden könntest. Diese sture Art hat sie halt doch von ihrer Mutter. Ich komme als letzter aus dem Bad, musste mir Jogginghose und Shirt für die Nacht anlassen, was ich normal so hasse, aber was anderes bleibt mir nicht übrig. Als ich dann vor meinem Zimmer stehe, sitzt da dann auch noch Stitch, der immer bei meiner Tochter schläft. Jetzt habe ich den Schlamassel.
Chris: Und am Ende hast du auch noch gewonnen. Das ist eine große Ausnahme, kleiner."
Ich öffne die Tür und sogleich läuft er rein und zu der Seite, wo Christina bereits sitzt. Als sie ihren Kater mitbekommt, muss sie lächelt und streichelt ihn einen Moment, nachdem er zu ihr auf ihre Decke, die ich im vorhinein runterholen musste, gesprungen ist. Okay, für ihre Reaktion hat es sich bereits gelohnt.

Auf der anderen Seite werde ich schlafen und muss dort mein Handy zum Laden legen. Zuletzt schaue ich noch einmal, dass ich keine wichtige Nachricht übersehen habe und schalte es danach auch aus.
Christina: Entschuldige."
Ich muss leicht lachen, setze mich auf meine Seite, aber so, dass ich zu meiner Tochter schauen kann. Noch immer streichelt sie ihren Kater, lenkt etwas von sich ab und versucht dabei aktiv nicht zu mir zu schauen.
Chris: In letzter Zeit entschuldigst du dich sehr viel. Wofür denn jetzt?"
Christina: Dass du mich jetzt die Nacht hier ertragen musst. Ich weiß, dass ich sehr stur sein kann...und ich weiß auch, dass du Stitch eigentlich nicht in deinem Zimmer haben wolltest. Auch das tut mir leid."

Für einen Moment geht sie ihm noch durch sein Fell, während er langsam einschläft und richtet ihren Blick danach erst wieder zu mir hin.
Christina: Wieso warst du damals nicht wütend, als ich ihn einfach mit nach Hause gebracht habe?"
Ich muss etwas lachen. Damals kam ich nach Hause und habe mich gewundert, warum sie an einem Tag so viel Geld ausgegeben hat. Ich kam durch die Tür ins Wohnzimmer und wollte sie fragen und dann sah ich diesen kleinen Kater bei ihr.
Chris: Ich hatte einfach das Gefühl, dass er genau das gewesen ist, was du zu der Zeit gebraucht hast. Etwas, worum du dich kümmern kannst, was für dich da ist und wo du deine Liebe reinstecken kannst. Alles, was ich dir einfach nicht bieten konnte."
Christina: Danke."

Ich lächle und sehe, dass Christina es auch leicht muss und dass sie dann auch von Stitch weg schaut und zu mir hin.
Christina: Dass du das damals gesehen hast und dass er bleiben durfte. Er ist mir sehr wichtig und hat mir manche Tage sehr verbessert."
Chris: Für sowas sind Haustiere dar. Jetzt sollten wir aber schlafen, vielleicht geht es dir morgen schon etwas besser."
Christina: Ich hoffe es...

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