Nackte Finger und angezogene Leute

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   Die Rückfahrt verging viel schneller als die Hinfahrt. Einerseits war das gut, weil ich echt gern nach Hause wollte, aber andererseits wollte ich nicht, dass meine Zeit mit Carlos heute schon vorbei war.

   „Willst du noch mit hoch kommen?", fragte Carlos, als wir gerade das Ortsschild passierten, in dem das Hotel war.

   So verlockend der Gedanke auch war, musste ich trotzdem den Kopf schütteln. „Nein. Ich muss ins Bett. Morgen ist ja die Firmenfeier, da muss ich ein bisschen eher auf der Arbeit sein, um meine ganzen Aufgaben abzuarbeiten."

   Carlos nickte verständnisvoll und fuhr auf den Parkplatz hinter dem Hotel. „Alles klar. Dann unternehme ich gleich noch etwas mit Rupert." Gut, dann musste ich mich nicht so schlecht fühlen, dass ich abgesagt hatte.

   „Ich freu mich, dass du morgen mitkommst." Ich lächelte ihn an, als er das Auto abgestellt und den Motor ausgemacht hatte. „Aber vergiss die Kappe nicht!" Ich deutete mit meinem Finger auf ihn und kniff meine Augen zusammen.

   Carlos machte große Augen und schaute auf meinen Finger. „Ich dachte man zeigt nicht mit nacktem Finger auf angezogene Leute." Shit, er hatte recht. Sofort senkte ich den Finger wieder. „Blödi.", murmelte ich. „Selber Blödi.", erwiderte Carlos.

   Sofort wurde mein Herz wärmer. Ich liebte sowas. Und vor allem liebte ich es, sowas mit Carlos zu machen.

   „Woran denkst du Guapa?" Carlos griff zu mir rüber und nahm meine Hand in seine. Die Wärme in meinem Herzen wurde nun noch wärmer.

   „An dich.", antwortet ich ehrlich. „Daran, dass ich so gerne Zeit mit dir verbringe." Leicht lächelte ich ihn an.

   Ich konnte es immer noch nicht glauben. Carlos Sainz, Fahrer für Ferrari, Mann mit den besten Haaren am ganzen Grid, war mein Freund. Mein fester Freund. Irgendwas musste ich in meinem Leben richtig gemacht haben.

   „Bist du dir sicher, dass du nicht noch mit hoch kommen willst?", versuchte er es noch einmal. Doch ich schüttelte wieder meinen Kopf.

   Dann grinste er plötzlich. „Und auf die Rückbank willst du auch nicht?"

   „Carlos!", rief ich empört und schlug ihm auf die Hand. Dann fing ich jedoch ebenfalls an zu lachen und schüttelte meinen Kopf.

   Er zuckte nur mit den Schultern. „Ist das jetzt ein nein?"

   Grinsend verdrehte ich nur die Augen und stieg dann aus meinem Auto aus. „Ja, das ist ein nein."

   Carlos stieg ebenfalls aus und wir trafen und am Heck meines Autos.

   Er legte seine Hände auf meine Taille und sah mir direkt in die Augen. „Wie fandest du unser Tapas Date?"

   Ich spitzte die Lippen und tat so, als würde ich überlegen. „Hm, willst du eine ehrliche Einschätzung? Also mit Ron war es echt lecker und wir waren natürlich in Maranello, was nochmal extra Punkte gibt." Ich machte eine dramatische Pause, bevor ich weitersprach. „Aber das hier war hundert Mal besser. Vor allem, weil ich in so guter Gesellschaft war."

   Carlos lächelte mich siegreich an und bevor ich es mich versah, hatte er sich zu mir runter gebeugt und seine Lippen lagen auf meinen.

   Das hatte ich in den letzten Stunden so vermisst.

   Ich musste mich ein wenig auf die Zehenspitzen stellen, um auf der perfekten Höhe zu sein.

   Das nahm Carlos jedoch als Ansatz den Griff um meine Taille zu verstärken und mich kurzerhand hochzuheben. Ohne, dass wir unseren Kuss lösten, setzte er mich auf meinem Kofferraum ab und ich war noch nie so froh, dass mein Kofferraum viereckig war.

   Dann stellte Carlos sich direkt zwischen meine Beine, sodass wir uns so nah waren, wie es hier nur möglich war.

   Er strich mir über den Rücken und sofort bereute ich es, dass ich gleich nach Hause fahren würde.

   Kurz löste ich mich von ihm. „Ist das dein Versuch mich umzustimmen?"

   Carlos streichelte mir über die Haare und strich mir eine Strähne hinter mein Ohr. „Vielleicht. Funktioniert es denn?"

   „Ein bisschen.", antwortete ich ehrlich. Dann küsste ich ihn wieder.


   Kurze Zeit später lösten wir uns voneinander. Ich hatte meine Arme über seine Schultern gelegt und sah ihn an. Ich könnte ihn stundenlang anschauen.

   „Carlos, ich muss nach Hause." Ich wusste nicht, wie viel Uhr es war, doch es wurde immer später und das war nicht gut.

   „Sicher?" Er setzte einen Hundeblick auf und meine Schultern sackten nach unten. „Guck nicht so! Das ist unfair.", schmollte ich und aus seinem Hundeblick wurde ein Lächeln.

   Er wollte mich nur ärgern. Als Rache stieß ich ihn von mir und hüpfte vom Kofferraum.

   Ich hatte mich nicht lange mit einer Verabschiedung aufgehalten, sonst hätte er mich nachher wirklich noch umstimmen können.

   Schweren Herzens und mit einem letzten Kuss war ich dann ins Auto eingestiegen. Da hatte ich dann erstmal meinen Sitz und die Spiegel einstellen müssen. Als ich halbwegs zufrieden war, hatte ich den Motor gestartet und war losgefahren. Im Rückspiegel hatte ich sehen können, dass Carlos so lange auf dem Parkplatz gestanden hatte, bis er mich nicht mehr sehen konnte.

 

A longer Bathroom Break - Carlos Sainz x OCGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt