Kapitel 73

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Alles in diesem Laden ist süß. Sowohl die dezente Deko als auch die Produktion an und für sich und erst recht riecht man beim ersten Betreten bereits, dass hier Bonbons hergestellt werden. Die Böttcherstraße kannte ich ein wenig. Neben einer Ausstellung und einigen wenigen kleinen Läden ist hier auch die Bonbon Manufaktur. Auch wenn dieser Laden wirklich klein ist, viele Menschen sind hier nicht drinnen. Einige stehen draußen vor den Scheiben und sehen sich Teile der umliegenden Läden an.

Ein Mann, der hier gerade mit seiner Kollegin arbeitet, reicht Sina und mir eines der Bonbons, die sie gerade eben fertig gemacht haben. Auch wenn ich skeptisch bin zu beginn, die sind unfassbar gut.
Christina: Die sind unfassbar gut..."
Sina muss sich das Lachen verkneifen, aber kann darauf auch nur nicken. Die Auswahl ist natürlich nicht derartig gigantisch, aber der Laden punkten beim Charm.
Christina: Merken, niemals nach Bremen ziehen, da ich ansonsten jeden Tag hier hergehen würde und das würde mindestens meinem Geldbeuten wehtun."
Sina: Deine Zähne würden es dir auch nicht danken."
Christina: Vieles spricht dagegen, aber leider haben die wirklich was."
Sina muss zuerst über mich lachen, oder eher wegen mir. Dieses Mal kann ich sie nicht einfach anschauen und nichts fühlen. Ich muss lachen, da sie mich wirklich ablenkt. Das hier ist so klein und banal für einige, dass es mich aber einfach glücklich macht.

Auf einen der Regale stehen kleine Gläser, die ich mir anschauen will. Ich wünschte, Papa wäre mit hier. Sein Beruf wird immer irgendwie im Weg stehen, aber trotzdem bin ich stolz auf ihn. Es gibt ein anderes Mal, wo er mit hier sein kann.
Sina: Was kann ich dir Gutes tun?"
Auch wenn sie sich wieder neben mich gestellt hat, ich schaue auf das Glas, was darin ist und auf die anderen Sorten, die mit hier stehen.
Christina: Also ich liebe alles, was mit Erdbeeren zu tun hat und daher denke ich, dass ich das hier einmal mitnehmen will. Damit ich es auch meinen Vater zeigen kann."
Die Frage von Sina habe ich verstanden, als sie mir das Glas vorsichtig aus der Hand nimmt und sich damit von mir entfernt. Ich gehe ihr die paar Schritte nach und halte sie nochmal auf, bevor sie bei den Mann an der Kasse sein würde.
Christina: Warum?"
Sina: Du hast dich immerhin hierauf eingelassen und außerdem...du kannst es irgendwann wieder gut machen."
Und indirekt bringt sie mich dann dazu, dass ich mich nochmal mit ihr treffen muss. Dass wir irgendwie nochmal Zeit zusammen verbringen. Heute morgen hätte ich ihr das einfach aus der Hand genommen, aber jetzt...
Christina: Okay, danke dir."
Ihr Lächeln erscheint so, als wäre es alles gewesen, was sie wollte. Ein weiteres Treffen.

Mit einen der Gläser in meiner Hand verlassen wir beide den kleinen Laden, ich kann mir eines aus dem Glas nehmen, biete Sina ebenfalls eines an, immerhin hatte sie mir das bezahlt. Ich bin glücklich, Sina scheint es auch gut zu gehen und ich laufe ihr wieder nach, wie es zuvor auch der Fall gewesen ist.

Durch einige Seitengänge kommen wir in Bereiche, wo wir den Tag über noch nicht waren, aber irgendwie muss ich sagen, dass Bremen dich interessant sein kann. Vielleicht auch nur dann, wenn man jemanden dabei hat, der weiß, wo hier was sehenswertes liegt.
Christina: Darf ich dich nochmal was fragen?"
Sina: Bisher hast du immer sehr wenig gesprochen, geschweige mich denn etwas gefragt. Also gerne, ich schaue mal, wo wir lang müssen."
Christina: Denkst du, es war die richtige Entscheidung, genau dort zu arbeiten?"
Berechtigt schaut sie mich an und versucht zu verstehen, was ich wissen will. Warum sollte ich meine eigenen Familie als Chef schlecht reden oder hinterfragen?
Sina: Wie meinst du das?"
Christina: Ich meine...ich bekomme es bei meinem Vater mit. Selten zu Hause, selten bei Freunden oder der Familie und dann die Zeiten, zu der man arbeiten muss."
Sina: Ich sehe das Problem nicht."
Ihr lächeln ist so ehrlich und unschuldig. So glücklich und zugleich befreit. Als wäre ich die Dumme, die eine total bescheuerte Frage gestellt hat.
Sina: Klar, ich bin wenig in meiner Wohnung oder sehe meine Eltern, aber die Leute, mit denen ich arbeite, sind meine Freunde geworden. Auch wenn man sich dran gewöhnen muss, der Tourbus, die Arenen in Deutschland und all das ist ein zu Hause. Von Anfang an habe ich mich immer wohl gefühlt, war angenommen worden und war glücklich."

Ich sehe es bei Papa. Es war das, was er immer machen wollte und er hat so lange darum gekämpft, dass er da steht, wo er heute ist. Und alles, was ich in den Tagen mitbekommen habe, ist, dass er sich wirklich mit seinem Bruder eine gute Firma aufgebaut hat. Das alles basiert immer auf einer guten Crew. Dass man sich auf die verlassen kann. Egal, ob es Levi oder Manu war, bei denen ich viel abgehangen habe. Dazu Phil, der immer einen Spruch übrig hat und auch Sina, die sich in das gesamte Bild eingefunden hat.

Meinen Blick lasse ich auf das Glas in meiner Hand schweifen, dadurch ziehe ich nur wieder die Blicke von Sina auf mich. Dabei zieht sie Augenblicke später an meinem Ärmel und biegt in eine andere Straße ein, die ich anders verpasst hätte.
Sina: Ich wollte dich nicht wieder in irgendwelche Gedanken und Sorgen schmeißen."
Christina: Das ist es ja nicht mal, es ist einfach nur..."
Um keine anderen Menschen umzulaufen, schaue ich wieder auf und laufe Sina noch, wobei ich in der Ferne bereits die ÖVB Arena sehen kann.
Christina: In der Zeit, wo ich nicht bei Papa oder vor meinem iPad saß, war ich immer bei Teilen der Crew und hatte immer genau das Gefühl, was du eben beschrieben hast. Zudem war das, was ich hier lernen konnte und was mein Dad mir auch immer wieder zu Hause zeigt, auch interessanter, als ich immer dachte. Außerdem habe ich in den letzten Tagen mehr erlebt als in den 19 Jahren bei mir zu Hause. Ich wollte immer raus...und zugleich will ich meinen Vater nicht verlassen..."
Sina: Hast du dann die eine andere Sorge, die neben deinen Abiturprüfungen, dir nicht selbst bereits beantwortet?"

Schneller als es mir lieb ist, kommen wir wieder gegen halb vier in der Arena an. Sina muss sich verabschieden und zu ihrer Kabine und später zur Bühne laufen und ich will gerade für mich sein, meine Gedanken sortieren...

Nameless to YouGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt