Eigentlich hatte ich erwartet, dass der Joker hier wäre, aber da hab ich mich wohl verschätzt. Es war niemand hier. Ich warf schnell einen Blick auf die Uhr, es war 10:16pm, und legte mich ins Bett.
Morgens wachte ich mit guter Laune auf und ging sofort duschen. Nach dem Haareföhnen suchte ich mir ein paar Sachen aus dem Schrank. Ich trug die Hose von gestern und ein graues T-Shirt. Den Joker habe ich bisher immer noch nicht gesehen. Ich wunderte mich mittlerweile sehr. Eigentlich war er morgens immer wieder zuhause.
Es war bereits 11:40am. Ich beschloss, in die Stadt zu gehen.
In einem Café aß ich etwas zum Mittag und ging danach in eine Einkaufsmeile. Ich wollte mir ein Buch kaufen, damit mir nicht so oft langweilig war.
Ich fand ein Schönes und ging danach zum Park.
Dort setzte ich mich zum vereinbarten Ort und fing an zu lesen.
"Darf ich dir Gesellschaft leisten?"
Ich sah auf und vor mir stand John.
"Natürlich, ich bin froh, dass Sie hergekommen sind", erwiderte ich lächelnd und packte das Buch in meine Tasche. John setzte sich neben mich.
"Nun, worüber wolltest du mit mir reden?"
Ich wurde zunehmend nervöser.
"Ähm, nunja, ich weiß nicht genau, wie ich's sagen soll.."
"Sag es einfach, es kann schon nicht so schlimm sein"
"Wissen Sie, ob Sie eine Schwester haben?", fragte ich stattdessen zuerst.
"Mir wurde gesagt, dass ich eine Schwester hätte, aber ich habe sie nie kennengelernt. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es stimmt.. Wieso möchtest du das denn wissen?"
"Ich ähm"
"Du ähm?", fragte er und lachte ein bisschen. Ich lachte ebenfalls, aber leicht nervös.
"Sie lebten im Jacobs-Heim und ich ähm ich auch und.. ich heiße auch Spencer"
Er sah sehr überrascht aus als ich ihm das sagte und ich konnte es ihm auch nicht verübeln.
"Du heißt Clarke Spencer?"
"Ja.."
"Du bist aus dem Asylum abgehauen"
"Ja, aber ich bin nicht kriminell.. und auch nicht verrückt und-"
"Mach dir keine Sorgen", meinte er lachend.
Ich sah ihn fragend an.
"Es ist gut möglich, dass du meine Schwester sein könntest, und du kommst erstens nicht rüber wie eine Verrückte und zweitens würde ich nicht meine Geschwister verraten"
"Und wie wollen Sie-"
"Hör bitte auf mich zu siezen. Da fühl ich mich so alt"
"Okay", sagte ich lachend. "Wie wollen wir herausfinden, ob wir miteinander verwandt sind?"
"Ich kann das testen lassen"
"Und ähm wenn wir das nicht sind.. Du.. du weißt, dass ich, nunja, aus dem Asylum abgehauen bin und-"
"..und du hast Angst, dass ich dich verpfeife und du zurück ins Asylum kommst oder ins Gefängnis oder irgendwas in der Art?"
Ich lachte nervös und zustimmend.
"Mach dir da mal keine Sorgen. Ich bin zwar Polizist, aber ich mag dich und du bist nicht verrückt. Warum bist du eigentlich dort gewesen?"
"Klingt verrückt, aber ich wollte nur meinen Rucksack haben", sagte ich lachend.
"Und der war im Asylum?"
"Nee, der war in einem Parkhaus. Ich wollte den holen und dann war da nicht der Parkhauswächter, sondern der Joker und ich bin weggerannt. Irgendwann hab ich bemerkt, dass er in dem Moment relativ normal war und wir sind zum Parkhaus zurückgegangen. Da wollte er mir den Rucksack geben und kurz darauf kam sowas wie eine Rauchbombe. Ich wurde ohnmächtig und bin in einem Transporter zum Asylum aufgewacht. Ich wurde für verrückt gehalten, weil ich in der Gegenwart des Jokers war.."
"Das kann ich nicht wirklich nachvollziehen.. Ich hätte bei dieser Entscheidung mitwirken sollen"
"Also muss ich mir keine Sorgen machen?"
"Bist du kriminell?"
"Nein, naja, damals ein paar Taschendiebstähle, weil ich auf der Straße lebte und irgendwie überleben musste.. aber das hat sich schon geklärt"
"Es gibt Schlimmeres", meinte er leicht lächelnd. "Wollen wir vielleicht einen Kaffee trinken gehen? Ich lad dich ein. Trinkst du Kaffee?"
"Ja, gerne"
Wir gingen in ein Café und tranken einen Kaffee.
"Wie alt bist du eigentlich?"
"Ich bin 17, und du?"
"24, müsstest du nicht eigentlich im Heim leben bis du 18 bist?"
"Eigentlich schon, aber.. ich bin mit 14 abgehauen"
"Warum?"
