Mittlerweile lebte ich fast drei Wochen hier. Fast jeder Tag verlief gleich. Joker ging morgens oder mittags raus und kam abends zurück. Ich war in der Zeit immer daheim und habe entweder ferngesehen oder trainiert.. oder auch geschlafen.
Abends hat er mir manchmal erzählt, wo er war oder was er gemacht hat. Meist wollte er nicht, dass ich mitkomme, da es oft Treffen waren, bei denen ich schnell draufgehen könnte. Ich konnte es nicht nachvollziehen.. Es ist doch schließlich meine Entscheidung, ob ich dieses Risiko eingehen wollte, oder eben nicht. Aber da waren wir nicht ganz einer Meinung. Am liebsten hätte ich ihm direkt gesagt, wie mies ich das fand, immer daheim bleiben zu sollen, aber ich wollte keinen Streit anfangen. Hier zu wohnen fand ich schöner als das Leben auf der Straße.
Im Moment war es ungefähr Mittagszeit. Ich war allein in der Wohnung und nutzte die Zeit um ein paar Situps zu machen. Die Sonne schien durch das Fenster ins Zimmer herein. Heute war das Wetter sehr schön, fast keine Wolke am Himmel, und ich musste hier drinnen rumhocken..
Bei dem Gedanken verschlechterte sich meine Laune ein wenig.
Ich stand auf und ging in die Küche. Dort machte ich mir Kaffee und setzte mich ein paar Minuten später mit einer vollen Tasse vor den Fernseher. Den schaltete ich ein und lehnte mich zurück. Wie sonst auch lief nur Mist im Fernsehen, weshalb ich auf einen Nachrichtensender schaltete. Dort wurde wieder über Sport berichtet. Eigentlich interessierte mich das herzlich wenig, aber es lief nichts Besseres und mir war langweilig, also hörte ich zu. Danach kamen Meldungen von Unfällen und ähnlichem. Es gab schonwieder einen Autounfall in der Nähe des Parks. Das nächste Video zeigte ein großes Haus, welches in Flammen stand. "Letzte Nacht gab es einen Großeinsatz für die Feuerwehr von Gotham City. Das Jacobs-Heim stand in Flammen. Die Ursache ist noch unbekannt, es wird aber von Brandstiftung ausgegangen" Als ich das hörte verschluckte ich mich an meinem Kaffee. Ich fing stark an zu husten. Das war das Heim in dem ich aufgewachsen war. Nach meinem kleinen Hustenanfall hörte ich wieder der Nachrichtensprecherin zu.
"-nige Kinder und Jugendliche kamen in den Flammen ums Leben. Viele werden noch vermisst. Das Feuer konnte man nur schwer unter Kontrolle bringen. Mit jeder Stunde sinkt die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden. 'Ich kann es kaum glauben, dass das Heim und mit diesem viele Leben von Kindern und Jugendlichen zerstört wurden. Ich selbst bin dort aufgewachsen. Wir werden uns bemühen, den Täter schnell ausfindig zu machen' sagte Officer John Spencer bei einer Pressekonfe-" Ich spuckte fast den Kaffee aus als ich den Namen hörte. John Spencer? Sehr alt sah er nicht aus. Vielleicht lebten wir beide zur gleichen Zeit im Heim. Aber ich habe vorher noch nie von ihm gehört..
Ich hörte wie jemand die Tür aufschloss und drehte mich sofort um. Es war der Joker, der seinen Blick auf den Fernseher legte.
"Bitte sag mir, dass das nicht du warst", meinte ich und hoffte zutiefst, dass er nichts mit der Sache zu tun hatte.
"Nein, davon wüsste ich was"
"Also hast du nichts damit zu tun?", fragte ich erneut um sicher zu gehen.
"Ich hab nichts damit zu tun. Was ist das für ein Gebäude?"
"Das ist mein altes Heim..", sagte ich leise und sah zurück zum Fernseher.
Ich hasste dieses Heim, aber es war dennoch ein schreckliches Gefühl zu sehen, wie der Ort, an dem man groß geworden ist, verbrennt.
"Ich.. ich muss mal an die Luft", sagte ich und ging zur Tür.
"Warte!"
Ich drehte mich um. Joker warf mir einen Schlüssel zu. "Deiner"
Ich lächelte kurz. "Danke"
"Nimm 'ne Pistole mit, wenn du raus gehst. Das hier ist nicht grad die sicherste Gegend", meinte er und gab mir eine.
