Ich stellte mich in die Schlange vom Waffelstand, die länger geworden war, während wir geredet hatten.
Die beiden waren irgendwie komisch zusammen. Sie waren zwei genaue Gegenteile. Bianca war offen und forsch, während Ally sehr zurückhaltend und ruhig rüberkam. Ich freute mich aber, dass ich jetzt zwei weitere Leute kannte, die Formel Eins mochten.
Ich hatte mich für eine Waffel mit Kirschsoße entschieden. Ganze zehn Euro hatte die mich gekostet, aber was solls. Ich war bei einem Rennen und hatte die Karten hierfür nicht zahlen müssen. Also hatte ich nach meinen Berechnungen mehrere hundert Euro zur Verfügung, die ich ausgeben konnte. Girl Math.
Mit meiner Waffel in der Hand ging ich an meinen Platz zurück. Ein paar Mal wäre sie mir fast runtergefallen, weil alles voller Fans war.
Endlich an meinem Platz angekommen konnte ich sie essen. Es war auch gar nicht so langweilig wie gedacht. Vor uns lief eine Art Show mit Musik, Tänzern und einem Moderator. Ab und zu wurden auch kleine Filme auf den Bildschirmen von vergangenen Monza GPs gezeigt, um uns Zuschauer bei Laune zu halten. Und ich musste sagen, das klappte ganz gut.
Die Zeit verging ziemlich schnell und ehe ich es mich versah, standen die Autos aufgestellt auf dem Track und warteten darauf, dass die Lichter ausgingen.
„And it's lights out and away we go racing in Monza!", dröhnte Croftys Stimme über die Lautsprecher.
Der Start verlief gut. Die beiden Ferraris kamen sehr gut weg und fuhren Nase an Nase in die erste Kurve. Max war natürlich schon vor ihnen. Noch nicht sehr weit, doch das würde sich bald ändern.
Die erste Hälfte des Rennens war unspektakulär. Außer, dass George sich einmal gedreht hatte und Sargent, wie auch immer er das geschafft hatte, sich ein Rad an einer Wand abgerissen hatte, war nichts passiert.
Es waren nur noch sieben Runden bis zum Ende des Rennens. Es sah sehr gut aus. Zwar hatte Checo die beiden Ferraris in der Mitte des Rennens überholt und fuhr nun auf dem zweiten Platz, doch Carlos war direkt hinter ihm.
Bisher sah es aber leider nicht so aus, als würde er es schaffen, ihn zu überholen. Drei Sekunden trennten die beiden. Der Abstand von Max auf Checo war hingegen ganze neun Sekunden.
Doch das war im Moment nicht Carlos Problem. Das wahre Problem war Charles, welcher Carlos direkt im Nacken klebte.
Ich bekam einen Herzinfarkt nach dem anderen. Zuerst verteidigte Carlos und ließ Charles keine Chance zu überholen. Dann sah Charles in der Parabolica eine Lücke und fuhr an Carlos vorbei. Es dauert jedoch nicht lange, da hatte Carlos seinen Platz wiedererrungen und fuhr wieder vor Charles.
Mein Herz klopfte. Verdammt, was machen die da nur? Die würden sich noch beide gegenseitig aus dem Rennen katapultieren. Warum erlaubte das Team das?
Dann, kurz vor einer Kurve eine Berührung. Ich holte erschrocken Luft, genau wie die anderen Fans um mich herum. Zum Glück schien nichts passiert zu sein. Sie hatten sich nur kurz an den Reifen berührt und wohl keinen Schaden dadurch bekommen.
Verdammt Jungs, reißt euch zusammen! Es sind doch nur noch drei Runden! Könnt ihr euch nicht einigen?
Durch die kleine Berührung schien die Konzentration von Charles zu schwinden. Gerade, als er in einer Kurve zu einem weiteren Überholmanöver ansetzen wollte, verbremste er sich. Seine Reifen schlitterten über den Asphalt und anstatt in die Kurve zu fahren, rutschte er gerade aus und verpasste somit die Kurve.
„Ja!", freute ich mich. Ich war zwar Ferrari Fan, doch Carlos kam bei mir vor Charles.