"Mein Leben dort war die Hölle.. Fast jeder hasste mich und die, die mich nicht hassten, denen war ich egal.. Ich bin morgens mal aufgewacht und jemand hatte mir meine schönen langen Haare abgeschnitten.. Seitdem hab ich regelmäßig trainiert um stärker zu werden, um abhauen zu können.. Du bist dort geblieben bis du 18 warst?"
"Ja. Danach musste ich weg, aber ich hab schnell eine Bleibe gefunden. Du meinstest, du lebtest auf der Straße, aber jetzt anscheinend nicht mehr. Wo lebst du denn?"
"Ähm, bei einem Bekannten"
Er zog die Augenbrauen hoch. "Ein Bekannter?"
"Ja"
"Woher kennst du ihn denn?"
"Unwichtig", meinte ich lächelnd. "Themawechsel"
"Okay", er trank erneut einen Schluck Kaffee. "Was weißt du über deine Eltern?"
"Gar nichts.. Ich hab im Heim mehrmals nachgefragt, aber die wollten mir nichts sagen.. Weißt du etwas über deine Eltern?"
"Nein, mir wurde auch nichts gesagt"
Wir unterhielten uns noch eine Weile, aber irgendwann wollte er nachhause, da es schon spät war.
"Kann ich vielleicht deine Handynummer haben, damit wir in Kontakt bleiben können?"
"Ich hab kein Handy", sagte ich und lachte ein bisschen.
"Oh okay ähm, wir können uns ja alle zwei Tage im Park treffen?"
"Klingt gut"
"Gut, ich geb dir mal trotzdem meine Nummer, vielleicht brauchst du sie ja mal.. ich geh dann jetzt", sagte er und verabschiedete sich mit einer Umarmung.
"Bis in zwei Tagen", meinte ich und ging nachhause.
Dort angekommen stellte ich fest, dass ich immer noch allein war. Langsam fand ich das ein wenig unheimlich. Ich schaltete den Fernseher an und legte mich auf die Couch.
"-nig bis wolkig, genauso wie morgen. Damit kommen wir zum Sport-" Ich hörte nicht mehr zu und starrte an die Decke.
"Und nun zu einer Eilmeldung. Die Bevölkerung Gothams kann erleichtert aufatmen. Vorhin wurde bekannt gegeben, dass der Joker in Untersuchungshaft sitzt und-"
"Was?!", fragte ich laut.
Ich hörte ein lautes Klopfen an der Tür. Sofort wurde ich nervös. Ich schaltete den Fernseher aus, nahm die Pistole und ging zur Tür. Ich schaute durch den Spion, aber die Person vor der Tür hielt ihn zu.
"Mach die Tür auf, ich tu dir nichts!", rief eine männliche Stimme.
"Klar, erzähl noch so einen! Wer ist da?!"
"Hier is Montie, kennst mich noch?"
"Du bist doch einer von Jokers Leuten?"
"Ja, würdest du jetzt die Tür aufmachen?"
Ich öffnete langsam die Tür, hielt dennoch die Pistole fest im Griff.
"Hey"
"Hi", erwiderte ich. "Warum hast du 'ne Reisetasche da?"
"Du musst hier weg"
"Sagt wer?"
"Joker. Wegen den Cops und so"
"Wo soll ich dann hin?!"
"Das packst du schon. Hier, nimm die Tasche, pack 'n paar Sachen zusammen und schnell weg hier"
Ich konnte und wollte das Alles nicht glauben. Seufzend nahm ich die Reisetasche und packte meine Klamotten hinein. Die Pistole trug ich in einer Hosentasche, nur zur Sicherheit. Ich kannte den Typen schließlich nicht.
"Beeil dich"
"Nee, ich mach jetzt erstmal 'ne Pause. Ich kann ja nachher weiterpacken", meinte ich sarkastisch.
"Ich kann verstehen, dass du's scheiße findest, hier jetzt weg zu müssen, aber ich kann es nicht ändern", sagte er in einem ruhigen Ton, was mich etwas überraschte.
Ich seufzte und packte noch meine Schuhe ein, setzte mir meine Mütze auf. Ich nahm meine andere Tasche und ging nach unten.
"Soll ich dich noch in die Stadt fahren?"
"Nein, danke" Ich traute ihm nicht sehr.
Ich machte mich auf den Weg in die Stadt. Nach einer halben Stunde war ich am Park. Dort setzte ich mich auf eine Bank, die Taschen stellte ich daneben. Hier war man zum Glück ein bisschen abgeschattet vom Rest der Stadt. Ich ging zum See und starrte ins Wasser. Und schonwieder obdachlos..
Mir lief eine Träne die Wange herunter, doch ich wischte sie schnell weg. Ich steckte meine Hände in die Jackentaschen und spürte einen Zettel dort. Den holte ich heraus und sah, dass es Johns Handynummer war.
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Whatever doesn't kill you simply makes you stranger
FanfictionDas Leben auf Gothams Straßen ist alles andere als einfach und sicher. Doch was passiert, wenn man auf eine Person trifft, die dieses Leben vollkommen auf den Kopf stellt? Genau das passiert Clarke, eine junge Taschendiebin, die eigentlich nur vers...
