Suzuka

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   Der Rest der Woche verging wie im Flug. Am Freitag hatte ich die ganze Zeit das Freie Training auf meinem PC offen. Ich hatte so viel Papierkram zu tun, dass ich es währenddessen ruhig schauen konnte. FP1 und 2 sahen vielversprechend für Carlos aus. Jedoch sollte man draus nichts schließen. Im Rennen konnte alles passieren.

   Am Samstagmorgen hatte ich dann plötzlich eine Nachricht auf Instagram. Von bibixoxo2. Bianca hatte mir geschrieben.

   Bibixox2: Hey girly!!! Do you remember me? We met some races ago! We had so much fun together and I was wondering if you would be at the Japanese GP this weekend? Would love to meet you again! Xoxo

   Meinen Kaffee in der einen und das Handy in der anderen Hand verzog ich den Mund.

   War das ihr Ernst? Jetzt, wo sie wusste, dass ich definitiv Kontakt zu Carlos hatte, schrieb sie mich an? Ich war doch nicht blöd. Sie wollte mich benutzen, um in den inneren Kreis zu kommen.

   Doch vielleicht konnte ich es umdrehen? Eventuell könnte ich durch sie an mehr Kontakte in der Formel Eins kommen und neue Leute kennenlernen. Doch wie sollte ich das anstellen, wenn ich diese Saison zu keinem Rennen mehr gehen würde? Ich sollte sie mir warmhalten.

   Ich: Of course I remember you! I agree, it was really nice talking to you and Ally. Unfortunately, I won't be at Suzuka, nor do I have any other race planned. But if that changes, I will text you so we can schedule a meet up!

   Das sollte reichen. Auch wenn es hinterhältig von mir war, fühlte ich mich nicht schlecht. Immerhin tat sie genau dasselbe mit mir. Also was solls.

   Dieses Wochenende würde ich schon wieder allein Formel Eins schauen. Lexy hat natürlich wieder zu genau den richtigen Zeiten etwas mit ihrem Freund vor. Mir war sein Name schon wieder entfallen. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl bei ihm.

   Mit Carlos hatte ich heute auch kaum Kontakt. Er war total aufs Qualifying konzentriert. Das war natürlich richtig so, trotzdem fand ich es schade. An Rennwochenenden fühlte ich mich ihm immer nahe. Immerhin beobachtete ich ihn live dabei, wie er auf der Rennstrecke kämpfte.

   Passend zum Qualifying saß ich also mit meinem Ferraribecher in der Hand und Carlos Kappe auf dem Kopf vor dem Fernseher.

   Da ich ja nun wohl Influencer war, denn ich hatte in den letzten Tagen tausende an neuen Followern bekommen, postete ich schnell eine Story auf Insta. Dafür machte ich ein Bild von meinem Becher. Im Hintergrund sah man den Fernseher und da drüber das Regal, auf dem Max Kappe lag. Weil ich weiß, dass ich Carlos damit ärgern konnte, schrieb ich noch „Rooting fort he one and only" dazu. Denn mit Max Kappe im Hintergrund, konnte es auch falsch verstanden werden. Das fand ich witzig.

   Dann ging es schon los. Und wie es losging. Q1 lief erst wenige Minuten, schon war Sargent in der Wand. Warum war es eigentlich immer er, der in die Wand fuhr? Hatte er irgendwie einen Magneten in seinem Frontflügel oder was?

   Aus der gelben Flagge wurde schnell eine rote und Q1 wurde unterbrochen. Im Replay sah man, dass Sargent immenses Understeering hatte, weshalb er in die Wand gefahren ist.

   Abgesehen davon flogen mal wieder die typischen Kandidaten raus und es kam zum Q2. Dort passierte allerdings auch nichts Spannendes.

   Die nicht vorhandene Spannung fand sich auch im Q3 wieder. Carlos belegte den ernüchternden sechsten Platz. Egal. Das hieß noch nichts.


   Am nächsten Tag stand das Rennen an. Bis auf ein kurzes „Viel Glück beim Rennen" und ein darauffolgendes „Danke" hatte ich heute keinen Kontakt zu Carlos gehabt.

   Generell hatten wir die ganze Woche wenig geschrieben. Das lag aber auch teilweise an mir. Die Arbeit verlangte mir momentan so viel Konzentration und Kraft ab, dass ich nichts anderes mehr im Kopf hatte.

   Heute hatte ich jedoch nur eins im Kopf: das Rennen.

   Mit einem Redbull in der einen und meiner Fernbedienung in der anderen Hand saß ich vor dem Fernseher und stellte ihn lauter.

   Die Formation Lap endete gerade und die Autos reihten sich in ihre Startboxen ein. Dann dauerte es keine Minute, bevor die grüne Fahne geschwungen wurde und die Lichter angingen.

   „Light's out and away we go!", ertönte Croftys Stimme laut durch den Raum und ich setzte mich angespannt auf die Kante meines Sofas.

   Sehr guter Start von Carlos. Er hatte es innerhalb von zwei Kurven von dem sechsten auf den vierten Platz geschafft. Jetzt musste es nur noch so weitergehen.

   Doch leider ging es nicht so weiter.

   Zuerst hatten die beiden Mercedes einen ganz eigenen Kampf miteinander, wodurch es zu einigen kritischen Situationen kam.

   Dann ist Perez in Magnussen reingefahren, weil er einen Lock Up hatte und musste als Konsequenz retiren. Gut so. Ich mochte ihn eh nicht.

   Dann fuhr Alex Bottas in die Seite, wodurch dieser wie ein Flummi auf dem Kies auf und ab hüpfte. Er konnte jedoch weiterfahren.

   Carlos wurde am Ende leider noch von Hamilton und Alonso überholt. Also beendete er das Rennen auf derselben Position, in der er gestartet war.

   Halb so wild. Insgesamt war das Rennen total spannend gewesen. Zwar hatte Max mal wieder gewonnen, doch das machte mir nichts aus. Er war mir so sympathisch, dass ich ihm jeden Sieg gönnte. Irgendwann würde es nicht mehr so sein und bis dahin sollte er es genießen.

   Sofort nach dem Rennen schrieb ich Carlos meine Glückwünsche, um mir dann Frühstück zu machen. Immerhin war es gerade mal halb 10 Uhr morgens. Blöde Zeitverschiebung.


   Den restlichen Sonntag verbrachte ich damit die Post Race Pressekonferenz zu schauen und spazieren zu gehen. Das half mir verdammt gut dabei meine Gedanken zu sortieren. Auch, wenn ich am Wochenende nicht über die Arbeit nachdenken sollte, tat ich es dennoch. Und ich hatte eine Idee, welche Person ich als Ersatz für Schwarze einstellen würde. Doch darüber würde ich morgen noch mit meinem Chef reden müssen.

 

A longer Bathroom Break - Carlos Sainz x OCGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt