Bereust du es?

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   Ich hatte tatsächlich wieder bessere Laune. Aber ich wollte nicht an das von eben denken, sondern dort weitermachen, wo wir gerade aufgehört hatten. Also legte ich ihm wieder eine Hand in den Nacken und wollte ihn zu mir runterziehen. Doch er griff nach meinem Handgelenk.

   „Nein Guapa. Du erzählst mir jetzt was los war. Das hat sich nämlich ziemlich unschön angehört." Sein Blick wurde streng und duldete keine Widerrede.

   Ich seufzte und ließ meine Hand sinken. „Dann lass mir wenigstens kurz Zeit um ein bisschen abzukühlen."

   Ein schelmisches Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. „Abkühlen? Von was bist du denn so heiß geworden?"

   Ich biss mir auf die Unterlippe und sah ihn mit einer Mischung aus Hass, Spaß und Liebe an. Doch ich erwiderte nichts darauf. Stattdessen griff ich in meine Hosentasche und zog sein Handy hervor.

   „Hier, das kannst du jetzt wiederhaben. Jetzt hab ich meins ja gefunden." Nickend nahm er es an sich und steckte es sich in seine eigene Hosentasche. Diese schien etwas eng geworden zu sein, da etwas anderes in der Hose nun den Raum einforderte.

   Schnell wendete ich jedoch den Blick wieder ab, denn so würde ich nicht runterkommen können, eher im Gegenteil.

   Ich schaute an Carlos vorbei aus dem Fenster heraus. Wirklich etwas anschauen tat ich aber nicht, sondern war eher in Gedanken.

   „Wieso lässt sie sich so behandeln?", murmelte ich. Das war eine rhetorische Frage, also erwartete ich keine Antwort. Carlos gab mir trotzdem eine.

   „Vielleicht bemerkt sie es ja gar nicht." Eine Hand legte sich auf meine Wange und er zwang mich sanft dazu ihn anzusehen.

   Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Wie kann man so etwas nicht bemerken? Hast du gehört, wie es geklatscht hat, als er ihre Hand weggeschlagen hat?"

   Mit bedauerndem Gesichtsausdruck nickte er. „Was war der Auslöser?"

   Ich seufzte. „Ich hatte einfach nur übersetzt, was er auf Deutsch über dich gesagt hat. Anscheinend wollte er nicht, dass du das mitbekommst und quasi hinter deinem Rücken über dich reden. Fand er wohl witzig, wenn du am selben Tisch sitzt und es nicht mitbekommst." Dann zuckte ich mit den Schultern. „Irgendwie ist er dann total eskaliert und hat mich gefragt, was das soll und wie ich es wagen kann oder so. Ich war ehrlich gesagt viel zu perplex in diesem Moment."

    Carlos nickte leicht, sein Blick ging jedoch durch mich hindurch. Das war dieser typische Carlos Blick. Er hört einem zu, sieht aber aus wie auf einem anderen Planeten. Dabei hatte er noch leicht seine Lippen geöffnet, was ihn ein wenig dümmlich aussehen ließ. Das heiterte mich etwas auf.

   „Das schlimme ist, dass Lexy ihn auch noch in Schutz genommen hat und auf seiner Seite war. Was soll das?" Auch das war eine rhetorische Frage.

   Carlos kam in die Gegenwart wieder zurück und sah mich an. „Du solltest definitiv nochmal mit ihr reden. Unter vier Augen. Und ihr versuchen alles sachlich zu schildern. Wie gesagt, vielleicht bemerkt sie sein Fehlverhalten ja gar nicht, weil sie nichts anderes von ihm gewöhnt ist.", stellte er die These auf.

   Ich faltete meine Hände in meinem Schoß und sah sie an. Vielleicht hatte er recht. Das würde sogar Sinn machen.

   Langsam fing ich an zu nicken. „Das ist eine gute Idee. Ich werde ihr später sofort eine Nachricht schreiben und ein Treffen ausmachen. Wenn sie mir nach heute überhaupt noch antworten wird." Da hatte ich nämlich wirklich bedenken. Was, wenn er auch Zugang zu ihrem Handy hatte oder sie ihm von meiner Nachricht erzählt? Er würde ihr das dann nämlich versuchen auszureden.

   „Sie wird dir antworten. Immerhin seid ihr doch beste Freundinnen.", warf Carlos ein.

   Ich lachte nur freudlos auf. „Das waren wir mal, ja. Das Rennen in Zandvoort war einer der letzten Tage, in denen wir uns richtig gut verstanden haben. Danach ging es irgendwie nur noch den Bach runter. Und das fühlt sich an, als wäre es in einem anderen Leben gewesen. Alles hat sich seitdem verändert."

   „Bereust du also, wie sich dein Leben entwickelt hat?"

   Puh, das war eine gute Frage. Doch es gab eine ziemlich einfache Antwort darauf.

    „Nein." Ich sah Carlos in die Augen und schüttelte gleichzeitig den Kopf. „Nein, ich bereue es nicht. Ich habe dich kennengelernt und so viele neue Eindrücke und Erfahrungen gewonnen. Daran werde ich mich bis an mein Lebensende erinnern. Es wäre nur schön, wenn Lexy auch dabei wäre. Bisher war sie immer Zeugin großer Erlebnisse in meinem Leben gewesen und es ist komisch, sie jetzt nicht mehr an meiner Seite zu wissen. Irgendwie ist sie ja noch da, aber irgendwie auch nicht."

   Ich zuckte mit den Schultern und winkte dann ab. „Naja egal. Das soll jetzt nicht das Thema sein. Wir müssen wieder runter, immerhin ist das da unten meine Party."

   Ich rutschte an den Rand des Schreibtisches und signalisierte Carlos so, dass ich aufstehen wollte.

   „Moment, so schnell kommst du mir nicht davon. Wo du schonmal da so sitzt..." Bevor ich Carlos fragen wollte, was er damit meinte, wurde ich schon von einem Kuss überrumpelt.


A longer Bathroom Break - Carlos Sainz x OCGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt