Eine Flamme schlechten Gewissens

277 15 4
                                        

   Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Lexy und Julius auf mich zugelaufen kamen. Ich musste mich echt beherrschen nicht die Augen zu verdrehen.

   Um den beiden aus dem Weg zu gehen, stellte ich das Handy auf Video um und ging hinter den Ferrari. Dann hockte ich mich hin und drehte ein Video von dem Klang des Wagens.

   Wie die Audioqualität im Endeffekt dann sein würde, würde ich erst später herausfinden. Aber da Carlos das neueste iPhone hatte, welches es auf dem Markt gab, hatte ich große Erwartungen.

   Der Motor verstummte wieder, doch ruhig war es jetzt trotzdem nicht. Meine Mitarbeiter hatten sich jetzt, statt am Grill, am Ferrari versammelt. Vor allem die Jungs aus der Werkstatt waren fasziniert.

   Ich ging hinter dem Ferrari wieder hervor und stellte mich an die rechte Seite des Wagens. Dann öffnete ich die Galerie auf Carlos Handy, um die Bilder anzuschauen.

   Moment. Überschritt ich gerade eine Grenze? Wir waren noch nicht so lange zusammen. Sollte ich da wirklich schon seine Galerie sehen? Naja, ich wollte sie ja nicht nach irgendwas durchsuchen. Mir ging es ja nur um die Bilder, die ich gerade geschossen hatte. Aber war das nicht trotzdem irgendwie noch privat?

   Bevor ich weiter überlegen konnte, legten sich von hinten zwei Arme um meine Hüften und Carlos Duft stieg mir in die Nase.

   „Hast du gute Bilder machen können?", raunte er mir mit tiefer Stimme leise ins Ohr. Mein Herz setzte für einen Schlag aus und ich biss mir auf die Innenseite meiner Wange. Dann nickte ich nur und klickte auf eines der Bilder.

   Carlos nahm mir sein Handy aus der Hand und schaute es sich genauer an. „Wow. Du hast da echt ein Talent für.", lobte er das Bild.

   Ich winkte ab. „Ach quatsch. Das ist nur den guten Motiven und der Qualität der Kamera geschuldet.", redete ich mich raus. Ich selbst hatte das Bild ja noch gar nicht richtig gesehen.

   „Sei nicht so bescheiden Guapa." Carlos löste sich wieder von mir und schon in derselben Sekunde vermisste ich seine Berührung.

   „Ich schickte dir die Bilder heute Abend alle. Du wirst bestimmt noch mehr machen." Dann streckte er mir wieder sein Handy entgegen.

   Verwundert nahm ich es an. „Warum gibst du es mir?" Carlos fuhr sich durch seine fluffigen braunen Haare. „Für Bilder. Wenn du es hast, ist es einfacher. Dann musst du nicht immer fragen."

   Ich zog meine Augenbrauen hoch und nickte langsam. Wow, das war ein großes Zeichen von Vertrauen. Er gab mir sein Handy, obwohl ich Zugang dazu hatte und alles damit machen könnte, was ich wollte.

   „Jetzt lass uns was zu trinken holen.", bestimmte der Ferrari Fahrer. Dann ging er an mir vorbei in Richtung der Tische, die jetzt alle frei waren.

   Ich folgte ihm und ging dabei an Lexy und Julius vorbei. Ignorieren konnte ich sie nicht, das wäre unhöflich.

   „Wir holen uns was zu trinken. Kommt ihr mit?", fragte ich die beiden also. Lexy nickte nur leicht und von Julius kam gar keine Reaktion.

   Zu Dritt gingen wir Carlos hinterher.

   „Sag mal Kiera.", fing Lexy an zu reden. „Hab ich dir irgendwas getan? Bist du wegen irgendwas sauer?"

   Verwundert drehte ich meinen Kopf zu ihr. Oh fuck, war das doch so offensichtlich gewesen? Na toll, was sollte ich denn jetzt sagen? Die Wahrheit konnte ich schlecht sagen, weil der Grund für meine schlechte Laune genau neben ihr lief.

   „Nein, es ist alles gut." Ich zuckte mit den Schultern. „Ich bin nur seit heute Morgen um sieben am arbeiten und währenddessen musste ich das hier alles organisieren. Die Kunden hören ja nicht einfach so auf zu existieren, nur weil ich ein Sommerfest organisieren will." Entschuldigend lächelte ich sie an.

   Lexys Blick wanderte zwischen meinen Augen hin und her und es schien so, als überlegte sie, ob sie mir glauben sollte oder nicht. Dann aber lächelte sie leicht. „Okay, dann ist gut. Ich hatte schon Angst, dass ich etwas falsch gemacht habe."

   Eine kleine Flamme des schlechten Gewissens entzündete sich in meinem Bauch. Doch ich versuchte sie sofort wieder zu ersticken. Denn eine komplette Lüge war es nicht gewesen. Während die Tische und die Boxen und all das geliefert wurde, hatte ich Meetings zu leiten und war mit dem Telefon am Ohr durch den Laden gerannt. Wirklich entspannt war das nicht gewesen.

   „Guapa. Willst du wieder eine Sprite haben?" Carlos war beim Tisch mit den Getränken angekommen und hatte sich zu uns rumgedreht.

   Ich überlegte kurz. Eigentlich wollte ich wegen der Energiedrinks keinen Alkohol trinken, aber da wusste ich ja noch nicht, dass Julius hier sein würde.

   „Ich nehme ein Bier bitte. Wollte ihr beiden auch eins?" Lexy und Julius nickten gleichzeitig.

   „Alles klar. Dann setzt euch schon mal, ich bringe die Getränke gleich." Carlos wollte Kellner spielen? Wow, das fand ich irgendwie attraktiv. Daran merkte man einfach, dass er überhaupt nicht abgehoben war, obwohl er so berühmt und so reich war.

   Gemeinsam gingen wir zur selben Bierbank, auf der wir eben schon gesessen hatten. Ich setzte mich mit Blick zum Ferrari und zu Carlos hin, während die beiden sich mir gegenübersetzten.


A longer Bathroom Break - Carlos Sainz x OCWo Geschichten leben. Entdecke jetzt