Ich ging in mein Zimmer und holte meine Jacke. Danach ging ich die Treppen des Flures hinunter und aus dem Haus heraus an die frische Luft. Ich ging aus der Gasse heraus und die Straße entlang. Zum Glück waren hier im Moment nicht viele Leute. Ich machte mich auf den Weg in Richtung Downtown. Nach dreißig Minuten war ich am Mainstreet-Park. Hier war auch der Autounfall, über den in den Medien berichtet wurde. Ich ging in den Park und sah mich um. Hier war es relativ ruhig und das gefiel mir sehr. Ich sah mich während des Gehens ein wenig um. Auf meiner linken Seite war ein großer See. Auf der anderen Seite waren - wer hätte es gedacht - Bäume. Als ich wieder nach vorne guckte, merkte ich wie ich gegen jemanden stieß. "Oh, äh 'tschuldigung", sagte ich und sah hinauf in das Gesicht eines Mannes.
"Ist nicht schlimm", sagte er lächelnd.
"Wieso bist du hier? Du scheinst ziemlich jung zu sein, solltest du nicht wie andere in der Schule sein?", fragte er und sah mich etwas skeptisch an.
"Nein, ich musste mich ein wenig ablenken. Hier ist es schön ruhig", meinte ich und zwang mich zu einem Lächeln. "Und warum sind Sie hier?", fragte ich.
"So ziemlich das Gleiche.." Er sah nicht sehr begeistert aus. "Ist grad ziemlich stressig. Ich habe Pause und musste meinen Kopf ein wenig frei kriegen.."
"Welchen Beruf haben Sie, wenn ich fragen darf?"
"Ich arbeite bei der Polizei"
"Ist es so stressig, wegen dem Brand im Heim letzte Nacht?"
"Ja, aber nicht nur deshalb. Der Fall geht mir ein wenig nah. Darum find ich es noch wichtiger, den Schuldigen schnell zu finden"
"Ich bin auch deswegen hier", meinte ich.
"Achja? Was hast du damit zutun?"
"Ich lebte dort bis vor drei Jahren..", sagte ich und setzte mich auf eine Bank. Der Mann setzte sich neben mich. "Wie heißt du?", fragte er mich.
"Clarke. Und Sie?"
"John"
"Spencer? John Spencer?", fragte ich nach.
"Ja, wieso fragst du?"
"Nur so. Ich hab Sie in den Nachrichten gesehen. Sie lebten ebenfalls dort?"
"Ja.. Seit frühen Kindheitsjahren. Nun, ich muss dann jetzt wieder zur Arbeit", sagte er, stand auf und reichte mir die Hand. "Hat mich gefreut, dich kennenzulernen, Clarke." Er lächelte kurz und verschwand danach wieder. Ich sah ihm noch hinterher.
Mittlerweile war es schon zwanzig oder dreißig Minuten her, seitdem John gegangen war, aber ich konnte an nichts anderes als an ihn denken. Vielleicht war ich mit ihm verwandt. Ich dachte, ich hätte keine Familie. Was, wenn er mein Bruder war? Und wenn ja, warum haben die Leute im Heim mir das verschwiegen? Ich lehnte mich zurück und legte seufzend den Kopf in den Nacken. Ich hätte ihm sagen sollen, wie ich mit Nachnamen hieß.. Aber vielleicht war es auch besser, dass ich es nicht gesagt habe. Ich bin bisher auch gut ohne Familie ausgekommen. Ich werd das auch weiterhin schaffen. Ich stand auf und ging aus dem Park. Der Himmel färbte sich leicht orange. Die Sonne schien unterzugehen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lang hier gewesen war. Auf dem Weg nach Hause passierte nicht viel. Auf halbem Wege sprach mich ein dicker älterer Mann an. Er wollte mir irgendwas verkaufen, aber ich lehnte ab und ging, ohne ihm viel Beachtung zu schenken, weiter. Als ich daheim ankam war es bereits dunkel. Ich schloss die Tür auf und ging in die Wohnung. Joker lag auf der Couch und schlief. Ich ging zu ihm und sah, dass sein Makeup völlig verschmiert war. Es sah ein bisschen witzig aus. Auf dem Tisch lag ein offener, leider leerer, Pizzakarton und der Fernseher war an. Ich machte den Karton zu, legte ihn in die Küche und schaltete den Fernseher aus. Danach sah ich nochmal kurz zum Joker und ging danach in mein Zimmer.
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Whatever doesn't kill you simply makes you stranger
FanfictionDas Leben auf Gothams Straßen ist alles andere als einfach und sicher. Doch was passiert, wenn man auf eine Person trifft, die dieses Leben vollkommen auf den Kopf stellt? Genau das passiert Clarke, eine junge Taschendiebin, die eigentlich nur vers...