Begeistert klatschte ich in die Hände. Damit war der dritte Platz für Carlos so gut wie sicher. Ich stand auf und sah mir die letzten Runden im Stehen an. Alle anderen auf dem Grand Stand taten dasselbe.
Der dritte Platz war plötzlich wieder in Gefahr. Charles hatte trotz seines Verbremsers wieder aufgeholt.
Die letzte Runde begann und die beiden kämpften unerbittlich um den dritten Platz. Carlos verteidigte seine Position jedoch unglaublich gut. Charles hatte keine Chance ihn zu überholen.
Somit rasten sie beide mit einem Abstand von 0.184 Sekunden über die Ziellinie.
Die Podiumsfeier war der Wahnsinn. Ich war nicht mit den anderen Fans auf den Track gelaufen, sondern war auf meinem Sitz geblieben. Das Gedränge hätte ich nicht überlebt.
Stattdessen schaute ich von hier hinten dabei zu, wie Max, Checo und Carlos die Trophäen überreicht wurden.
Unter dem Podium war ein rotes Meer. Alles war voller Ferrari Flaggen, Shirts und sogar Pyrotechnik. Als Carlos seine Trophäe überreicht bekam und sie in die Luft hielt, brach tosender Applaus aus.
Auch ich stand auf und klatschte in die Hände. Stolz sah ich zum Fahrer hoch, welcher seinen Pokal musterte. Das waren wirklich wahnsinnige letzte Runden gewesen. Ich war tausend Tode gestorben.
Ich würde ihm später eine Nachricht schreiben und ihm gratulieren.
Nachdem das Champagner Bad vorbei war, machte ich mich auf den Weg zum Ausgang. Ich wollte nicht gehen. Ich wollte bleiben und die Atmosphäre genießen. Doch dafür hatte ich keine Zeit. Ich musste nach Hause fahren.
Auf dem Weg zum Ausgang versuchte ich alles in mich aufzunehmen. Die Stimmung, die Ferrari Fans, die Merch Stände, das Gesänge. Das war etwas ganz anderes als Zandvoort. Ich fühlte mich unglaublich euphorisch.
Je näher ich meinem Auto kam, desto trauriger wurde ich, dass ich fahren musste. Auch wenn ich blieb, was sollte ich alleine machen? Irgendwo in einer Ecke stehen und Menschen dabei zusehen, wie sie feiern? Lieber nicht.
Meine Traurigkeit verschwand sofort, als ich an meinem Auto ankam. Unter meinem Scheibenwischer war eine kleine Ferrari Flagge geklemmt worden. Ich lächelte. Das musste von Ron sein. Er hatte sich so schlecht gefühlt, dass er heute kein Geschenk für mich hatte.
Ich hob den Scheibenwischer hoch und nahm die Flagge von der Scheibe. Ich wusste zwar noch nicht, was ich mit ihr machen würde, trotzdem freute ich mich. Ich legte sie zu dem Becher von Carlos in meinen Kofferraum und stieg in mein Auto ein.
Dort schrieb ich Ron sofort.
Ich: Ich hab dir doch gesagt, dass der Paddock Pass Geschenk genug war! Trotzdem vielen Dank für die Flagge. Es war eine schöne Überraschung :) Ich fahre jetzt nach Hause. Das war ja ein super Rennen! Wir können gerne in Kontakt bleiben!
Dann schickte ich die Nachricht ab und wechselte den Chat.
Ich: Danke für das tolle Geburtstagsgeschenk.
War das Einzige, was ich Carlos schrieb. Dann verband ich mein Handy mit meinem Auto und stellte das Navi auf zuhause ein. 12 Stunden und 36 Minuten brauchte ich wohl. Na dann, auf ins Rennen.
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A longer Bathroom Break - Carlos Sainz x OC
FanfictionDie 22-jährige Kiera verbringt mit ihrer Freundin ein Wochenende in Zandvoort, um sich den Traum zu erfüllen, einen Grand Prix live zu sehen. Das Wochenende läuft super, bis zwischen zwei Qualifying-Runden etwas Unvorhergesehenes geschieht. Durch ei...
